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Kein Mundschutz, kein Abstand: Der Franzose Nans Peters umgeben von Radsportfans.

Tour de France

Die große Nagelprobe

Am ersten Ruhetag der Tour de France gibt es rund 600 Corona-Tests – das wird zeigen, ob das Konzept der Veranstalter greift oder nicht.

An den Ruhetagen der Tour de France haben in der Vergangenheit schon so manche Kontrollen für unliebsame Überraschungen gesorgt. Alberto Contador weiß davon zu berichten. Dem Spanier half 2010 auch die Geschichte vom verseuchten Steak nichts, ihm wurde der Sieg wegen Dopings aberkannt. In diesem Jahr könnten Kontrollen der besonderen Art für Verwerfungen im Peloton sorgen. Am Montag stehen die ersten Corona-Tests seit dem Start in Nizza an. Hat die Tour-Blase auf dem Weg durch Südfrankreich gehalten?

Alle Fahrer samt Entourage werden sich nach über einer Woche dem PCR-Test unterziehen. Die ersten Tests fanden bereits am Sonntag statt, der Rest folgt am Montag. Das macht mehr als 600 Kontrollen. Schon zwei Positivfälle in einem Team führen zum Ausschluss des ganzen Rennstalls. So könnten kerngesunde Fahrer nach Hause fahren, wenn der Busfahrer und der Physiotherapeut infiziert sind. Eigentlich wollte die Tour-Organisation das Reglement abschwächen und einen Ausschluss auf zwei positive Fahrer beschränken, doch die Behörden grätschten auch wegen der steigenden Infektionszahlen dazwischen. Denn die Pandemie greift in Frankreich weiter um sich, gerade erst gab es den Rekordwert von fast 9000 Positivfällen an eine Tag.

„Blase wurde respektiert“

Teamchef Ralph Denk rechnet nicht mit einem Chaos. „Ich glaube nicht, dass sich ein Rennfahrer oder ein Mitarbeiter an Corona infiziert hat. Die Blase, in der wir uns bewegen sollen, funktioniert im Großen und Ganzen. Man hat keinen Kontakt zu Fremden“, sagte Denk. Auch Claude Rach vom Veranstalter ASO ist gelassen, wie er der ARD sagte: „Es gab keine positiven Fälle. Die Blase wurde respektiert. Wir sind sehr zufrieden.“

Der französische Spitzenklub Paris Saint-Germain sollte aber als warnendes Beispiel gelten. Sechs Fußballstars haben sich innerhalb kurzer Zeit infiziert. Im Radsport wäre das Team PSG damit draußen. „Ich gehe mal nicht davon aus, dass meine Fahrer eine Party gefeiert haben“, entgegnete Denk mit Blick auf die möglichen Umstände.

Doch was passiert, wenn es zahlreiche Fälle quer durch das gesamte Fahrerfeld der Tour gibt? Zwar werden die Athleten jeden Tag medizinisch überwacht und auf Symptome untersucht. Und auch sonst gelten strikte Regeln wie das Tragen von Masken beim Einschreiben, im Bus, im Hotel und bei der Siegerehrung. Doch auf dem Rad fahren die Profis dicht an dicht.

Und ganz abgekapselt sind die Fahrer nicht. Am Col de Peyresourde standen die Zuschauer dicht an dicht und bildeten nur ein kleines Spalier. Die Gefahr sich da zu infizieren, stuft Denk als gering ein. Aber der Veranstalter ASO mache sich angreifbar. „Die ASO ist ja auch nur Bittsteller bei der Regierung für die Genehmigung. Wenn solche Bilder gezeigt werden, habe ich Bauchweh, ob die Regierung, die Gesundheitsbehörden nicht einfach mal die Bremse reinhauen. So nach dem Motto: Bis hierher und jetzt nicht mehr.“

Die Tour-Organisation hat in diesem Jahr ein eigenes Labor für die Tests dabei. Darin werden nun die Abstriche gemacht und direkt eingeschickt. Einen Tag später gibt es die Ergebnisse.“ Wie schnell es gehen kann, zeigte aber bereits der Fall Lotto-Soudal vor dem Tour-Start. Da waren zwei Betreuer positiv getestet worden. Auswirkungen hatte dies nicht, die Angestellten wurden ausgetauscht.

Bei einem Positivfall gibt es die Chance auf eine Gegenprobe, wenngleich Denk skeptisch bleibt. „So ganz klar ist es nicht mit der B-Probe. Es ist schwammig formuliert. Da heißt es: ‚Wenn die Zeit dazu da ist und wenn das Ergebnis rechtzeitig kommt.‘ Ansonsten ist man raus“, sagt der Manager. (dpa)

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