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Der Knöchel hält

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Dimitrij Ovtcharov ist in der Ukraine geboren und kam mit vier Jahren nach Deutschland.
Dimitrij Ovtcharov wurde in Kiew geboren und kam mit vier Jahren nach Deutschland. © Imago

Dimitrij Ovtcharov trainiert für seinen dritten EM-Titel und lenkt sich vom Krieg ab.

Der Krieg in seiner Heimat lässt Dimitrij Ovtcharov einfach nicht los. Eigentlich hätte die ehemalige Nummer eins der Tischtennis-Weltrangliste nach überstandener Knöchel-OP allen Grund zur Vorfreude auf die Heim-EM in München im August. Doch der Tod seiner Großmutter, der er vor wenigen Wochen noch bei der Flucht aus Kiew geholfen hatte, hat den Sport einmal mehr in den Hintergrund gedrängt. „Die Reise war für sie unheimlich schwer, sie ist gefallen und hat es nicht überlebt“, sagte der 33-Jährige dem „Münchner Merkur“. Er habe seine Oma „durch den Krieg verloren, so muss man es sagen“.

Ovtcharov, in Kiew geboren und Sohn eines früheren sowjetischen Nationalspielers, hatte mit Kriegsausbruch versucht, seine 85 Jahre alte Großmutter aus ihrer Wohnung zu holen. „Freunde haben sie spontan im Auto mitgenommen, sie hatte nur ihre Handtasche und ihren Pass dabei“, hatte er im April der „SZ“ gesagt. Nun sei sie aber verstorben.

Seinen Vertrag beim russischen Verein Fakel Orenburg hatte Ovtcharov nach zwölf Jahren gekündigt, in der kommenden Saison spielt er vornehmlich in der Champions League und im Pokal für den TTC Neu-Ulm. „Es war klar für mich, dass es in Russland nicht weitergeht“, sagte der zweimalige Europameister.

Doch es gab auch Positives für den zuletzt verletzten Ovtcharov. „Der Knöchel hält, und ich habe Nachwuchs bekommen“, sagt der zweimalige Olympiadritte, der im August in München seinen dritten EM-Titel anpeilt: „Mein Comeback lief viel besser als erwartet. Das gibt mir Hoffnung, hier bei der EM um den Titel zu kämpfen.“

Kein Wunder, dass Ovtcharov derzeit vor allem in der Halle anzutreffen ist. Einerseits arbeitet er dort fleißig an seiner Form. Vor allem aber kommt er so auf andere Gedanken. „Der Sport war und ist für mich eine gute Art und Weise, mich von allem anderen abzulenken“, sagt Ovtcharov. (sid)

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