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Deutsche Frauenpower auf Hawaii

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Von: Frank Hellmann

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Gut unterwegs: Daniela Bleymehl.
Gut unterwegs: Daniela Bleymehl. © Imago

Anne Haug, Laura Philipp und Daniela Bleymehl schielen beim Ironman Hawaii aufs Podium

Noch immer wird in der Triathlonszene gerne weitergetragen, was Commander John Collins ganz am Anfang des Ironman Hawaii als handschriftliche Notiz verfasste. „Schwimme 3,8 Kilometer, radle 180,2 Kilometer, laufe 42,2 Kilometer. Prahle damit für den Rest Deines Lebens!“ Es war die Botschaft, die zur Geburtsstunde 1978 nur 15 Männer empfingen. Bereits im Jahr darauf bewältgte mit Lyn Lemaire, eine Radfahrerin aus Boston, die erste Frau die Strapazen. Nun erhält das Frauenrennen eine ganz neue Wertschätzung, wenn die Profi- und Altersklassenathletinnen erstmals bereits am Donnerstag (18.25 Uhr/ZDF-Livestream) auf die mystische Strecke gehen. Der Hintergrund: Die Ironman-Organisatoren könnten sonst den Ansturm mit 5000 Aktiven nicht bewältigen, die nach zwei ausgefallenen Rennen alle ihre Startberechtigung einlösen wollen.

In den Fokus rückt, ob sie von ihrem Naturell will oder nicht, Anne Haug. Sie feierte 2019 mit dem jetzt verletzten Jan Frodeno einen deutschen Doppelsieg, will sich daran aber nicht mehr wirklich erinnern, „weil es so lange her ist“. Und wenn sie eines aus der Karriere weiß: Gerade auf der Trauminsel ist nichts planbar, auch wenn der Kurs („Einmal um die Pylone und wieder zurück und dasselbe beim Laufen“) so simpel wirke. Die 39-Jährige setzt auf „einen guten Riecher und gute Beine“. Auch wenn es für die Bayreutherin nach dem dritten Platz bei der Ersatz-WM in Utah und dem Sieg beim Challenge Roth („meinem Heimrennen“) bereits das dritte Langdistanzrennen in diesem Jahr ist, glaubt sie, die richtige Balance gefunden zu haben.

Mental ist das eine völlig veränderte Ausgangslage für die Athletin des LAZ Saarbrücken: Vor drei Jahren war Haug nach einer Verletzung ohne großen Erwartungen angereist, nun trägt sie „die Zielscheibe auf dem Rücken“, wie sie martialisch formuliert. Am ehesten dürfte sie von der Schweizerin Daniela Ryf gejagt werden, die als fünffache Ironman-Weltmeisterin bestens beleumundet ist. Die 35-Jährige hat oft genug die Konkurrenz düpiert. Viel vorgenommen hat die Britin Lucy Charles-Barclay. Die 29-Jährige gilt als exzellente Schwimmerin und wird den Wettkampf von vorne bestreiten. Vielleicht aber schiebt sich eine andere Deutsche dazwischen.

Stark nach Babypause

Laura Philipp ist längst mehr als eine Geheimfavoritin. Die 35-Jährige hat sich bei der TSG Hoffenheim solch ein professionelles Umfeld aufgebaut, dass ihr diesmal ganz viel zuzutrauen ist. Die Hawaii-Vierte von 2019 hält aktuell die Weltbestzeiten über die 70.3-Strecke (Halbdistanz) und die volle Ironman-Distanz. Auch wenn ihre 8:18:20 Stunden beim Ironman Hamburg wegen der völlig unterschiedlichen Streckenführungen schwer zu vergleichen sind, deutete der energetische Auftritt am Rathausmarkt sehr wohl an, was die Kuchenliebhaberin aus dem Kraichgau leisten kann. Ihre Ansage: „Ich bin sicher da, falls eine der Topfavoritinnen vielleicht einen schlechten Tag erwischt“. Die Entwicklung der Heidelbergerin ist umso erstaunlicher, weil sie erst mit 24 ihren ersten Triathlon bestritt. Als Teenagerin hatte sie mit Wasser „nur beim Duschen Kontakt“, erzählte sie im Vereinsmagazin der TSG Hoffenheim. So beschränkte sie sich anfangs nur darauf, „nicht unterzugehen“. Inzwischen ist sie Weltspitze.

Genau wie Daniela Bleymehl. Die 34-Jährige hatte sich nach einer Babypause im vergangenen Jahr erst mit dem Sieg beim Ironman Südafrika in der Nelson Mandela Bay und bei der Ironman Europameisterschaft in Frankfurt eindrucksvoll zurückgemeldet. Das Leitmotiv der zweifache Mutter steht auf ihrer Homepage: „Ich vergesse nie die anderen Dinge, die mich stark machen: Mutter sein, meine Freunde und mein Umfeld zu haben – das ganz normale Leben.“ Nach dem gewonnenen Allgäu-Triathlon, einem traditionsreiches Rennen über die Mitteldistanz, ging die Darmstädterin in ein Höhentrainingslager nach Livigno. Bleymehl startet selbstbewusst das dritte Mal auf Hawaii – vor drei Jahren war sie als Neunte bereits die drittbeste Deutsche. Prahlen musste sie danach nicht.

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