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Streithähne: Fritz Keller und Friedrich Curtius.
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Streithähne: Fritz Keller und Friedrich Curtius.

Machtkampf beim DFB

Die Eskalation

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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DFB-Präsident Fritz Keller will am Freitag auf der Präsidiumssitzung Fakten präsentieren, warum es nicht mehr zu einer Versöhnung mit Generalsekretär Friedrich Curtius kommen kann.

Am Mittwoch hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einen Instagram-Post herausgeschickt. Man sieht einen breit lächelnden Nationaltorhüter Manuel Neuer, umrahmt von einer Botschaft: „Vor uns liegen große Aufgaben, und ich habe große Lust darauf, diese Aufgaben mit der Mannschaft zu lösen.“

Der Zeitpunkt des Postes ist einigermaßen absurd, man könnte glatt von einem Ablenkungsmanöver sprechen. Die „großen Aufgaben“ liegen nämlich noch in weiter Ferne. Viel näher ist eine potenziell hochemotionale Präsidiumssitzung am Freitag, in der DFB-Präsident Fritz Keller den Giftschrank öffnen wird. Der 63-Jährige will erklären, warum er einen Untersuchungsausschuss im eigenen Verband fordert, der sein tiefgreifendes Misstrauen nicht nur in Generalsekretär Friedrich Curtius, sondern auch in Vize-Präsident Rainer Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge bestätigen soll. Es geht unter anderem um einen hochdotierten Beratervertrag. Eine Versöhnung, wie sie Keller gerade mit dem im Unfrieden vom DFB geschiedenen Ex-Nationalspieler Mesut Özil anstrebt und diesen deshalb persönlich anschrieb, erscheint unmöglich. Schwer vorstellbar auch, dass nur der operative DFB-Chef Curtius gehen muss, derweil Keller, Koch und Osnabrügge zurück zu einer gedeihlichen Zusammenarbeit finden. Dafür ist zu viel kaputtgegangen.

Wenn die gewaltigen Probleme beim DFB doch so schnell dahinschmelzen würden wie die großen Schneemengen im Frankfurter Stadtwald. Die in der Nacht auf Dienstag gefallene weiße Pracht hielt draußen dem Tauwetter nicht stand, aber nichtsdestotrotz herrscht drinnen in der DFB-Zentrale am Ende der Otto-Fleck-Schneise weiterhin Eiszeit. Keiner traut dem anderen noch über den Weg, und die zum Großteil im Homeoffice befindlichen Mitarbeiten leiden unter der Situation. Der Streit in der Spitze und dessen mediale Wucht führt allseits zu Frust, der Respekt vor der Führungsetage ist auf Minimum gesunken.

Liga stützt den DFB-Boss

Formaljuristisch kann freilich niemand den anderen einfach aus dem Amt drängen. Auch das Präsidium ist dazu laut Satzung nicht befugt. Ergo müsste der Druck auf Curtius, Koch, Osnabrügge auf der einen oder Keller auf der anderen Seite schon so groß werden, dass Rücktritte die Folge wären. Ganz so, wie es bei Kellers Vorgängern Wolfgang Niersbach (2015) und Reinhard Grindel (2019) der Fall war.

Dem Trio Curtius, Koch, Osnabrügge (der Anwärter auf eine Keller-Nachfolge sein könnte) und weiteren Vize-Präsidenten aus dem Amateurlager steht die fünfköpfige Gruppe der Deutschen Fußball-Liga im DFB-Präsidium gegenüber, angeführt von Christian Seifert und dessen Adlatus Peter Peters. Die Bundesliga kann sich eine weitere Zusammenarbeit mit Keller sehr wohl, mit Curtius allerdings überhaupt nicht vorstellen. Stellvertretend sagte Borussia Dortmunds Klubchef Hans-Joachim Watzke jüngst im „Kicker“: „Fritz Keller hat offensichtlich ein paar Leute in der Administration, die ihm schaden wollen. Von denen sollte er sich schnellstmöglich trennen.“ Er habe Keller „ermutigt, klare Kante zu zeigen“. Bei der DFL hält man es für eine Mär, sie wolle im DFB die Macht übernehmen, die gezielt gestreut werde, um die Amateurvertreter geschlossen hinter Curtius/Koch/Osnabrügge zu bekommen,

Einen Verband, den eine groß angelegte Razzia im Herbst vergangenen Jahres, zuletzt noch Steuernachforderungen wegen Sachzuwendungen des Großsponsors Adidas belastet haben – davon wird die Liga die Finger lassen, zumal deren Chef Christian Seifert im nächsten Jahr selbst die Kommandobrücke verlässt.

Auch der Umgang mit dem Wirken der Ermittler der Firma Esecon ist zu einem zentralen Streitpunkt geworden. Ende Januar soll der Esecon-Bericht zur von Keller beim Amtsantritt im September 2019 ultimativ geforderten sogenannten Generalinventur vorliegen. Die Expertenteams von Esecon setzen sich aus Kriminalisten, Polizisten, Juristen, IT-Forensikern und Wirtschaftsprüfern zusammen – sie haben Räume im Anbau der DFB-Zentrale bezogen, führen Befragungen durch, tauchen in Sitzungen auf. Durch Zugriff auf Email-Konten und die DFB-IT könnten sämtliche Mails gesichtet werden. Einige Angestellte berichten von einem Klima der Angst. Sie sind sich einig: „So kann es nicht weitergehen.“

Von Frank Hellmann und Jan-Christian Müller.

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