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Herbe Schlappe: Die deutschen Handballerinnen, hier Emily Bolk (Nummer 20), gehen unter.
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Herbe Schlappe: Die deutschen Handballerinnen, hier Emily Bolk (Nummer 20), gehen unter.

Handball-EM

Debakel als Dämpfer

  • vonMichael Wilkening
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Die deutschen Handballerinnen erleben ein EM-Fiasko und dürfen sich keinen Ausrutscher mehr erlauben.

Zum Glück neigt Henk Groener nicht dazu, Dinge persönlich zu nehmen, denn sonst hätte der Trainer des deutschen Handball-Nationalteams der Frauen beleidigt sein können. Wegen einer Corona-Infektion hatte der Niederländer nicht nur die komplette Vorbereitung auf die EM in Dänemark verpasst, sondern musste auch den 22:19-Sieg seiner Auswahl im Auftaktspiel in Kolding gegen Rumänien zu Hause von der Couch aus verfolgen. Als Groener nach einem negativen Corona-Test endlich zu seinem Team und nach Dänemark nachreisen konnte, erlebte die ein historisches Debakel. Nie zuvor verloren die deutschen Frauen bei einer EM so hoch wie beim 23:42 gegen Norwegen.

„Es war eine Handball-Lektion, die wir heute bekommen haben“, sagte der Bundestrainer nach dem frustrierenden Erlebnis in Kolding. Der 60-Jährige wirkte erstaunlich ruhig und aufgeräumt, als er über das Erlebte sprach. Sicher, Norwegen ist Rekord-Europameister und gehört auch in Dänemark zu den Anwärtern auf den Titel – aber eine solche Leistung mit dem daraus resultierenden Ergebnis war nicht vorherzusehen. Groener, der auch nach Siegen ruhig und analytisch ist, hatte kein Interesse daran, öffentlich mit seinem Team abzurechnen. „Wir haben es zu keiner Phase des Spiels geschafft, Norwegen in den Griff zu kriegen. Dann ist so ein Ergebnis auch gerecht“, sagte der Bundestrainer in aller Deutlichkeit, formulierte seine Sätze aber nicht vorwurfsvoll. Ob dieser Umgang mit der Niederlage richtig ist, wird der weitere Turnierverlauf zeigen müssen.

Auftritt, der zu denken gibt

Immerhin reicht trotz des Debakels gegen die Norwegerinnen schon ein Remis im abschließenden Gruppenspiel gegen Polen am Montag (18.15 Uhr), um sich für die Hauptrunde zu qualifizieren. Sollte Rumänien gegen Norwegen verlieren, wären die Deutschen selbst bei einer Niederlage mit zwei Treffern Unterschied gegen die bislang punktlosen Polinnen weiter.

Eine Niederlage gegen Norwegen ist an sich kein Grund, sich um das deutsche Frauen-Nationalteam zu sorgen, doch die Art und Weise des Auftritts gegen eine Topnation gab doch zu denken. Im Grunde waren die Deutschen von der ersten Minute an chancenlos, auch wenn sie bis zum 8:11 in der 13. Minute den Anschluss noch einigermaßen halten konnten. Doch dieser Zwischenstand täuschte über die Kräfteverhältnisse auf dem Feld hinweg. In der Deckung fand die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) kein Mittel gegen das schnelle Spiel der Skandinavierinnen und im Angriff wirkte der Vortrag uninspiriert und fahrig – und damit eben nicht wie das Spiel einer Auswahl, die Ambitionen hat, das Halbfinale zu erreichen.

Nachdem die deutschen Handballerinnen in der jüngeren Vergangenheit zum Teil sehr knapp an der Qualifikation für die Medaillenrunde vorbeigeschrammt waren, ist das Halbfinale bei der EM ja das erklärte Ziel. „Das muss auf jeden Fall aufgearbeitet werden“, forderte Linksaußen Antje Lauenroth nach der Partie.

Alle Spielerinnen hatten auf dem Feld gefühlt, wie weit der eigene Anspruch und die Realität am Samstag auseinanderlagen. Das kann Spuren hinterlassen, wenn es dem Ensemble und dem Trainer nicht gelingt, nach der notwendigen Analyse das Erlebte abzuhaken. Das Geheimnis für ein gutes Abschneiden bei einem großen Turnier ist es schließlich, dem letzten Spiel nicht lange nachzuhängen – unabhängig davon, ob es sich um einen glorreichen Sieg oder eine schmerzhafte Niederlage handelt.

Groener, der als Trainer der niederländischen Frauen Vize-Weltmeister wurde, weiß das natürlich, und er kennt die Chancen, die seine Equipe weiterhin hat. Mit einem Sieg gegen Polen am Montag würden die Deutschen mit zwei Punkten auf der Habenseite in die Hauptrunde starten – wären dort dann aber auf weitere Erfolge angewiesen, um das Halbfinale erreichen zu können.

„Wir müssen uns jetzt wieder aufbauen“, sagte Groener mit der Gewissheit, dass es bei dieser EM keinen Ausrutscher mehr geben darf.

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