1. Startseite
  2. Sport

„Die Fans sind wieder hungrig“

Erstellt:

Von: Katja Sturm

Kommentare

Die Galaxy wollen allen davonrennen. Foto: Imago Images
Die Galaxy wollen allen davonrennen. © imago images/osnapix

Die beiden Geschäftsführer der Frankfurt Galaxy Christopher Knower und Jörg Ziesche über die Rückkehr des Eis und den Folgen für alle.

Die Frankfurt Galaxy startet am 5. Juni mit einem Heimspiel gegen Düsseldorf Rhein Fire in die neue Saison der European League of Football (ELF). Als Titelverteidiger sind die Hessen in diesem Jahr die Gejagten. Der Kelkheimer Christopher Knower (26) und der Sulzbacher Jörg Ziesche (50), die seit 1. Mai gemeinsam die Geschäfte beim Premierenmeister führen, sprechen im Interview über ihre Ziele und Erwartungen.

Seit Anfang des Monats bereitet sich das komplette Team gemeinsam auf die Saison vor. Mit welchen Zielen gehen Sie diese abseits des Sportlichen an?

Jörg Ziesche: Ich habe zwei zentrale Ziele. Das erste ist ein seriöses finanzielles Wirtschaften. Wir hatten aufgrund der Pandemie 2021 aus finanzieller Sicht sehr schwere Zeiten. Ziel ist es jetzt, die wirtschaftliche Situation zu verbessern. Für die Fans wollen wir das Erlebnis wieder in den Mittelpunkt rücken. Viele haben die Galaxy-Partys von früher mit 30 000 Zuschauern noch im Kopf. Wir haben die Vision, das irgendwann wieder machen zu können. Aber wir müssen Schritt für Schritt wachsen. Das geht nicht von heute auf morgen.

Christopher Knower: Unser Vorteil ist, dass wir im Sommer spielen. Da gibt es kein Basketball, keine Fußball-Bundesliga, kein Eishockey. Die NFL-Saison fängt erst im September an. Wenn man im Sommer Football schauen will, gibt es nicht viel Auswahl in Deutschland. Die ELF war schon im ersten Jahr sehr professionell, allein durch unseren Partner ProSieben Maxx, der die Spiele überträgt. Ab diesem Jahr gibt es bei jedem Spiel das Instant Replay, das wie der Videobeweis beim Fußball funktioniert. Das gab es 2021 nur im Finale.

Was dürfen die Fans vor Ort erwarten?

Ziesche: Nach heutiger Planung wird es ein Stadionerlebnis wie vor der Pandemie geben. Die Fans sind hungrig danach.

Knower: Wir werden die Power Party öffentlich zugänglich machen. Man braucht kein Ticket für das Spiel, um in den drei Stunden vorher mitzufeiern. 2021 war das wegen der Corona-Auflagen nicht möglich. Es wird mehr Aktionen und Interaktion mit den Fans geben.

Mit wie vielen Zuschauern kalkulieren Sie?

Knower: 2021 durften wir nur 3000 reinlassen, und es waren 2800 in der Spitze. Ins Stadion passen 12 000 rein. Es gibt 7000 Steh- und 5000 Sitzplätze. Wobei das mit den Stehplätzen schwierig ist, weil sie nicht überdacht sind und die Spiele mehr als zwei Stunden lang dauern. Viele Fans nutzen aber Sitzkissen im Stehplatzbereich. Die Stehplätze sind in unserem Stadion in den beiden Endzonen, das sind sehr gute Plätze bei einem Footballspiel.

Dem GFL-Club Universe kamen die Stadt und der Betreiber FSV bei der Stadionmiete entgegen. Ist das bei Ihnen auch der Fall?

Ziesche: Etwas mehr Rückenwind und zukünftig bessere Lösungen wären natürlich schön. Für ein Start-up sind das sehr relevante Kosten, auch wenn wir keine Aussagen über die Höhe treffen. Nach meinem Kenntnisstand haben wir eine der höchsten Mieten in der ELF. Jeder kann es sehen: Die Videowand ist in die Jahre gekommen und nicht mehr zeitgemäß. Wir hören von vielen Fans, dass man darauf nicht mal richtig den Spielstand erkennen kann. Da würden wir uns natürlich mehr Qualität wünschen. Aus eigener Kraft können wir das nicht stemmen.

Wie hoch ist Ihr Etat und wie setzt sich dieser zusammen?

Ziesche: So ein Etat liegt im unteren einstelligen Millionenbereich. Die tragenden Säulen sind die Zuschauereinnahmen, Sponsoring und Merchandising-Erlöse, grob im Verhältnis 40, 40, 20. Wobei die Situation jetzt nicht einfach ist. Es gibt uns erst seit kurzer Zeit. Wir haben Partner, sind aber noch nicht so tief verwurzelt wie ein Verein, der schon 20 Jahre dabei ist. Die werbetreibenden Unternehmen sind selbst in Krisensituationen durch den Ukraine-Krieg oder Corona. Aber wir bieten auch etwas. Wir sind einer der Football-Vereine mit der größten Reichweite in Deutschland. Wir haben 30 000 Follower in den Sozialen Medien, das wächst stetig. Wir haben vermutlich auch die meisten Fans im Stadion.

Mitgründer Alexander Korosek wollte Synergien mit dem Volleyball-Bundesligisten United Volleys schaffen, hat die Galaxy aber mittlerweile verlassen. Was ist übrig von den Plänen?

Knower: Wir haben uns im Guten getrennt, weil er sich ganz auf die Volleys konzentrieren wollte. Aber wir sind weiter in Kontakt, und er wird bei vielen Spielen im Stadion sein.

Ziesche: Wir wollen Synergien mit allen Frankfurter Sportvereinen schaffen. Mit den Volleys, den Löwen, den Skyliners. Gerade US-amerikanische Sportarten wie Eishockey oder Basketball passen mit der Galaxy gut zusammen. Wir bedienen teilweise denselben Markt und sind nur mit unterschiedlichen Angeboten zu unterschiedlichen Zeiten unterwegs. Wir diskutieren gemeinsame Angebote an die Wirtschaft und die Fans. Aus Sicht eines Fans macht es Sinn, im Winter eine Hallensportart und im Sommer ein Footballteam zu besuchen. Gerade für lokale Firmen, die vielleicht bei der Eintracht zwischen den vielen Großsponsoren untergehen würden, könnte so eine Kooperation mit kleineren Vereinen eine relevante Medienreichweite und Leistung bedeuten.

Mit den Volleys hatten Sie sich auch Wohnungen geteilt. Am Zustand Ihres eigenen Spieler-Hauses gab es derweil viel Kritik.

Knower: Da ist einiges schiefgelaufen, anderes wurde übertrieben dargestellt. Wir haben das Haus komplett auf Vordermann gebracht. Wegen Corona ging das nicht von einem Tag auf den anderen. Jetzt haben die Spieler auch mehr Platz, weil es nur noch acht und nicht mehr zwölf in dem Gebäude sind.

Ziesche: Wir sind nur Mieter in dem Haus, aber natürlich war die Situation nicht befriedigend. Wir haben dem Vermieter Druck gemacht und auch selbst investiert.

An der ELF selbst wird bemängelt, dass die Klubs anderen Vereinen die Spieler wegschnappen, ohne selbst Talente auszubilden.

Knower: Die Liga gibt den Klubs vor, dass sie die Jugendarbeit fördern müssen. Die Kader bestehen zu 80 Prozent aus deutschen Spielern. Ohne Jugendarbeit wird es nicht möglich sein, diese Liga auf Dauer zu betreiben. NFL steht bei vielen für „Not for long“. Football ist für die meisten im Profibereich nach vier oder fünf Jahren vorbei. Wir brauchen immer Nachwuchstalente. Aus Kapazitätsgründen ist es derzeit noch nicht möglich, diese selbst auszubilden. Auch deshalb wollen wir mit anderen Vereinen, nicht nur mit Universe, zusammenarbeiten und deren Jugendarbeit unterstützen. Wir haben im April aber auch selbst einen gemeinnützigen Verein, die Frankfurt Sports & American Football Academy e.V., gegründet.

Ziesche: Zusammen mit der Liga glauben wir daran, dass es irgendwann eine Struktur gibt, in der die Besten in Europa in der ELF spielen, diese aber mit den lokalen Ligen und den Vereinen mit ihrer Nachwuchsarbeit darunter kooperiert. So ist das heute schon in Österreich oder Italien.

Was erwarten Sie aus sportlicher Sicht von der Saison?

Ziesche: Wir sind die Gejagten. Für jedes Team ist das Spiel gegen uns ein Saisonhighlight. Die Gegner geben sich besondere Mühe, und wir müssen härter und besser sein. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass die bisherige Leistung ausreicht, um wieder oben mitzuspielen. Zwei starke Teams, Innsbruck und Wien, sind in unserer Conference dazugekommen. Alle anderen sind auch stärker geworden. Die gute Nachricht für Fans ist: Sie werden sehr spannende Duelle erleben. Die schlechte: Wir können auch leichter verlieren. Unser Ziel bleibt, in die Playoffs zu kommen und den Titel zu verteidigen.

Interview: Katja Sturm

Auch interessant

Kommentare