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Deutsche Sprintstaffel bei der EM: Vielfältig erfolgreich

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Von: Günter Klein

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Gold in der Staffel: die deutschen Sprinterinnen.
Gold in der Staffel: die deutschen Sprinterinnen. © dpa

Die deutsche Sprintstaffel setzt bei der Leichtathletik-EM mit Gold über 4x100 Meter einen emotionalen Schlusspunkt. Besonders Alexandra Burghardt kann auf ein medaillenreiches Jahr zurückblicken.

Medaillenspiegel!“, ruft Gina Lückenkemper. Man merkt ihr an, wie sie darauf gewartet hat, den Gag loszuwerden: Staffelkollegin Alexandra Burghardt könne nun im Weltjahres-Medaillenspiegel als eigene Nation aufgeführt werden. Denn vielfältiger erfolgreich sein, das geht gar nicht.

Im Februar gewann Alexandra Burghardt aus Mühldorf am Inn, ihre Sprachfärbung unüberhörbar bayerisch, in Peking Silber im Zweierbob, als Anschieberin bei Mariama Jamanka. Bob ist ihre Zweitsportart, Quereinstiege von sprintstarken Leichtathlet:innen in die Eisrinne sind seit Mitte der 70er-Jahre nicht unüblich. Nach Peking hat sich Burghardt, 28, wieder auf ihren Kernsport konzentriert und dort zwei Erfolge mit der 4x100-Meter-Staffel folgen lassen: Bronze bei der Weltmeisterschaft in Eugene, die späte erste von nur zwei Medaillen des deutschen Leichtathletik-Teams überhaupt. Gefolgt von Europameisterschaftsgold in München. Drei Wettbewerbe, drei verschiedenfarbige Auszeichnungen. „Eine Medaille in einem Jahr ist schon sehr emotional und Wahnsinn – jetzt drei, das ist fantastisch“, so Burghardt, die „scherzeshalber vom vollen Medaillensatz“ gesprochen hatte. Worin nach Eugene ja die klare Sieg-Ansage für München steckte.

Bei der WM war die deutsche Sprintstaffel in ihrer eingespielten Besetzung mit Burghardt, Tatjana Pinto, Gina Lückenkemper und Rebekka Haase hinter den USA und Jamaika das beste europäische Quartett gewesen – die für stärker gehaltenen Britinnen hatten gepatzt (Platz sechs). Obwohl die Staffel ein fragiler Wettbewerb ist, schreckten die deutschen Frauen nicht davor zurück, ihre Gold-Ambitionen in Europa zu formulieren. „Das ist eine Frage des Mindsets und der mentalen Herangehensweise“, erklärt Alexandra Burghardt. „Wenn man sich international umschaut, erlebt man oft, dass jemand seine Ziele kommuniziert, sich dafür nicht schämt und keine Angst hat, zu viel zu sagen.“ Sie persönlich habe sich früher „auch nicht getraut, es auszusprechen. Aber das ist der erste Schritt, es für möglich zu halten – und dann auch möglich zu machen.“

Sicher war es ein Boost für die Staffel, dass Gina Lückenkemper, die 100-Meter-Europameisterin im Einzelrennen, zum Finale zurückkehrte. „Verletzt bin ich immer noch“, sagte sie. Am linken Knie trug sie Pflaster, der rechte Unterschenkel war mit Tapes versehen, sodass es aussah, als trage sie einen Ringelstrumpf. Den Vorlauf („Er war sehr, sehr geil“) hatte sie nur von draußen beobachten können. Beim Auskurieren ihrer Sturzverletzung vom Dienstag half ihr das „Ärzteteam, das einen hervorragenden Job gemacht hat“. Dass sie im Finale ihren Staffelplatz einnehmen konnte, empfand sie „zu hundert Prozent als Belohnung. Ich habe jede Sekunde genossen, jeder Schritt, den ich gemacht habe, wurde von den Menschen gefeiert.“

Großbritannien und Frankreich flogen wegen verpatzter Wechsel raus, die Deutschen hingegen integrierten problemlos Lisa Mayer, die die verletzte Tatjana Pinto ersetzte und meinte: „An das alles war vor vier Wochen nicht zu denken.“

Die Übergabe des Staffelstabs – kein Problem. „Wir sind alle erfahren, können individuell und flexibel agieren, und es gibt ein paar Regeln, die man befolgen sollte – dann ist das kein Hexenwerk“, versichert Alexandra Burghardt. Die Gold-Silber-Bronze-Frau.

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