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Ein leeres Stadion droht nicht nur in Frankfurt: Die Geisterspiele kommen zurück.
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Ein leeres Stadion in Frankfurt: Die Geisterspiele kommen zurück.

Corona-Maßnahmen treffen den Profisport

Die Geister sind zurück

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Spiele ganz ohne Fans werden bald wieder Standard im deutschen Profisport. Ganz gleich, ob im Freien oder in der Halle gespielt wird.

Es ist ja guter Brauch, dass die vielbefragten Protagonisten der Fußball-Bundesliga auch Auskunft zu ihren Wünschen für die Weihnachtszeit geben sollen. Oliver Glasner, Cheftrainer von Eintracht Frankfurt, hat nach dem Nachbarschaftsduell gegen den FSV Mainz 05 gesagt, „sobald wie möglich“ wieder in einer ausverkauften Arena zu coachen, denn: „Dann haben wir Corona im Griff.“ Bei seinem letzten Satz auf der Pressekonferenz hat es sich um einen frommen Wunsch fürs neue Jahr gehandelt. Die Wirklichkeit wird eine gänzlich andere sein.

Bundeskanzler Olaf Scholz nimmt den Fußball ins Visier

Statt der maximal bei Großveranstaltungen erlaubten 15000 Zuschauern, die am 17. Spieltag übrigens nur Frankfurt ausschöpfte, sind in der höchsten deutschen Spielklasse bald flächendeckend Geisterspiele angesagt. Aus Furcht vor der hochansteckenden Omikron-Variante hat das Bund-Länder-Treffen am Dienstag beschlossen, dass „überregionale Sport-, Kultur- und vergleichbare Großveranstaltungen“ ab dem 28. Dezember ohne Zuschauer stattfinden.

Ganz gleich, ob in der Halle oder im Freien. Unabhängig vom Impfstatus und auch davon, ob Hygienekonzepte funktioniert haben oder nicht. „Überregionale Großveranstaltungen dürfen nicht mehr mit Publikum stattfinden, das betrifft insbesondere Fußballspiele“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Dienstag nach Beratungen mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder.

Alexander Wehrle spricht von einer schlechten Nachricht für den professionellen Sport

Unter Punkt zwölf des Beschlusses des Bund-Länder-Gipfels hieß es: „Überregionale Großveranstaltungen finden spätestens ab dem 28. Dezember 2021 ohne Zuschauer statt.“ Damit müssen sich auch die Top-Ligen im Basketball oder Eishockey erneut bundesweit auf Geisterspiele einstellen. „Das ist keine gute Nachricht für den kompletten professionellen Sport“, meinte Geschäftsführer Alexander Wehrle vom Bundesligisten 1. FC Köln. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Hans-Joachim Watzke, hatte noch am Montag vor einer Symbolpolitik gewarnt: „Der Profifußball in Deutschland hat als Freiluftveranstaltung mit schon jetzt deutlich reduzierten Zuschauerkapazitäten ein schlüssiges Konzept.“ Eine vergebliche Warnung.

Karl-Heinz Rummenigge, der ehemalige Vorstandschef des FC Bayern, ahnte: „Das wird noch eine große Herausforderung.“ Von der Stimmung her, sagte Rummenigge noch, sei ein Geisterspiel „nichts, und das gilt es zu bedauern“. Der Branchenprimus verliert bei jedem Heimspiel ohne Zuschauer vier bis fünf Millionen Euro. Härter trifft es dennoch die restlichen Klubs, die über keine so üppige Eigenkapitalausstattung verfügen.

Die Geisterspiele reißen ein Loch in die Kasse

Christian Heidel, Vorstand beim FSV Mainz 05, legte zuletzt bei diesem Thema die Stirn in Falten. Bevor er sich Gedanken um den Fußball mache, würde er als erstes an die Gesundheit der Menschen denken. Beispielsweise an seine Eltern: „Mein Papa ist 89, Mama wird 85. Als zweites kommt dann die Überlegung, was bedeutet das für den Verein. Wenn die schlimmsten Prognosen eintreten, dann wird es schwierig.“

Zugleich verwies Heidel darauf, dass der Profifußball kein Treiber der Pandemie sei: „Wir bekommen vom Gesundheitsamt in Mainz immer dieselbe Antwort: Es sind von den Tribünen, bei der Anreise keine Fälle bekannt, die zu Nachverfolgungen geführt haben.“

In fast weiser Voraussicht hatten die Liga-Vertreter bei ihrer jüngsten Mitgliederversammlung die Zügel für die Lizenzierung erneut gelockert. Denn Geisterspiele reißen nun einmal ein Loch in die Kasse. Aber was sollen andere Profisportarten sagen, deren Erlösstruktur noch viel mehr von Zuschauerreinnahmen abhängt? Die 36 Profiklubs im Fußball nehmen im Schnitt nur jeden siebten Euro über den Kartenverkauf ein. Das müsste bei entsprechenden Sparmaßnahmen eigentlich irgendwie zu verkraften sein.

Christian Seifert ist ungehalten über die Politik

Anders ist es bei den Hallensportarten, die ein dicht gedrängtes Programm zu bewältigen haben und viel mehr an den Ticketerlösen hängen. Die Basketball-Bundesliga und die Deutsche Eishockey Liga DEL haben auch über die Festtage Spiele angesetzt. Die Handball-Bundesliga (HBL) geht indes nach dem 28. Dezember in die EM-Pause bis Anfang Februar. HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann sagte, die Spielpause „klingt komfortabler als sie ist. Wir werden uns auf schwierige Zeiten einstellen müssen.“ Allerdings habe eine Saisonunterbrechung noch nie so gut gepasst wie jetzt.

Der scheidende DFL-Geschäftsführer Christian Seifert weiß um die komplexe Thematik und die vielen Tretminen bei diesem Thema. Bei seinem Abschiedsgespräch am vergangenen Donnerstag erinnerte der DFL-Chef daran, dass es für die Corona-Lage zwar kein Knowhow gäbe, aber „am Ende ist das Thema des Umgangs mit Großveranstaltungen immer zu bewerten in dem Kontext einer gesamten Pandemiestrategie eines Landes. Und da habe ich den Eindruck, dass Deutschland seine zu Beginn deutlich führende Rolle eingebüßt hat.“

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