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Philipp Kohlschreiber ist nur mit viel Mühe einer Blamage entgangen.

Daviscup

Deutschland führt nach zwei Spielen im Daviscup

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Nach einer Zitterpartie, die Philipp Kohlschreiber nur mit viel Mühe gewinnen konnte, sicherte sich Alexander Zverev souverän den Sieg.

Der Weg nach Madrid ist geebnet. Philipp Kohlschreiber und Alexander Zverev haben in ihren Einzeln dem deutschen Daviscup-Team am Freitagabend einen beruhigenden 2:0-Vorsprung gegen Ungarn erspielt. Der anfangs extrem nervöse Kohlschreiber mühte sich zu einem 6:7 (6:8), 7:5, 6:4 gegen Zsombor Piros, ehe Zverev beim 6:2, 6:2 mit Peter Nagy kurzen Prozess machte. Damit fehlt der Auswahl von Kapitän Michael Kohlmann am heutigen Samstag nur noch ein weiterer Punkt, um sich einen Platz im neugeschaffenen Finalturnier zu sichern, das Ende November in Madrid ausgetragen wird.

Allerdings ließ sich der Nachmittag für die hochfavorisierten Deutschen wesentlich beschwerlicher an, als im Vorfeld gedacht. Kohlschreiber, 35, liebäugelte gegen den 19-jährigen Piros (ATP-Rang 371) lange mit einer Blamage, ehe er nach 2:39 Stunden seinem Team den einkalkulierten ersten Punkt sichern konnte. „Das war ein echter Kampf und für mich eine Herausforderung. Ich habe nicht in allen Phasen mein bestes Tennis gespielt und musste viel arbeiten“, sagte Kohlschreiber und lobte seinen jungen Gegner: „Ich war etwas überrascht, wie er gespielt hat. Er hat ein paar großartige Sachen gemacht und war viel besser, als es seine Position in der Weltrangliste aussagt.“

Die Deutschen hatten nicht wirklich gewusst, was sie erwartet gegen die ersatzgeschwächten Ungarn, die mit Spielern daherkamen, die so unbekannt sind, dass sie sich Gerüchten zufolge nicht einmal selbst kennen. „Irgendeiner hat mal bei den Junioren die Australian Open gewonnen“, hatte Kohlschreiber vorher gefährliches Halbwissen gezeigt und geahnt: „Die werden schon Tennis spielen können.“ Das bekam er gegen Teenager Piros, den Jugend-Grand-Slam-Sieger in Melbourne von 2017, tatsächlich zu spüren.

Kohlschreibers Selbstzweifel

Piros beeindruckte mit aggressivem Tennis gegen den Weltranglisten-32. aus Augsburg, und während das ungarische Talent zu Beginn so gut wie keine Fehler machte, wackelte der Deutsche bedenklich. „Ich war am Anfang nicht frei und unglaublich nervös“, erklärte Kohlschreiber. „Das hat sich auch nicht so schnell gelegt, im ersten Satz habe ich überhaupt keinen Druck hinter meine Schläge bekommen.“ Zwar kämpfte er sich in den Durchgang zurück, nachdem Piros zwischenzeitlich 5:3 vorne gelegen hatte, aber im Tiebreak zeigte wieder der Ungar die besseren Nerven. Routinier Kohlschreiber, seit 2007 Daviscup-Spieler, schien dem Druck in der mit 5000 Zuschauern ausverkauften Frankfurter Ballsporthalle zeitweise nicht gewachsen.

„Ich habe mich eigentlich die Woche über gut gefühlt, aber dann steht man auf einmal auf dem Platz vor 5000 Leuten, die Nationalhymne wird gespielt, die Gänsehaut kommt, und es entwickeln sich Emotionen, die es so nur im Daviscup gibt“, erläuterte Kohlschreiber seinen inneren Kampf, der sich durch viele Fehler äußerte. „Und ich frage mich jedes Mal, wenn dieses Kribbeln im Bauch kommt, warum ich mir das eigentlich antue. Das habe ich das ganze Jahr über nicht.“

Von der Last für Deutschland zu spielen, konnte sich Kohlschreiber erst spät befreien. Aber doch noch rechtzeitig. Der forsche Ungar begann, körperliche Probleme zu bekommen, im dritten Satz ließ er sich die linke Wade einbinden, und der Deutsche wurde sicherer. „Ich habe gewusst, dass er dieses Niveau nicht würde halten können über zwei, drei Stunden.“ Zuspruch gab’s von draußen von Boris Becker, dem Chef des deutschen Männertennis, der sich fast nach jedem Punkt von seinem Platz erhob. Ein sehr beschwerlicher Vorgang.

Alexander Zverev gewinnt souverän

Überhaupt nicht beschwerlich fiel anschließend Alexander Zverevs Sieg gegen Peter Nagy, 26, aus. Nur 67 Minuten benötigte der 21-jährige Weltranglistendritte beim lockeren 6:2 und 6:2 gegen den Doppelspezialisten Nagy, der im Einzel über keine Ranglistenplatzierung verfügt. „Der Daviscup ist immer ein bisschen anders. Spieler, die nicht so gut im Turnier sind, spielen hier viel besser“, sagte Zverev nach seinem souveränen Auftritt: „Deshalb waren beide Gegner ernst zu nehmen, und ich bin froh, dass wir 2:0 vorne sind.“

Am Samstag (12 Uhr) kann nun schon das deutsche Doppel Tim Pütz/Jan-Lennard Struff für das entscheidende 3:0 sorgen. Die verbleibenden Einzel von Zverev und Kohlschreiber würden dann definitiv keinen Grund mehr für Nervosität bieten.

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