1. Startseite
  2. Sport

Deutschland gegen die Schweiz: In Abneigung zugetan

Erstellt:

Von: Günter Klein

Kommentare

Schweizer Torfabrikant: NHL-Profi Timo Meier.
Schweizer Torfabrikant: NHL-Profi Timo Meier. © AFP

Bei der WM in Finnland geht es um die Ausgangslage fürs Viertelfinale. Die Rivalität zwischen den Nachbarn ist über Jahre gewachsen, das Verhältnis sehr speziell.

Der Münchner Patrick Hager hatte sich entschieden, für die diesjährige Eishockey-WM in Finnland abzusagen, dennoch hat ihn jetzt die Spannung erfasst, er blickt auf das letzte Vorrundenspiel am Dienstag (11.20 Uhr/Sport1 und Magentasport) und spricht von „Wir“. Es geht für die Deutschen ohne ihn gegen die Schweiz, diesmal sogar um den Sieg in der Gruppe und die beste Ausgangsposition fürs Viertelfinale, dafür müsste man mit drei Toren Differenz gewinnen. Doch auch ohne diesen speziellen Anreiz wäre es ein besonderes Aufeinandertreffen. „Die Abneigung zwischen uns gründet auf Gegenseitigkeit“, erläuterte Hager am Sonntag als Gast im Sport1-Studio. Diesen Satz unterlegte er mit seiner bösesten Playoff-Miene.

Im Grunde pflegen die Eishockey-Verbände von Deutschland und Schweiz ein freundschaftliches Verhältnis. Man ist sich jeweils der häufigste Länderspielgegner, die Eidgenossen sind beim jährlichen Deutschland Cup als Teilnehmer quasi gesetzt, und wenn es freie Länderspieltermine gibt, fragen die Schweizer zuerst die Deutschen und die Deutschen zuerst die Schweizer. Doch gerade aus dieser Nähe erwächst Rivalität. „In den Nachwuchs-Nationalmannschaften triffst du ab 16 regelmäßig auf die Schweizer, vergleichst dich mit ihnen Jahr für Jahr“, erklärt Ex-Nationalspieler und TV-Experte Rick Goldmann, wie sich in jeder Generation das „Wir gegen die“ aufbaut.

Kommentator vergisst sich

Beide Seiten pflegen das Klischee. Es lautet: Die Schweizer seien top ausgebildet, weil bei ihnen jeder größere Verein in der Lage ist, das in den Nachwuchs zu investieren, was in Deutschland dem Budget des kompletten Verbands entspricht. Die Deutschen jedoch hätten einen mentalen Vorsprung gegenüber den Schweizern, seien die besseren Wettkampftypen und würden daher die wichtigen Spiele gewinnen. Wie 2001: 3:1 zum Auftakt der Heim-WM. 2010, nochmals Heim-WM: 1:0 im Viertel-, Erreichen des Halbfinales. Olympia 2018: 2:1 nach Verlängerung in der Qualifikation fürs Viertelfinale. WM 2021: Im Penaltyschießen 3:2. Die deutsche Mannschaft lag bis zur letzten Minute zurück, glich durch Leon Gawanke aus, unvergessen dann der trickreiche Penalty von Marcel Noebels – und die Freudeneruption von Sport1-Kommentator Basti Schwele, der vergaß, dass er gelegentlich auch fürs Schweizer Fernsehen arbeitet.

Vor allem die 2021er-Niederlage lastet auf der Schweiz, ihr General Manager Lars Weibel sagt: „Wir sind in die Analyse gegangen.“ Ergebnis: „Ein besseres Energie-Management ist notwendig.“ Den Aspekt Fitness sollten vor allem die sieben NHL-Profis einbringen, auf die Nationaltrainer Patrick Fischer zurückgreifen kann: Jonas Siegenthaler und Nico Hischier (New Jersey), Janis Moser (Arizona), Pius Suter (Detroit), Timo Meier (San Jose), Philipp Kurashev (Chicago), Dean Kukan (Columbus). Um sie einschätzen zu können: Hischier (23) war Nummer 1 im Draft von 2017 (deutscher Rekord ist Platz 3 für Leon Draisaitl 2014 und Tim Stützle 2020), Meier (25) war Nummer 9 und schoss diese Saison 35 Tore.

Personell ist in Helsinki die wohl beste „Schwyzer Nati“ jemals am Start – und zweimal, 2013 und 2018, war sie bereits Vizeweltmeister.

Auch interessant

Kommentare