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Der Mythos lebt

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Von: Patrick Reichelt

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Auf ihm ruhen die deutschen Hoffnungen: Karl Geiger.
Auf ihm ruhen die deutschen Hoffnungen: Karl Geiger. © Philipp von Ditfurth/dpa

Die Vierschanzentournee hat nichts von ihrer Faszination eingebüßt: Das liegt auch daran, dass die winterliche Tournee weder plan- noch beherrschbar ist.

Es gab sie ja schon auch bei den Skispringern, diese Bedenken. Wie würden sie angenommen werden, die Großereignisse an den heimischen Schanzen, nach zähen Wintern der Pandemie? Die Zeichen sind schon vor dem Auftakt der 71. Vierschanzentournee am Donnerstag vielversprechend. Der Auftaktort Oberstdorf brummt seit Tagen. Schon die Präsentation der Teams am Dienstagabend wurde zum fast schon vergessenen Spektakel. Das Springen selbst? Ist seit vielen Wochen mit 25 000 Fans ausverkauft.

Man mag das zum Teil mit einer gewissen Sehnsucht erklären, die die Menschen antreibt, nach Zeiten des Verzichts. Aber es ist sicherlich auch ein Zeichen, dass trotz Corona, trotz Energiekrise und Inflation der Mythos der Tournee weiter funktioniert. Das Turnier, das sich so erfrischend fußballfrei in den Jahreswechsel schmiegt, hat eine ungebrochene Faszination. Für Fans wie Springer gleichermaßen.

Dieses Phänomen liegt auch darin begründet, dass die winterliche Tournee weder plan- noch beherrschbar ist. Nur wer binnen der nächsten neun Tage achtmal auf den Punkt Höchstleistung abliefern kann, kann am Ende in Bischofshofen den goldenen Adler in Empfang nehmen. Schwer genug.

Diese Charakteristik des Traditionswettbewerbs hat schon viele Helden geformt. Doch viel mehr Topfavoriten sind an ihr zerbrochen. Auch der 32 Jahre alte Pole Dawid Kubacki, der mit Abstand beste Flieger der bisherigen Weltcupsaison, hat gute Chancen, am Dreikönigstag als einer der großen Verlierer dazustehen.

Was in Wisla, Kuusamo, Neustadt oder Engelberg war, das spielt bei der Vierschanzentournee keine Rolle mehr. Es ist genau das, was auch die Deutschen nach einem verpatzten Frühwinter hoffen lässt. Deren Vorflieger Karl Geiger trat schon mit denkbar unterschiedlichen Ausgangspositionen auf seiner Heimschanze in Oberstdorf an, bis hin zum Topfavorit – beenden konnte der 29-Jährige die mittlerweile mehr als zwei Jahrzehnte andauernde Durststrecke ohne deutschen Tourneesieg nie. Es ist zumindest keine völlig abwegige Vorstellung, dass ihm dieses Kunststück ausgerechnet jetzt gelingt – der Hoffnungsträger geht schließlich als Außenseiter an den Start.

Es wäre ein ganz günstiger Moment – nun, da die Skispringen bei der Vierschanzentournee endlich wieder zu einer großen Party geworden sind.

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