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Der teure Irrtum Adi Hütter

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Von: Ingo Durstewitz

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Zeit zu gehen: Adi Hütter.
Zeit zu gehen: Adi Hütter. © dpa

Der vormalige Trainer von Eintracht Frankfurt hat die Mannschaft von Borussia Mönchengladbach nie in den Griff bekommen - der vorzeitige Abschied ist nur logisch.

Nein, eine Überraschung ist es nicht, dass Adi Hütter und Borussia Mönchengladbach fortan getrennte Wege gehen. Schon seit einiger Zeit war intern klar, dass der 52-Jährige am Niederrhein keine Zukunft haben wird – und er selbst seine Zukunft dort nicht sieht. Die Liaison, die maximal heiß begann, endet jetzt in einem vorzeitigen Abschied, kühl im Kopf und eisig im Herzen.

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Adi Hütter hat nicht erst in den vergangenen Wochen gespürt, was er an seinem Ex-Verein Eintracht Frankfurt so geschätzt hat: Hingabe, Zuneigung, Loyalität, Einigkeit – auch in schweren Zeiten, auch wenn nicht immer alle einer Meinung waren. Konsterniert, mit feuchten Augen, saß er daher vor dem Fernseher, als seine Ex-Mannschaft ihren Triumphzug durch Europa zelebrierte, das Jahrhundertspiel in Camp Nou gegen den FC Barcelona, der Einzug ins Finale gegen West Ham – mit ihm, Adi Hütter, auf der Tribüne, als Gast. Dabei hatte doch er den Grundstein gelegt mit der besten Saison seit Jahrzehnten, die zwar nicht mit dem historischen Champions-League-Einzug endete, aber eben doch in Europa. Dumm gelaufen.

Adi Hütter, zweifelsfrei ein sehr guter Trainer mit einer klaren Ideologie – ist, entgegen seiner Außendarstellung, ein harter Hund, ein Alphatier, wie es im Buche steht. Der Österreicher, gewiss nicht uneitel, ist einer, der alles dem Erfolg, seinem Erfolg, unterordnet. Doch am Borussia-Park hat er relativ schnell gemerkt, was ihm fehlt.

Adi Hütter und Mönchengladbach – das ist sicher nicht das größte Missverständnis im Fußball, aber es ist ein verdammt kostspieliger Irrtum. Denn mit einer Ablöse von 7,5 Millionen ist Hütter der zweitteuerste Trainertransfer der Ligahistorie, dazu kommt noch ein üppiges Jahresgehalt. Das verpflichtete. Das weckte Begehrlichkeiten. Die nicht erfüllt wurden – beiderseits.

Hütter hat schon sehr früh gefremdelt bei seinem neuen Klub, das hat alles nicht gepasst, Zusicherungen sind nicht erfüllt, Absprachen nicht gehalten worden. Sportchef Max Eberl, der Hütter aus Frankfurt weg redete, ist schob lange nicht mehr da, dafür ein eilig beförderter Nachwuchsmann mit der Ausstrahlung eines Spielausschussvorsitzenden aus der Bezirksliga. Den hat Hütter nicht ernst genommen.

Doch das Kardinalproblem: Hütter hat die Mannschaft nicht in den Griff bekommen, fand keinen Zugang. Vielleicht, hat er intern sogar gesagt, liege es ja auch an ihm, doch diese Gruppe hat er nie greifen und einen können. Und wer seine Mannschaft verliert, der hat ohnehin verloren. Insofern ist die Trennung absolut richtig – für beide Seiten.

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