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Hammerhart: Tim Grozer gegen den Herrschinger Block.

Volleyball in Frankfurt

Der nächste „Hammer-Schorsch“

  • vonHarald Joisten
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Tim Grozers großer Bruder und Vater sind Volleyballberühmtheiten – bei den United Volleys in Frankfurt will er nun den gleichen Weg einschlagen

Kurz vor Schluss ging Tim Grozer zu Boden. Nicht, weil ihn der Gegner nach über zweistündigem Kampf doch noch umgehauen hätte. Das 1,95-Meter-Kraftpaket lag rücklings auf dem Hallenboden, beide Fäuste geballt, und schrie seine ganze Freude heraus. Ein Moment, in dem der ganze Wille des großen deutschen Volleyballtalents mit dem berühmtem Nachnamen sichtbar wurde. Mit einem krachenden Schmetterschlag hatte Grozer den ersten Matchball für seine United Volleys herausgeholt – und wenig später im Kreis seiner Mitspieler den ersten Saisonsieg in der Bundesliga gefeiert: Die Frankfurter gewannen am Samstag gegen die Volleys Herrsching eine fast schon verlorene Partie mit 3:2 (25:20, 21:25, 23:25, 25:22, 15:12). Im entscheidenden Tiebreak lagen sie 1:5 zurück. „Wir haben einen Sieg gebraucht. Das war unglaublich wichtig“, sagte Grozer nach dem Kraftakt.

Starke Familienbande

Dabei gab Neuzugang Rodrigo Quiroga der Mannschaft bei seiner Heimpremiere die dringend nötige Stabilität, speziell in der Annahme. „Rodrigo ist eine unglaublich wichtige Verstärkung“, meint Grozer. Als Matchwinner avancierten zudem der sichere Libero Satoshi Tsuiki und Jochen Schöps. Der Altmeister wurde im vierten Satz beim Zwischenstand von 11:16 eingewechselt und agierte im Angriff ebenso effektiv wie im gemeinsamen Block mit Nationalspieler Jakob Günthör. „Wenn wir so weitermachen, sieht die Saison nicht so schlecht aus“, meinte Grozer voller neuer Hoffnung. „Jeder einzelne hat super gekämpft.“

Als er selbst im fünften Durchgang kurzzeitig mit seinen Schmetterschlägen am gegnerischen Block hängen blieb, erinnerte er sich an die Gespräche mit seinem Papa. „Ich dachte an seine Worte. Er sagt immer: Überlege ein bisschen, bevor du etwas machst“, sagte Tim Grozer grinsend. Und die Gedanken halfen. Sein Papa Georg Grozer senior ist ein ebenso wichtiger Mentor wie Bruder Georg Grozer junior. Beide waren deutsche Nationalspieler, beide sammelten einst Titel um Titel, beide waren mehrfache „Volleyballer des Jahres“. Vor und nach jedem Spiel telefonieren sie miteinander, die Eltern verfolgen jede Partie im Internetstream, auch der Bruder ist meist live dabei. „Mein Bruder versucht alle Spiele anzuschauen. Papa und Mama schauen sowieso jedes Spiel von mir an. Danach gibt es ein schönes Telefonat und wir besprechen, was gut lief und was ich verbessern könnte. Wir haben einen super engen Kontakt und stehen echt eng zusammen“, sagt Tim Grozer. Der jüngste Sohn der sechsköpfigen Familie würde gerne denselben Weg gehen wie die beiden „Hammer-Schorschs“, wie sein Vater und Bruder einst genannt wurden. Auch Tim verfügt über jene knallharten Aufschläge und einen enorm dynamischen Schlagarm am Netz. „Natürlich wäre es ein Traum, wenn ich das auch erreiche. Ich bin stolz auf meinen Papa und Bruder und will wirklich den gleichen Weg gehen“, betont der Neu-Frankfurter. „Aber Druck gibt es nicht. Wenn es nicht klappt, klappt es nicht.“ Schließlich hat Tim Grozer während seiner Zeit in Rottenburg, wo er in den vergangenen Jahren Bundesliga spielte, nebenbei eine vierjährige Ausbildung zum Bankkaufmann abgeschlossen und sich für die Zukunft abgesichert.

Seltener Kopfballtreffer

Zu den United Volleys war der Außenangreifer in diesem Sommer auch deshalb gewechselt, weil die Aussicht auf internationale Spiele bestand. Doch die Frankfurter erhielten überraschend keinen Startplatz für die Champions League, obwohl sie zum Zeitpunkt des vorzeitigen Saisonabbruchs wegen Corona auf dem zweiten Tabellenplatz gestanden hatten. „Das wurde uns ein bisschen weggenommen“, sagt Tim Grozer. Inzwischen geht der Blick längst voll auf die Bundesliga. Er will in Frankfurt „einen weiteren Schritt“ in seiner Karriere machen, nachdem er in Rottenburg schon als junger Spieler viele Freiheiten besaß. „Hier in Frankfurt hingegen gibt es auch ältere Spieler, die mich mal zurecht weisen. Das ist eine große Hilfe, das hatte mir in Rottenburg ein bisschen gefehlt. In Rottenburg konnte ich wenig falsch machen, die Fans sind schon gut drauf, wenn man ein gutes Spiel macht.“

Ein gutes Spiel machte Tim Grozer auch gegen Herrsching. Er war mit 22 Punkten Topscorer der Partie und erzielte sogar einen „Kopfballtreffer“, als er den Ball vom bayerischen Block zufällig an den Kopf bekam und von dort unerreichbar ins Herrschinger Feld bugsierte. Das hatten selbst sein Vater und Bruder nicht so oft geschafft.

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