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Seht her, ich kann es noch: Harry Kane jubelt gekonnt.
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Seht her, ich kann es noch: Harry Kane jubelt gekonnt.

Englischer Mittelstürmer im Glück

Der König vom Rom

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Harry Kane hat geduldig auf seine Chancen gewartet und eiskalt verwandelt - zur Belohnung kürt ihn die Fifa zum „Star of the match“

Eigentlich hatten die Engländer an diesem bezaubernden Abend im Stadio Olimpico nur ein Problem. Überall im Stadion hatten sich englische Fan-Gruppen zusammengefunden, und sie alle wollten noch eine Danksagung empfangen. Letztlich sparten die Nationalspieler nicht mal die bei Heimspielen von Lazio Rom berüchtigte „Curva Nord“ aus, die eigentlich dem Anhang aus der Ukraine zugeteilt war. Selbst hier schwenkten viele Menschen die Flaggen mit dem roten St.-Georgskreuz. Also kam Kapitän Harry Kane mit seinen Kollegen nach der Gala im EM-Viertelfinale auch noch in diese Ecke. Applaus vom Rasen, Beifall von den Rängen.

Danach ging der Anführer schnurstracks hinter den Stellwänden für die Fernsehinterviews vorbei, er wollte schon in die Katakomben abtauchen, als ein Delegierter im schwarzen Anzug mit Uefa-Emblem hektisch winkte: Es kam zur Übergabe einer schwarzen Box. Kane, 59 Länderspiele, 37 Tore, ahnte schon, was der Inhalt sein würde: Jene geschwungene Trophäe, die nach jeder EM-Partie der sogenannte „Star of the match“ bekommt.

Mit dem Kopf zur Stelle

Er ist dann neben dem gläsernen Monstrum auf der digitalen Pressekonferenz nicht nur für zwei, drei flüchtige Fragen sitzen geblieben. England habe eine „fantastische Nacht“ erlebt. Und er selbst? Dass ein Torjäger seines Formats bei einer EM die ganze Stimmungspalette erlebt, gehöre doch zu seiner Stellenbeschreibung, erklärte der 27-Jährige: „Manchmal fällt einem der Ball auf die Füße, manchmal nicht.“

Vielleicht hat keinem die Erlösung gegen Deutschland so gut getan wie dem Leuchtturm der „Three Lions“, der jetzt neun EM- und WM-Tore auf dem Konto hat. Legende Gary Lineker steht bei zehn. Gut möglich, dass Kanes Zeit erst mit der K.o.-Runde gekommen ist. Der 1,88-Meter-Mann hatte im Achtelfinale mit einem vom Bewegungsablauf nicht einfachen Kopfball den Deckel draufgemacht. Im Viertelfinale nutzte der Torgarant der Tottenham Hotspur erst eine Vorlage seines kongenialen Partners Raheem Sterling, dann eine Flanke von Luke Shaw, nachdem Sterling mit der Hacke aufgelegt hatte. Die italienische Zeitung „Il Messaggero“ würdigte allein den Vollstrecker: „Kane ist Roms König.“ Das englische Massenblatt „Sun“ hob alle Akteure in den Himmel: „Semi Gods“. Halbgötter. Gemach, gemach.

Der Matchwinner sagte bloß: „Es geht darum, zum richtigen Zeitpunkt den Höhepunkt zu erreichen. Viele von uns werden so eine Gelegenheit bei einem großen Turnier in Wembley nicht nochmal bekommen.“ Er glaube, dass 60 000 Fans „einen Spirit und eine Energie geben, die wir genießen müssen“. Wenn England die seit der WM 1966 nicht mehr befriedigte Sehnsucht nach einem Titel an heiliger Stätte bedienen will, braucht es Kane. Eine zu defensive Spielweise ist Gift für die kantige Kultfigur mit der markanten Scheitelfrisur. Auch gegen die Ukraine begnügte sich die Nummer neun mit 18 Pässen, bis er nach 77 Minuten zur Schonung ausgewechselt wurde.

Er war der erste Engländer, der zum Halbfinale gegen Dänemark den warnenden Zeigefinger hob. Ein Außenseiter, der nichts mehr verlieren kann. Kane, der mit dem beinahe dem Herztod erlegenen Spielmacher Christian Eriksen sechs Jahren im Verein zusammengespielt hat und bis vergangenen Sommer von dessen Einfällen profitierte, wollte sich zu diesem Thema nicht mehr äußern; der Fokus gilt dem eigenen Tun, denn: „Wir haben noch nichts erreicht.“

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