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Deutsches Desaster am Bergisel

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Von: Patrick Reichelt

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Tolles Panorama, mäßige Leistung: Andreas Wellinger stürzt sich die Bergisel-Schanze in Innsbruck hinunter - und landet auf Rang 18.
Tolles Panorama, mäßige Leistung: Andreas Wellinger stürzt sich die Bergisel-Schanze in Innsbruck hinunter - und landet auf Rang 18. © dpa

Beim Tournee-Springen in Innsbruck stürzen die DSV-Adler ab. Kubacki holt den Tagessieg, Granerud steht vor dem Gesamterfolg.

Als Halvor Egner Granerud zum letzten Mal an diesem Tag von der imposanten Bergisel-Schanze in die Tiefe blickte, da reifte in ihm die Überzeugung, dass das nicht alles gewesen sein konnte. Fast die Hälfte seines Vorsprungs in der Gesamtwertung dieser 71. Vierschanzentournee war dem norwegischen Springerkönig bei kniffligen Bedingungen in nur einem Durchgang flöten gegangen.

Und nun? Reagierte Granerud, wie Champions eben reagieren. Der 26-Jährige bescherte dieser dritten Tournee-Etappe ihren reinsten Moment. Den einzigen Moment fliegerischer Perfektion. Bei 133 Metern setzte der Norweger mit blitzsauberem Telemark im nassen Schnee von Innsbruck auf. Das war weiter, viel weiter als alles, was dieser Tag bis dahin gebracht hatte. Und die Explosion der Gefühle zeigte schon, dass der Mann aus Trondheim ahnte, das dies der entscheidende Moment dieses Vier-Schanzen-Turniers gewesen sein konnte. „Ich bin so unglaublich glücklich“, kommentierte er wenig später.

Klar, die Möglichkeit, der vierte Vierfachsieger in der Historie der Tournee zu werden, war dahin. Doch Tagessieger Dawid Kubacki rettete mit einem nur 3,5 der fast 14 Punkte Vorsprung aus dem ersten Durchgang ins Ziel. Magere zwei Meter also, die der polnische Weltcup-Spitzenreiter wettmachte. Ins Finale am Freitag in Bischofshofen nimmt Granerud umgerechnet also knapp 13 Meter Vorsprung mit. Das ist auch auf der Schanze der Flieger im Tournee-Programm eine Menge Holz – Granerud war entsprechend erleichtert: „Ich bin froh, dass ich nur knapp geschlagen worden bin.“

Karl Geiger knabbert

Womit die Deutschen am, von ihnen mäßig geliebten Bergisel, auch schon hoch zufrieden gewesen wären. Doch Karl Geiger, ihr eigentlich Bester, knabberte im Mannschaftshotel an seiner Qualifikations-Katastrophe. Und ließ sich auf dem Katastrophenberg nur in Form einer Videobotschaft blicken. „Ich habe da ein bisschen zu knabbern dran, werde das jetzt aber abhaken“, meldete der Oberstdorfer mit Blick auf die nahende Aufgabe in Bischofshofen. Statt ihm sollten es nun eben „die Jungs rocken“.

Das taten sie, nun ja, nicht wirklich. Einzig Aufsteiger Philipp Raimund durfte mit einem Lächeln in Richtung Pongau weiterreisen. 116,5 und 118 Meter reichten immerhin zu Platz 13 und damit zum besten Karriere-Resultat des 22-Jährigen, dem in Innsbruck der Großteil seiner Familie im Stadion die Daumen drückte. „Mir macht diese Tournee unglaublich viel Spaß“, sagte Raimund in die Mikrofone.

Dem Kollegen Andreas Wellinger war der, nach ansprechenden deutschen Stationen, in Innsbruck ein wenig vergangen. Der Ruhpoldinger war ja als leise letzte Hoffnung der Deutschen angetreten. Doch auch er musste feststellen, dass die kleinste Tournee-Schanze mit der geringen Anlaufgeschwindigkeit nicht unbedingt ein taugliches Pflaster ist für Athleten auf der Suche nach sich selbst. 120 Meter und 114 Meter und Platz 18 sprangen für Wellinger heraus. Als Tournee-Achter mit gut 25 Metern Rückstand auf Platz drei bleibt auch ihm nur noch die Hoffnung auf ein versöhnliches Tagesergebnis. „Meine Sprünge sind nicht schlecht“, befand Andreas Wellinger, „aber eben auch nicht gut.“

Sein Trainer Stefan Hofngacher nahm den Wettbewerb einigermaßen ernüchtert zur Kenntnis. „Wir wollten uns im Verlauf der Tournee immer weiter steigern – stattdessen sind wir ziemlich weit abgerutscht“, sagte der 53-jährige Bundestrainer, „aber wir sind nicht ratlos. Wir wissen, wo wir ansetzen müssen.“

Immerhin das. Die genauen Ansatzpunkte wollte er indes nicht öffentlich benennen.

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