Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Frauen haben auf dem Fußballplatz nichts zu suchen: Heiko Vogel.
+
„Frauen haben auf dem Fußballplatz nichts zu suchen: Heiko Vogel.

Offener Brief der Bundesligaspielerinnern

Der Vogel des Jahres

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
    schließen

Nicht nur die sexistische Verfehlung von Gladbachs U23-Coach schlägt hohe Wellen, sondern vor allem auch der Umgang damit.

Das Gegenteil von gut ist manchmal nicht böse, sondern gut gemeint. Nur mit dieser alten Weisheit lässt sich ansatzweise begreifen, wie es beim Versuch, angemessen auf sexistischen Verfehlungen des Mönchengladbacher Fußballtrainers Heiko Vogel zu reagieren, zu einem großen Wirbel kommen konnte. Und zu so etwas wie einer weiteren sexistischen Verfehlung, die aber eigentlich das Gegenteil davon sein sollte. Ja, es ist verwirrend.

Aber von vorne: Vogel, 45, Trainer von Borussia Mönchengladbach II, hatte sich Ende Januar bei dem Regionalligaspiel gegen Bergisch Gladbach (2:1) abfällig in Richtung einer Schiedsrichterassistentin geäußert. Laut „Westfälischen Nachrichten“ äußerte der Ex-Coach vom KFC Uerdingen damals beim Verlassen des Platzes: „Frauen haben auf dem Fußballplatz einfach absolut nichts zu suchen.“ Die Sache wurde beim Westdeutsche Fußballverband (WDFV) angezeigt, Vogel mit einer Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro und einem Innenraumverbot für zwei Spiele bestraft. Zudem – und da haben wir den Stein des Anstoßes – sei ihm „auferlegt“ worden, so formuliert es der WDFV, sechs Trainingseinheiten einer Frauen- oder Mädchenmannschaft zu leiten. Dass das keine gute Idee war, ist inzwischen allen Beteiligten klar.

Die Reaktionen fielen scharf aus, das Echo aus dem Frauenfußball war laut und deutlich. Wie bitteschön könne „das Trainieren eines Frauen- oder Mädchenteams als eine Strafe festgelegt“ werden, wollten die Fußballerinnen der Ersten und Zweiten Bundesliga am Wochenende in einem Offenen Brief wissen und forderten den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als höchste Instanz auf, „aktiv zu werden“.

„Lächerlich gemacht“

Es sei „keine Wertschätzung, wenn man zum Ausgleich für ein solches unsportliches Verhalten anbietet, für ein paar Stunden eine Frauenmannschaft zu trainieren. Dieses Urteil diskriminiert alle Frauen im Sport und speziell im Fußball“, heißt es in dem Brief, den Nationalmannschaftskapitänin Alexandra Popp auf Instagram veröffentlichte. Sowieso sei die Bewertung von Vogels Verhalten „nur als unsportlich“ falsch, denn die Äußerungen seien sei „beleidigend und diskriminierend“, die Spielerinnen fühlen sich „lächerlich gemacht“.

Borussia Mönchengladbach wehrte sich. Natürlich habe Vogel einen Fehler gemacht, die Äußerungen würden im Verein missbilligt, sagte Sportdirektor Max Eberl. Das Training, von Vogel selbst angeboten, sei jedoch nicht als Teil der Strafe gemeint gewesen. Von Klubseite hieß es: „Weder Borussia noch er (Vogel) sehen diese Maßnahme als Strafe an, es ist von Borussia vorgeschlagen worden, dies als Zeichen der Entschuldigung ins Urteil aufzunehmen.“

So droht sich nun ein handfester Skandal in quasi-juristischen Wortklaubereien zu verlieren. Das ist ärgerlich. Vogels sexistische Arroganz seiner Aussage (noch einmal: „Frauen haben auf dem Fußballplatz einfach absolut nichts zu suchen“) findet sich ja in der heuchlerischen Gestalt eines Versöhnungsangebotes auch im Angebot wieder, er könne ein Training bei den Frauen oder Mädchen leiten. Geste: Der große Herr Vogel beugt sich kurz runter und erleuchtet die dunkle Welt der Fußballerinnen mit dem Glanz eines Trainers, der mal in der Champions League trainiert hat (vor zehn Jahren beim FC Basel).

Wenn der Fall Vogel etwas Gutes hat, dann die wichtige Erkenntnis, dass Profifußball auch heute noch eine von innen verspiegelte Machoblase ist, in der man meint, Sexismus mit Sexismus bekämpfen zu können. Weil man ihn nicht erkennt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare