Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Franz Reindl hört kommendes Jahr als DEB-Präsident auf - die Suche nach seinem Nachfolger läuft.
+
Franz Reindl hört kommendes Jahr als DEB-Präsident auf - die Suche nach seinem Nachfolger läuft.

Eishockey

Deutsches Eishockey: Zwischen Whistleblowing und Rachefeldzug

  • Günter Klein
    VonGünter Klein
    schließen

Sportlich läuft es rund im deutschen Eishockey, der Verband aber erlebt turbulente Tage und Wochen.

Das „Haus des Eissports“ im Münchner Stadtteil Obermenzing sah schon mal schlechter aus, und in den Räumen ging es beengter zu. Doch die Verbände für Eiskunstlauf und Eisschnelllauf sind nicht mehr dort untergebracht, das Eishockey hat sich seinen traditionellen Sitz am Betzenweg zurückerobert. Das DEB-Logo prangt an der Fassade, auch über der Einfahrt zur Garage steht, wer der Hausherr ist: „Deutscher Eishockey-Bund e.V.“. Man hat renoviert, außen, innen, auch um zu signalisieren: Das deutsche Eishockey steht gut da.

Tut es im Großen und Ganzen. Der DEB ist zuständig für die Nationalteams, die der Männer war zuletzt sehr erfolgreich: Olympia-Silber 2018, Deutschlands Mannschaft des Jahres, WM-Halbfinale 2021, Weltranglistenplatz fünf. Einer der Besten der Welt ist ein Deutscher: Leon Draisaitl, der in der NHL spielt. Es läuft für den DEB, könnte man meinen. Doch was sich derzeit im DEB abspielt, gefährdet das Image und irgendwann womöglich den Erfolg. Nach dem Deutschen Fußball-Bund und dem Deutschen Olympischen Sportbund ist nun auch der DEB mit einem hausgemachten Streit beschäftigt, der Kreise weit über seine Blase hinaus zieht. Das deutsche Eishockey erlebt Tage zwischen Whistleblowing und Rachefeldzug. Einige Akteure treten offen auf, andere arbeiten verdeckt.

Franz Reindl

Der Präsident

Der Garmisch-Partenkirchner ist schwer aus dem Gleichmut zu bringen. Doch seit er vor zwei Wochen im selbstsicheren Bemühen, Präsident des Eishockey-Weltverbandes IIHF zu werden, krachend scheiterte, ist der 66-Jährige angefasst. Woran lag es, dass er mit seiner perfekten Eishockey-Biografie – herausragender Spieler, dann Trainer, Manager von Liga und Verband, Organisator von drei Weltmeisterschaften und seit 2014 erfolgreicher Präsident des DEB – in der IIHF fallengelassen wurde und lediglich einen Posten im Council retten konnte?

Ein Grund ist wohl: Er gilt als Zögling des nach 27 Amtsjahren abgetretenen Schweizers René Fasel, dessen persönliche Nähe zu Wladimir Putin die Nordamerikaner in der IIHF irritierte. Neuer IIHF-Präsident wurde der eher blasse Franzose Luc Tardif. Für Reindl war indes vorrangig, dass der „Spiegel“ pünktlich zum IIHF-Kongress in St. Petersburg vermeldete, die Ethikkommission des DOSB werde sich mit dem Vertragskonstrukt um ihn beim DEB befassen. Der Kernpunkt: Präsident im deutschen Verband ist eine ehrenamtliche Aufgabe, Reindl war jedoch auch Geschäftsführer der DEB GmbH, die zuletzt die WM 2017 abhielt, danach aber künstlich am Leben gehalten werden musste.

Zeitweise mit Geldern der Schweizer Vermarktungsagentur Infront. Die Frage also: Wurde der Präsident des DEB von einem externen Vertragspartner des Verbandes bezahlt? Hatte das Einfluss auf seine Entscheidungen bei der Vergabe von Vermarktungsrechten, bestand ein Interessenskonflikt? Hoch ist die Summe, um die es geht, nicht: Sie bewegt sich monatlich im vierstelligen Bereich. Brutto. Reindl nennt das Vorgehen seiner Gegnerschaft „orchestriert“. Eine erste Veröffentlichung gab es Anfang Juni während der WM in Riga, die zweite zum Wahlkongress.

Stefan Schaidnagel Das Phantom

In den bisherigen Presse-Enthüllungen zum Fall Reindl fiel der Name Stefan Schaidnagel nicht. Dabei ist der 40-Jährige, der sich vor einem Jahr in den Krankenstand begab und zum 31. März 2021 beim DEB ausschied, die zentrale Figur. Schaidnagel – eine interessante Persönlichkeit. Der Allgäuer war als Eishockeyspieler talentiert, aber glücklos, er wählte Vereine, die pleite gingen. Er studierte Sportwissenschaft, arbeitete in den USA für den auch mit dem DFB verbundenen Fitnesspapst Mark Verstegen, war nach seiner Rückkehr Konditionstrainer beim Fußballklub FC Ingolstadt. Zum DEB kam Schaidnagel zunächst als Bundestrainer Wissenschaft, wegen seiner Fachkompetenz machte er zügig Karriere. Sein letzter Job war „Sportdirektor mit Generalverantwortung für das deutsche Eishockey“.

Er wählte den in der Oberliga tätigen Finnen Toni Söderholm als Bundestrainer aus – ein Glücksgriff. Er reformierte die Trainerausbildung, der Wind der Veränderung wehte durch die Geschäftsstelle – und manchen auch aus ihr hinaus. Schaidnagel strahlte aus, dass er von sich überzeugt war, Freunde rieten ihm allerdings auch, weniger aggressiv aufzutreten. Er griff gerne an – alte Strukturen und besonders jene der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Reindl war lange begeistert von Schaidnagel, Risse taten sich vor zwei Jahren auf, als der Sportdirektor beim Deutschland Cup in Krefeld forderte, dass die DEL ihr Kontingent an Importspielern reduzieren solle, Reindl als Präsident fing die Aussage, die vor allem den Klubs missfielen, die ihre Kader nicht mit überwiegend deutschen Spielern besetzen und finanzieren können, am nächsten Tag wieder ein. Der DEB-interne Machtkampf war eröffnet. Was danach folgte, liegt im Dunkeln. Schaidnagel soll auf Mauscheleien gestoßen sein.

Gegen Ende seiner Zeit im Büro muss Schaidnagel sich gemobbt gefühlt haben. Er, der immer attackiert hatte, wurde nun selbst zum Ziel. Der DEB stellte sich nach Schaidnagels offiziellem Abschied neu auf. Sportdirektor wurde der Ex-Nationaltorhüter Christian Künast – eine Demütigung für Schaidnagel: Er hatte Künast zum Frauenteam abkommandiert, ihn wissen lassen, dass er ihn für nicht sehr fähig halte. Schaidnagel selbst ist seit einem Jahr wie verschwunden. Es soll ihm nicht gut gehen – auch wenn Reindls Misserfolg in der IIHF für ihn ein Erfolg ist.

Hendrik Jan Ansink Der Einflussreiche

Thomas de Maiziere steht der DOSB-Ethikkommission vor. Sein Schreiben, in dem er dem DEB eine interne Klärung empfiehlt, richtete der ehemalige Innenminister an Hendrik Jan Ansink, den Chef des Eishockeyverbandes Hessen. Ansink war ursprünglich Franz Reindl zugetan, schloss sich kürzlich aber der Protestbewegung der Verbände Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen an.

Ansink ist ein etablierter Wirtschaftsprüfer aus Frankfurt, dem man aus seiner Zeit bei einer Unternehmensberatung einen direkten Zugang ins Kanzleramt nachsagt. Ihm ist es im Wesentlichen zu verdanken, dass das Eishockey zu Corona-Hilfen kam, er hat zudem durchgedrückt, dass DEL und DEL 2 sich auf Auf- und Abstieg verständigten. Ansink, der auf eine Gesprächsanfrage unserer Zeitung nicht reagierte, ist der vorzeigbare Teil des Teams Schaidnagel. Ansink agiert in einer anderen Gewichtsklasse als übliche Landesfürsten.

Wer wird den Verband künftig führen?

Franz Reindl hört als Präsident 2022 auf, die Opposition will ihn eher weghaben. Allerdings: Reindl verfügt über eine Mehrheit, er hat auch die DEL auf seiner Seite. Reindl brachte Verband und Profiliga unter ein Dach, bei seinem Vorgänger Uwe Harnos war daran nicht zu denken. Etwas überraschend ist auch Bundestrainer Toni Söderholm, ursprünglich ein Schaidnagel-Mann, auf die Reindl-Seite gewechselt. Kandidieren Schaidnagel oder Ansink? Oder wird Marcus Haase DEB-Präsident? Der Rechtsanwalt erledigt schon länger die Rechtsangelegenheiten des DEB-Vorstands, Reindl hält ihn für „jung, dynamisch und gut eingearbeitet“. Eishockey hat Haase auch gespielt, für die Eisbären Juniors Berlin in der Oberliga. Er ist der Favorit.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare