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Unter Druck ist er besonders ruhig: Sergio Busquets (r.), hier gegen den Schweizer Mario Gavranovic. afp
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Unter Druck ist er besonders ruhig: Sergio Busquets (r.), hier gegen den Schweizer Mario Gavranovic. afp

EM-Tunier

Der alte Mann und das Spiel

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Der genial unspektakuläre Sergio Busquets ist Herz und Hirn der spanischen Mannschaft.

Er scheint immer dünner zu werden, immer hagerer, sein Spiel immer minimalistischer, und eigentlich kann es nicht mehr lange dauern, bis nur noch eine leichte Krümmung des Raumes übrigbleibt von ihm, eine unsichtbare Aura, die aus dem Nichts heraus Pässe spielt und den Ball elegant am heranstürmenden Gegner vorbeiführt. Busi, bist du es?

Vincente del Bosque, der alte spanische Welt- und Europameistertrainer, hat über Sergio Busquets einmal konfuziusmäßig gesagt: „Betrachte das ganze Spiel, und du siehst Busquets nicht. Doch betrachte Busquets, und du siehst das ganze Spiel.“ Im Kleinen steckt oft der Schlüssel fürs Große, auch und gerade im Fußball. Seit sie Busquets wieder haben, ihren Kapitän, scheinen die Spanier sich jedenfalls wohlzufühlen in dieser Europameisterschaft, und seit Busquets wieder da ist, erinnern sie an eine Mannschaft, die bis zum Ende gehen kann. Es ist ja nur noch ein Schritt bis zum Finale, ein beschwerlicher zwar, denn im ersten Halbfinale am heutigen Dienstag warten in London die wunderbaren Italiener (21 Uhr/ARD). Aber die spanischen Fußballer waren ja schon immer recht gut darin, das Beschwerliche leicht aussehen zu lassen, das Komplizierte einfach.

Wobei: Anfangs dachte niemand, dass sie es überhaupt soweit schaffen könnten. Anfangs spielten sie 0:0 gegen Schweden und 1:1 gegen Polen, sie hatten 100 Prozent Ballbesitz, mindestens, und spielten so viele Pässe, bis Kraft und Konzentration nicht mehr genügten für einen präzisen Torabschluss. Aus der Heimat gab es Spott und aus dem Ausland Häme, und dann bildeten sich diese Spanier tatsächlich auch noch ein, die Rückkehr dieser angerosteten Bohnenstange würde einen Unterschied bringen, Sergio Busquets, 32 Jahre alt. Eine Art in die Länge gezogener Toni Kroos.

Doch Busquets hat seine Mannschaft entkorkt. 5:0 gegen die Slowakei, so zog Spanien ins Achtelfinale ein, wo die Kroaten mit 5:3 geschlagen wurden, nach Verlängerung, in einem der besten Spiele des Turniers, worauf eines der schlechtesten Spiele des Turniers folgte, das Viertelfinale gegen die Schweiz. 1:1 nach Verlängerung, trotz längerfristiger Überzahl, 3:1 dann im Elfmeterschießen. Sie brauchen auch Glück, sie sind weit entfernt von der alles zerdrückenden Dominanz der Generation um Xavi und Iniesta rund um den WM-Titel 2010. Von den alten Meistern ist nur noch einer übrig: Sergio Busquets, der Mann vom FC Barcelona.

ZUM SPIEL

Halbfinale in London: Italien – Spanien (21.00 Uhr/ARD und Magenta TV)
Italien: 21 Donnarumma – 2 Di Lorenzo, 19 Bonucci, 3 Chiellini, 13 Emerson – 18 Barella, 8 Jorginho, 6 Verratti – 14 Chiesa, 17 Immobile, 10 Insigne.
Spanien: 23 Unai Simón – 2 Azpilicueta, 12 García, 24 Laporte, 18 Alba – 8 Koke, 5 Busquets 26 Pedri – 9 Moreno, 7 Morata, 19 Olmo.
Schiedsrichter: Felix Brych (Deutschland).

Der Schmetterlingseffekt

Der positive Corona-Test des Taktgebers in der Mittelfeldzentrale kurz vor Turnierbeginn hatte das spanische Camp in helle Aufregung versetzt. Es war klar, dass der Katalane Busquets die ersten beiden Spiele verpassen würde, aber genauso klar war für Nationaltrainer Luis Enrique, dass er auf die Führungsfigur warten würde. Die Logik dahinter: Wieso sollte man versuchen, zu ersetzen, was einfach nicht zu ersetzen ist? Busquets Rückkehr aus der Quarantäne wurde als Rührstück inszeniert, die Fahrt zurück ins Camp filmisch festgehalten, genau wie der Empfang. Dort standen sie alle vor dem Hotel, Spieler und Staff, hatten ein Spalier gebildet und applaudierten, und Busquets ging herum und umarmte jeden einzelnen. Alles wird gut. Papa ist da.

Sergio Busquets ist der personifizierte Schmetterlingseffekt im spanischen Spiel. Er taucht in keiner Zusammenfassung auf, weil er nicht aufs Tor schießt, nicht den letzten Pass spielt und nicht den vorletzten und auch nicht den vorvorletzten. Er macht aber, unverrückbar im zentralen Raum vor der Abwehr, den Flügelschlag, der die Dinge in Gang setzt. Ein Querpass, ein Minidribbling, ein kurzer, unscheinbarer Laufweg.

An guten Tagen sind die Versuche, Busquets unter Druck zu setzen, sinnlos, denn er ist einer dieser Typen, die zur absoluten Ruhe finden, wenn der größte Stress um sie herum tobt. Er lässt die Gegenspieler dann auf sich zukommen und nutzt ihre Energie, um sie ins Leere laufen zu lassen, mit einer Drehung oder einem Haken.

Es gibt sie zwar nicht mehr ganz so oft, die guten Tage, die zwölf Jahre beim FC Barcelona sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Alles wird weniger. Aber ein paar kleine Schläge mit großem Effekt hat Sergio Busquets schon noch drin in seinen alten Flügeln. Auch bei dieser EM.

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