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Thomas Weikert.
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Thomas Weikert.

Deutscher Olympischer Sportbund

Der Dreikampf um die Macht

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Claudia Bokel, Thomas Weikert und Stephan Mayer wollen gerne den DOSB anführen. Es geht in Zukunft um bessere Beziehungen zur Politik, aber auch zu den Aktiven.

In kniffligen Zeiten kommen gute Nachrichten gerade recht, so auch dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Am Dienstag nämlich ließ die Dachorganisation des deutschen Sports verlauten, in ihrer „strategischen und strukturellen Weiterentwicklung auf Kurs“ zu sein - trotz aller Kritik. Grundlage für diese Annahme ist eine Analyse des Dienstleisters Deloitte. Der Bericht diene, so der DOSB, auch als „Übergabebilanz“ an das zukünftige Präsidium, das auf der Mitgliederversammlung am 4. Dezember gewählt wird - was zu den kniffligen Zeiten führt.

Denn ganz klar: Der DOSB befindet sich mitten in einem großen Umbruch, der scheidende Präsident Alfons Hörmann hinterlässt zwar nach eigener Ansicht ein gut bestelltes Feld, aber eben auch eines mit einigen Problemen. Die Medaillenausbeute bei den Olympischen Spielen in Tokio war eher dürftig, die Kritik der sportinternen Opposition, des Vereins „Athleten Deutschland“, schwappt regelmäßig rüber und dann sind da noch die im Gedächtnis verharrenden verbandsinternen Vorwürfe an den baldigen Ex-Chef – Stichwort: Klima der Angst. Die Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker wies nun jedoch darauf hin, dass die befragten „externen Stakeholder“ die Zusammenarbeit mit dem DOSB in großer Mehrheit als positiv beurteilen würden. „Wir erfüllen den Auftrag der Mitglieder. Mein Eindruck ist, dass das in der zuletzt geführten öffentlichen Debatte um den DOSB und dessen Weiterentwicklung manchmal aus dem Blick gerät“, sagte sie.

Unlängst kritisierte Hörmann in einem Interview der Deutschen Presseagentur zudem: „Es wird vom DOSB immer wieder entsprechende Steuerung und Führung gefordert. Doch es fehlen bei Licht betrachtet die Ein- und Durchgriffsmöglichkeiten.“ Weder Verbände noch Stützpunkte seien in irgendeiner Form weisungsgebunden. „Das erklärt die erheblichen Defizite und eine gewisse Ohnmacht, die wir an zahlreichen Stellen in der Führung und Organisation des Spitzensports haben.“

Neben der Verbesserung der Beziehungen zur Politik sowie dem Internationalen Olympischen Komitee ist vor allem der (zu geringe) Einfluss der Sportlerinnen und Sportler auf Entscheidungen des Dachverbands ein stetiger Kritikpunkt am DOSB.

„Keine Liebesbeziehung“ sei das, gab Johannes Herber, Geschäftsführer der „Athleten Deutschland“, freimütig das Offensichtliche zu. Auch der DOSB selbst bewertet die „Intensivierung der Beziehung zwischen DOSB und Athlet:innen“ als eine anstehende Herausforderung. „Auf Arbeitsebene“, findet Herber, tausche man sich mittlerweile durchaus gewinnbringend aus.

Nicht beteiligt war der Verein dagegen an der Suche nach einem oder einer Nachfolger:in für Hörmann. Dies übernahm eine Findungskommission. Acht Bewerber:innen lud das achtköpfige Gremium um den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff zu einem Gespräch, drei blieben übrig: Thomas Weikert, Claudia Bokel und Stephan Mayer. Ein Dreikampf ums höchste Amt im deutschen Sport - das gab es noch nie. „Es ist ein Novum im Sport, dass man mehrere Kandidaten präsentiert. Für mich ein echter Neuanfang. Und aus meiner Sicht ein Glücksfall“, sagte Ingo Weiss, der als Präsident des Deutschen Basketball-Bundes und Sprecher der Spitzenverbände unmittelbar an der Kandidat:innenwahl beteiligt war.

Favorit auf den Chefposten ist Weikert, derzeit noch Präsident des Tischtennis-Weltverbandes. Der 59-Jährige wurde zuletzt öffentlich von 14 Spitzenverbänden unterstützt – darunter auch von den Fechtern. Äußerst erstaunlich ist deshalb, dass sich auch Bokel zur Wahl stellen wird, sie ist Präsidentin eben jenes Deutschen Fechter-Bundes. Die 48-Jährige gilt ebenso wie der CSU-Politiker Mayer, 47 und zuletzt Staatssekretär im Bundesinnenministerium, jedoch eher als Überraschungskandidatin. Auf der Liste fehlt dagegen Stefan Klett, der Chef des Landessportbundes NRW. Klett hatte ebenfalls erwogen anzutreten. Wie der Landessportbund mitteilte, werde er aber eine Kandidatur nicht weiterverfolgen, weil er dies „nur bei einem positiven Votum der DOSB-Findungskommission getan hätte“. Dies war nicht der Fall.

„Wenn man antritt, ist es auch so, dass man hofft, gewählt zu werden“, sagte Weikert und betonte, dass ihm „die Einheit“, eine „bessere Stimme“ für den Sport in der Gesellschaft und das Thema „Safe Sport“ besonders am Herzen liegen. Allesamt Punkte, für die auch die „Athleten Deutschland“ werben. Am kommenden Sonntag wird sich das Trio in Düsseldorf den Mitgliedsorganisationen vorstellen. Laut Findungskommission hätten Weikert, Bokel und Mayer aber „eine klare Vorstellung von den Herausforderungen dieses Amtes“. Ohnehin erfolgt die Wahl im Dezember nach dem vorzeitigen Aus von Hörmann nur für ein Jahr, erst 2022 wird es wieder Wahlen für eine reguläre vierjährige Amtszeit geben. mit sid/dpa

Claudia Bokel.
Stephan Mayer.

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