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„Das Sprunggelenk ist beleidigt“

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Von: Patrick Reichelt

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Hat sich für die Tournee einiges vorgenommen: Andreas Wellinger. Foto: Imago Images
Hat sich für die Tournee einiges vorgenommen: Andreas Wellinger. Foto: Imago Images © IMAGO/GEPA pictures

Wie Andreas Wellinger bei der Vierschanzentournee die Topfavoriten ärgern will

Andreas Wellinger ist das wohl größte Talent im Lager der deutschen Skispringer, 2018 holte er sich den Olympiasieg. Doch Verletzungen bremsten den Ruhpoldinger immer wieder aus. Auch in diesem Winter. Abgehakt hat der 27-Jährige die Vierschanzentournee deshalb aber noch lange nicht, wie er im Interview betont.

Herr Wellinger, es gibt Springer, die suchen während der Weihnachtspause vor allem Abstand. Andere tüfteln noch einmal intensiv an ihren Sprüngen. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Ein bisschen zu beiden. Auf die Schanze ist es zwar seit den beiden Trainingstagen in Oberstdorf nach Engelberg nicht mehr gegangen. Aber jeder absolviert individuell Athletiktraining, um sich körperlich vorzubereiten. Ich war auch bei den Physiotherapeuten. Ansonsten ging es bei mir um ein bisschen Plätzchen essen, Familie bespaßen. Ganz entspannt.

Bei der Generalprobe in Engelberg haben Sie zwei sehr unterschiedliche Gesichter gezeigt – mit den Plätzen sechs und 19. Wo stehen Sie wirklich?

Zumindest hat man dort das Problem gesehen. Dass wir in einzelnen Sprüngen gut springen können. Es fehlt halt noch die Konstanz. Aber immerhin: Ich habe am ersten Tag zwei Schritte nach vorne gemacht, am zweiten einen nach hinten. Das kann – gerade beim Skispringen – passieren und bedeutet, dass die Entwicklung unter dem Strich in die richtige Richtung geht.

Im Sommer haben Sie die Skimarke gewechselt und waren prompt der konstanteste Deutsche...

Ja, das stimmt. Der Sommer war sehr gut. Aber dann war der Start in den Winter holprig. Es kam der Sturz in Neustadt, seitdem ist mir das Sprunggelenk immer noch beleidigt. Das hat alles nicht leichter gemacht.

Das System eines Springers gilt als sehr fragiles Konstrukt. Bedeutet eine Verletzung da ein kleiner Neuanfang?

So extrem vielleicht nicht. Aber die richtigen Abläufe auf der Schanze zu finden, Automatismen zu entwickeln, das ist eine Herausforderung. Das geht schon in der Anfahrtsposition los. Wenn du nicht ordentlich runterfährst, dann kannst du nicht weit springen. Und mit Blessuren ist es natürlich umso schwieriger. Das Gefühl ist mit dem kaputten Sprunggelenk natürlich ganz anders.

Was ist hilfreicher – Gesundheit oder das ein oder andere Topresultat mehr auf dem Papier?

(lacht) Am besten natürlich beides. Aber gute Ergebnisse helfen definitiv. Du wirst selbstbewusster, weißt, dass deine Sprünge funktionieren. Dann kann sich das alles ein bisschen verselbstständigen.

Eine Ihrer Hauptbaustellen in den ersten Saisonwettbewerben war die Anfahrt. Untypisch – Sie gelten eigentlich als einer der schnellsten Anfahrer der Szene.

Das war eher mittelmäßig, ja. Aber das Gute ist, dass wir ein tolles Team mit Trainern und Betreuern haben. Da haben alle wirklich intensiv daran gearbeitet. In Engelberg hatte ich dann schon wieder Topspeed. Man darf bei solchen Dingen nur nicht ungeduldig werden, sondern muss sich die Zeit nehmen.

Experten wie Martin Schmitt trauen Ihnen zu, bei der Tournee auch die Topfavoriten um Weltcup-Spitzenreiter Dawid Kubacki zu ärgern. Würden Sie das unterschreiben?

Ich würde mich natürlich freuen, wenn der Martin Recht hat. Glaube aber, dass es doch vor allem eine gesunde Portion Optimismus ist. Die Spitze ist momentan sehr stark. Ich würde da die Top-4 mit reinnehmen. Neben Kubacki auch Anze Lanisek, Halvor Egner Granerud und Stefan Kraft. Die sind momentan schon sehr konstant und mit viel skispringerischer Qualität unterwegs. Aber schaun mer mal, wir werden auf alle Fälle alles versuchen. Wir haben bis jetzt vielleicht noch nicht den Topwinter gehabt. Aber klar ist: Wir können schon auch springen.

INTERVIEW: PATRICK REICHELT

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