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Hockey-Spieler Lukas Windfeder (links) muss vom Inder Varun Kumar getröstet werden.
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Spuren einer großen Enttäuschung: Hockey-Spieler Lukas Windfeder (links) muss vom Inder Varun Kumar getröstet werden.

Kommentar

Olympia 2021: Düstere Aussichten für den deutschen Teamsport

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Die deutschen Mannschaften haben fast durch die Bank enttäuscht bei Olympia 2021 in Tokio. Das könnte erst der Auftakt für eine längere Durststrecke sein. Ein Kommentar.

Tokio – Am Ende flogen hölzerne Schläger über den blauen Kunstrasen. Aus und vorbei. In der Nacht zu Donnerstag hatten die Hockey-Männer auch die letzte deutsche Medaillenchance einer Mannschaftssportart in Tokio vergeigt. Der erfolgsverwöhnte Deutsche Hockey-Bund fährt erstmals seit 21 Jahren ohne Medaille wieder heim. Die Hockey-Frauen hatten sich schon vorher aus dem Turnier verabschiedet, immerhin aber hatten sie sich überhaupt für Olympia 2021 qualifiziert, was Fußballerinnen, Basketballerinnen, Handballerinnen oder Volleyballerinnen nicht schafften.

Fußballer, Handballer und Basketballer blieben früh auf der Strecke, die Hoffnungen im Beachvolleyball versandeten. Seit Sydney 2000 war die Delle in den Teamsportarten nicht mehr so dramatisch. In den quotenträchtigsten Ballspielen hat Deutschland den Anschluss verloren.

Olympia 2021: Drama für Deutschland im Hockey

Ursachenforschung fürs Tief tut not, denn eigentlich gibt es ja kein erhebenderes Gefühl, als in einer funktionierenden Mannschaft zu gewinnen. Sagt der langjährige Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters, der beinahe Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geworden wäre, danach aber bei der TSG Hoffenheim und beim Hamburger SV als Nachwuchsexperte den Volkssport Nummer eins grundlegend durchleuchtete – und noch heute sportartenübergreifend denkt. Er hat das Drama im Grunde kommen sehen, obwohl auch den 61-Jährigen jetzt die Ausmaße erschrecken.

Zu viel fehlt an systematischer Ausbildung an der Basis, zu groß sind die Defizite bei Technik, Kreativität und Handlungsschnelligkeit. Und nicht mal mehr die vielbeschworenen deutschen Tugenden helfen, weil andere Nationen noch mehr Willensschulung betrieben haben. Und auch bei der Physis zeigen sich Unterschiede. Die Australier haben es im Halbfinale gegen Deutschland in Peters Paradedisziplin Hockey vorgemacht.

Olympia 2021: Sport in Deutschland leidet unter der Dominanz des Fußballs

Wer sich wie der Hamburger Experte in den Ballsportarten den Nachwuchs anschaut, dem wird angst und bange. Der Fußball greift die meisten Bewegungstalente ab, bildet sie aber in der Mehrzahl nicht gut aus. Zu dieser Schieflage werden sich die Spätfolgen des Sportverbots in der Pandemie gesellen: Eine Vielzahl an Kindern und Jugendlichen sind dem Vereinssport bereits verloren gegangen, Probleme wie Übergewicht und hoher Medienkonsum verschärfen sich auf teils dramatische Art, weil sich die deutsche Politik beharrlich über fast ein ganzes Jahr weigerte, die Sportvereine anders als Spaßbäder und Saunaklubs zu behandeln.

Ohne Vorbilder, die gerade doch durch Olympische Spiele erzeugt werden könnten – man denke nur an die mit Gold dekorierten Beachvolleyballer Julius Brink und Jonas Reckermann (2012) oder danach Laura Ludwig und Kira Walkenhorst (2016) – fehlen sichtbare Anreize für die Jugend, sich in diesen Sportarten zu versuchen. Dabei ist es doch Sinn des Hochleistungssports, dass den Idolen eine breite Masse nacheifert, aus denen sich wieder die Helden von morgen rekrutieren. Deutschland muss aufpassen, dass da nicht ein Teufelskreis in Gang kommt, der reihenweise Sportmuffel heranzüchtet.

Der Nachwuchs braucht Vorbilder – auch mit Medaillen

Die Entwicklung ist gerade besonders schade, weil eine auseinanderdriftende Gesellschaft, die sich in vielen politischen Fragen immer weiter entzweit hat und durch die Corona-Krise auch noch Distanz halten musste und muss, das verbindende Erlebnis einer Mannschaftssportart so dringend nötig hat wie nie zuvor. Es gibt kein besseres Integrationsprogramm als eine multikulturelle Gemeinschaft beim Basketball, Handball, Fußball oder Hockey, in der am Ende bei jedem einzelnen eigentlich nur zählt, was er oder sie für die Mannschaft einbringt. (Frank Hellmann)

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