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Siegt für Denver: Nikola Jokic. afp

NBA

Der vielseitige Joker

Nikola Jokic führt die Denver Nuggets ins Finale der Western Conference gegen die L.A. Lakers

Vor dem alles entscheidenden siebten Spiel gegen die Los Angeles Clippers ist Nikola Jokic zu Mike Malone gegangen. Der Headcoach der Denver Nuggets ist am Dienstag 49 Jahre alt geworden und bekam von seinem Center ein Versprechen: „Coach, ich werde dir ein schönes Geschenk machen. Entweder werde ich dich nach Hause bringen oder wir kommen ins Finale der Western Conference“.

Malones Familie, die sich sicher gefreut hätte, ihn nach 71 Tagen in der NBA-Bubble im Disney World in Orlando/Florida zu sehen, muss sich noch etwas gedulden. Denn das Team aus dem US-Bundesstaat Colorado spielt nach dem 104:89 am Dienstag gegen die Clippers ab Freitag gegen die Los Angeles Lakers, um den Einzug ins NBA-Finale. Dabei lagen die Nuggets, wie schon in der Playoff-Serie davor gegen die Utah Jazz, mit 1:3 zurück. „Im Lichte der ganzen Stimmen von draußen während dieser Serie, dass wir keine Chance haben, haben wir einen Weg gefunden, ein sehr starkes Team drei Mal zu schlagen. Mir fehlen die Worte“, sagte ein sichtbar zufriedener Malone, der sich einmal mehr auf seine Topspieler Jamal Murray (40 Punkte) und Jokic verlassen konnte.

Literweise Cola getrunken

Der serbische Nationalspieler überragte einmal mehr mit seiner Vielseitigkeit. 16 Punkte, 22 Rebounds und 13 Assists standen für den 2,13-Meter-Mann auf dem Statistikbogen. „Keiner wollte uns hier haben. Keiner hat an uns geglaubt. Wir haben aber bewiesen, dass wir doch dazu in der Lage sind“, sagte der 25-Jährige. „Wir haben keine Superstars. Jeder reißt sich den Hintern auf. Wir akzeptieren nicht, dass jemand besser ist als wir.“

Genau diese Aussagen machen Jokic so wertvoll für die Nuggets. Obwohl er aus dem Team heraussticht, hat die Nummer 15 überhaupt keine Allüren und stellt immer die Mannschaft in den Vordergrund. Jokics größte Stärke ist seine Übersicht auf dem Parkett. „Ich bin ein Point Guard gefangen im Körper eines Centers“, sagte er einmal. Während bei anderen NBA-Centern krachende Dunkings in Highlightvideos herausgehoben werden, sind es bei Jokic sein Ballhandling und vor allem die Pässe: über das gesamte Feld, no-look, hinter dem Rücken, durch die Beine des Gegners – er beherrscht das ganze Repertoire.

„Er ist der beste passende Big Man, den ich je gesehen habe“, lobte Clippers-Coach Doc Rivers den Joker, wie er nur genannt wird. Greg Popovich, Trainer der San Antonio Spurs hält Jokic für einen „der klügsten Spieler der Liga“. Er springe nicht besonders hoch, er sei nicht besonders schnell, aber er benutze seine Fähigkeiten und habe jede Menge Spaß auf dem Parkett.

Dabei wollte Nikola Jokic eigentlich gar kein Basketballer werden. Der Mann aus Sombor in Nord-Serbien spielte zunächst nur aufgrund des Drucks seiner größeren Brüder, ehe er lieber zum Pferdewagenrennen ging. Die Familie konnte den jungen Nikola jedoch überzeugen, doch wieder mit dem Basketball anzufangen. „Als ich angefangen habe, war ich richtig fett und noch nicht so groß“, berichtet Jokic.

Zu seinen täglichen Routinen gehörte es, nach dem Training literweise Cola zu trinken und zum Frühstück ein halbes Kilo fettige Pasteten zu essen. Trotzdem bekam er mit 17 Jahren seinen ersten Vertrag bei Mega Basket in Belgrad. Ein Jahr später wurden die internationalen Scouts auf ihn aufmerksam, weil er nicht nur gut reboundete, sondern auch Dreier traf und starke Pässe spielte. Im NBA-Draft 2014 wurde er von den Nuggets an 41. Stelle ausgewählt. Jokic selbst hatte seinen Draft verschlafen.

Er spielte aber noch ein Jahr in Belgrad und wurde zum besten Spieler der Adriatic League gewählt, dem Zusammenschluss der Balkanligen. Bevor er in die NBA ging, speckte Jokic noch einmal 15 Kilogramm ab und entwickelte sich in seiner ersten Saison zum Starter. 2018 unterschrieb er einen Fünfjahresvertrag im Wert von 148 Millionen Dollar. Vergangene Saison schafften es die Nuggets in die zweite Playoff-Runde, wo gegen die Portland Trail Blazers Schluss war. Dieses Jahr ist alles anders.

„Unser Ziel war es von Anfang an, die Meisterschaft zu holen. Egal, wie unerhört sich das für Außenstehende anhören mag“, sagte Mike Malone nach dem Sieg gegen die Clippers. Ein Titelversprechen gab es aus dem Munde von Nikola Jokic nicht. Noch nicht.

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