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Gut, besser, Nagelsmann: Leipzigs Chefcoach wird von den Bayern umgarnt.
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Gut, besser, Nagelsmann: Leipzigs Chefcoach wird von den Bayern umgarnt.

Vor Wechsel Leipzig zu den Bayern

Der teuerste Trainer der Welt

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Leipzig will 30 Millionen Euro von den Bayern, der DFB will Flick kostenlos: Die Rotation mit Julian Nagelsmann wird kompliziert.

Am Sonntagabend zu recht später Stunde hockte Rainer Koch, der allgegenwärtige Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, im TV-Studio des Bayerischen Rundfunks. Es gab viel zu besprechen, unter anderem stellte Koch auf die Frage, ob es vorstellbar sei, dass der Verband für den designierten Bundestrainer Hansi Flick eine Transfersumme an den FC Bayern überweisen wird, unmissverständlich klar: „Der DFB wird keine Ablösesummen zahlen, weil er noch nie Ablösesummen gezahlt hat und weil er als gemeinnütziger Verband im Übrigen sich schwer tut, dies zu tun.“ Ohnehin würde er, Koch, „aus meiner Position als erster Mann des Amateurfußballs entschieden widersprechen“. Es sei schlichtweg „unmoralisch“, wenn der DFB etwa 30 Millionen Euro für einen neuen Bundestrainer bezahlen müsse, Geld, das an anderer Stelle dann natürlich fehlt. Der neuerliche Aufschrei der Basis wäre gewiss. Kann der krisengeschüttelte DFB gerade gar nicht brauchen.

Verträge ohne Klauseln

Das macht die Angelegenheit nun umso komplexer. Denn fast gleichzeitig zu Kochs Besuch im „Blickpunkt Sport“ berichteten erste Medien, angeführt von Sport 1, dass der FC Bayern konkret bei Leipzigs Chefcoach Julian Nagelsmann angefragt und dieser ebenso konkret sein Interesse an einem Wechsel zum Lieblingsverein seiner Jugend hinterlegt hat. Der 33-Jährige hat dem nirgendwo dementierten Vernehmen nach bei seinem aktuellen Arbeitgeber um die Auflösung seines noch bis 2023 datierten Vertrages gebeten. Ebenso lange läuft Flicks Kontrakt in München. In beiden Verträgen ist keine Ausstiegsklausel für Sommer 2021 hinterlegt.

Vor diesem Hintergrund erscheint es schier unvorstellbar, dass der FC Bayern seinen Chefcoach kostenlos an dessen vormaligen Arbeitgeber DFB weiterreicht, derweil er für Nagelsmann je nach Verhandlungsergebnis einen beträchtlichen zweistelligen Millionenbetrag nach Leipzig überweisen muss.

Die Rasenballer aus Sachsen wollen nämlich die globale Trainer-Rekordablösesumme von bis zu 30 Millionen Euro einstreichen, immerhin nur halb so viel, wie einst Christian Heidel bei Mainz 05 für Thomas Tuchel ausgelobt hatte, als dieser von Schalke 04 umgarnt wurde. Selbst Schalke winkte damals dankend ab, Tuchel zog sich später lieber in ein Sabbatjahr zurück. Heidel findet die Preisentwicklung auf dem Trainermarkt nur logisch: „Der Trainer ist der wichtigste Mann in einer Mannschaft, in einem Verein. Deswegen kann ich total nachvollziehen, dass diese Preise nach oben gehen.“

Favorit Jesse Marsch

Dass Leipzig den mit weitem Abstand besten deutschen Trainer in der Bundesliga nur sehr ungern gehen lässt und deshalb entsprechend entlohnt werden will, ist nachvollziehbar. Zumal zu diesem recht späten Zeitpunkt eine Nachfolgeregelung aus der zweiten Reihe ansteht. Marco Rose und Adi Hütter, Typen, die nicht nur wegen deren Salzburger Vergangenheit nach Leipzig passen würden, sind vom Markt. Längst ist der US-Amerikaner Jesse Marsch, noch so einer aus der Salzburger RB-Schmiede, im Visier der Leipziger.

Die Sachsen hatten vor zwei Jahren rund fünf Millionen Euro Ablöse für Nagelsmann an die TSG Hoffenheim gezahlt. Die Kraichgauer hatte der im Alter von 28 Jahren beim Amtsantritt im Februar 2016 jüngste Trainer der Fußball-Bundesliga seit deren Gründung im Jahr 1962 zuvor eindrucksvoll nach Europa geführt. Auch in Leipzig demonstrierte das nicht weit von München in Landsberg am Lech geborene Alphatier seine überragenden Trainer-Fähigkeiten eindrucksvoll. Er verabreichte einer Mannschaft, die konsequent auf Pressingfußball geschult war, eine erfolgreiche Mischung aus Forechecking und Ballbesitz und blieb somit in zwei aufeinanderfolgenden Spieljahren hartnäckigster Bayern-Ärgerer.

Die Frontsau Nagelsmann wird allenthalben mit Lob überschüttet, außer für seine eigentümliche Kleidungswahl, die Ex-Profi Ansgar Brinkmann nicht ganz zu Unrecht in der „Kreisliga West“ verortete. Nagelsmann kann darüber lachen, bleibt seinem Stil aber treu. Er ist nicht der Typ, über den man sich lustig macht, er kann Spieler sowohl mit seiner Ansprache mitreißen als auch taktisch weiterbringen. Als sein perfektestes Spiel als Trainer bezeichnet er ausgerechnet einen 6:0 Sieg der Hoffenheimer U19 gegen: Bayern München.

Noch vor weniger als vier Wochen antwortete Nagelsmann der „Leipziger Volkszeitung“ im Interview auf die Frage: „Wie lange sitzen Sie noch auf der Leipziger Trainerbank?“ - „Mein Vertrag läuft bis 2023. Den habe ich freiwillig unterschrieben.“ Die Zeiten mögen infolge der Pandemie für viele Menschen lähmend sein. Im Fußballbusiness sind sie so dynamisch wie selten zuvor.

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