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Der Außenminister des deutschen Handballs: Johannes Bitter.
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Der Außenminister des deutschen Handballs: Johannes Bitter.

Handball-WM

Der Verzicht auf Zuschauer ist ein Sieg der Spieler

  • vonMichael Wilkening
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Die Handball-WM in Ägypten wird nach einer Initiative deutscher Profis am Mittwoch doch ohne Publikum angepfiffen. Die Geisterspiele beruhigen vor allem die Sportler.

Es war zunächst nur eine dürre Meldung, versendet über ein soziales Netzwerk, aber die Aussagekraft dahinter war enorm. „Wir hatten darauf gehofft, waren aber doch überrascht, wie schnell das ging“, sagte Johannes Bitter. Der Torhüter der deutschen Nationalmannschaft hätte auch sagen können, er sei überrascht, dass es für die Spieler überhaupt möglich war, Einfluss auf eine Entscheidung des internationalen Handball-Verbandes (IHF) zu nehmen. Schließlich ist es ein Novum, dass die Belange der Akteure an oberster Stelle gehört werden.

„Es geht um die Gesundheit der Spieler, um die Gesundheit der Zuschauer und um die Symbolik, die von den Bildern ausgeht“, fasste Bitter, der sich seit ihrer Gründung im Jahr 2010 in der deutschen Handball-Spieler-Gewerkschaft „Goal“ engagiert, drei Aspekte zusammen, die dafür gesorgt hatten, dass die europäische Gewerkschaft (EHPU) in einem Brief an den IHF-Präsidenten Hassan Moustafa gefordert hatte, bei der Weltmeisterschaft in Ägypten, die am Mittwoch beginnt, auf Fans in den vier Spielstätten zu verzichten. Der Veranstalter hatte bis zuletzt geplant, bis zu 20 Prozent der Plätze in den Arenen zu verkaufen.

Initiative aus Deutschland

Das ist seit Sonntagabend kein Thema mehr. „Alle Parteien haben sich darauf geeinigt, dass die WM ohne Zuschauer stattfinden soll, um die Sicherheit und Gesundheit der an der Veranstaltung beteiligten Akteure zu gewährleisten“, hieß es in einem Statement auf der IHF-Website. Die Aufforderung der 14 Kapitäne der in Ägypten teilnehmenden Nationalmannschaften aus Europa hatte Gehör gefunden. Die Spielführer hatten das Schreiben unterzeichnet, aber entstanden war es im Kreis der deutschen Mannschaft. „Uwe und ich haben viel gemacht“, räumte Bitter ein. Zusammen mit dem deutschen Kapitän Uwe Gensheimer hatte er Kontakt zu den Akteuren der anderen Nationen aufgenommen. „Man kennt sich ja gut, jeder hat ja irgendwann schon einmal mit irgendeinem zusammengespielt“, erklärte der Torhüter des TVB Stuttgart. Die Initiative aus Deutschland lohnte sich.

Letztlich war den Verantwortlichen das Risiko offensichtlich zu groß, für ein Festhalten an ihrem Zuschauer-Konzept massive Kritik aushalten zu müssen, falls es während der Weltmeisterschaft vermehrt zu positiven Corona-Fällen bei den teilnehmenden Mannschaften gekommen wäre. Der gemeinsam verfasste Brief der europäischen Handballer hatte den Druck auf den Weltverband, die Regierung in Ägypten und die Organisatoren der WM spürbar erhöht. Weil das ursprünglich vertraulich verfasste Schreiben schnell den Weg an die Öffentlichkeit fand, lag der Handlungsdruck bei den Institutionen.

Zu hohe Belastung

In Deutschland oder Europa haben die Handballspieler in den vergangenen Jahren im Bestreben nach mehr Einfluss durchaus Erfolge gefeiert. Zwei Vertreter der europäischen Gewerkschaft EHPU sitzen im „Professional Handball Board“, einem Gremium, das sich um die Fortentwicklung der Sportart in Europa kümmern soll. Beim Weltverband war der Einfluss verschwindend gering – bislang zumindest. Mit dem sichtbaren Erfolg bei der Frage um die Zulassung von Fans bei der WM in Ägypten könnte der Wunsch größer werden, auch bei anderen Themen auf IHF-Ebene ernsthaft mitsprechen zu können.

„Wir möchten erst einmal eine gute Kommunikation hinbekommen“, sagte Bitter. Perspektivisch ist er daran interessiert, auch bei Fragen der Weiterentwicklung nicht nur gehört, sondern ernstgenommen zu werden. Vorerst ist dem Nationaltorhüter und seinen Kollegen daran gelegen, den gerade erst gefundenen Kommunikationskanal durch schnelle weitere Forderungen zu durchtrennen.

Dabei gibt es Punkte, die den Spielern aus den Profiligen in Europa unter den Fingernägeln brennen. Zuallererst fühlen sie sich seit Jahren beim Thema der Spielplangestaltung übergangen. Die Belastung der Topspieler ist deutlich zu hoch, wie Mediziner bestätigen. Die Wettbewerbe und Partien wurden in der jüngeren Vergangenheit aber ausgeweitet. „Wir möchten gerne mithelfen, die Sportart zu entwickeln“, formulierte Bitter zurückhaltend. Es ist gerade nicht der Zeitpunkt, zu fordernd zu wirken.

Ob der Vorstoß hinsichtlich der Zuschauerzulassung bei der WM in Ägypten der Anstoß einer besseren Zusammenarbeit zwischen der IHF und den Akteuren ist, oder es sich um einen einmaligen Vorgang handelt, wird irgendwann nach dem Turnier entschieden. Aktuell steht aber immerhin ein Teilerfolg.

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