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Noch ein letztes Mal freuen: Jonathan Hilbert.
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Noch ein letztes Mal freuen: Jonathan Hilbert.

Kommentar

Der letzte Gang

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der Deutsche Jonathan Hilbert wird der letzte Olympia-Silbermedaillengewinner über 50 Kilometer gewesen sein – fair ist das nicht. Der Kommentar.

Olympische Spiele sind Spiele fürs Fernsehen – in Tokio gilt das mehr als je zuvor. Dem von der rasende schnellen Abfolge der Wettbewerbe oft gehetzten TV-Publikum muss es eigentlich gefallen, dass es noch Wettkämpfe gibt, in denen der Konsument nichts verpasst, wenn mal wieder weggeschaltet wird. Wie beim Gehen, der vielleicht eigentümlichsten Disziplin der Leichtathletik. Geschmeidig geht anders, und rasend schnell geht es auch nicht voran.

Was an den Regeln liegt: Athleten und Athletinnen müssen immer mindestens mit einem Fuß den Boden berühren, das vordere Bein muss zudem vom Aufsetzen auf dem Boden bis zum Erreichen einer senkrechten Körperhaltung gestreckt gehalten sein. Nicht nur für den neutralen Zuschauer ist das schwer zu kontrollieren.

Im Pulk schmächtiger Männer und Frauen ruckelt es gewaltig: Der Oberkörper wackelt, die Hüfte schwankt, während Arme mitrudern: Technisch ist das anspruchsvoller als es aussieht. Die Rennen – 20 und 50 Kilometer bei den Männern, 20 Kilometer bei den Frauen – dauern gewisse Zeit: Der neue 50-Kilometer-Olympiasieger Dawid Tomala aus Polen benötigte 3:50:08 Stunden, dahinter holte Jonathan Hilbert sensationell Silber. Die erste deutsche Olympiamedaille seit fast 30 Jahren. Das wird für immer in den Geschichtsbüchern bleiben, weil es das letzte Mal war, dass es 50 Kilometer Gehen bei Olympischen Spielen gab.

Tokio war der letzte Gang. Die Abschaffung hat schon vor zwei Jahren das Gehen-Komitee des Leichtathletik-Weltverbandes empfohlen. Man will den Sport attraktiver für junge Menschen machen und neue Zielgruppen erreichen, heißt es dann immer, obwohl die Geher über die Streichung ihrer traditionsreichsten Strecke alles andere als erfreut sind. Das Gehen entfaltet seine ganze Faszination erst über die lange Distanz, sagen die Aktiven. Und beim Laufen kommt ja auch niemand auf die Idee, den Marathon zu verbannen.

An den Gehern wird beim steten Drang nach einer fernsehgerechteren Inszenierung ein Exempel statuiert – das ist nicht in Ordnung. Befremdlich scheint es zudem, solchen Disziplinen gleich ganz mit einer Streichung aus dem olympischen Programm zu drohen. Doch der Beschluss ist gefasst, obwohl noch niemand genau weiß, wie 2024 in Paris die Zukunft des Gehens aussehen wird. Fragwürdig, ob ein Mixed-Wettbewerb so viel mehr bietet. Man wird den Eindruck nicht los, als habe die Leichtathletik allzu leichtfertig seine Königsdistanz auf dem Altar der Fernsehallmacht opfern müssen.

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