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Rassiges Luftduell: Jerome Boateng (links) erwehrt sich Erling Haaland.

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Das Quäntchen Klasse

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  • Manuel Bonke
  • Hanna Raif
  • Paul Schwennecker

Borussia Dortmund ist dem FC Bayern München ebenbürtig – fast. Nette Worte vom Boss Karl-Heinz Rummenigge an David Alaba.

Mats Hummels war sichtlich genervt. Immer wieder schüttelte der Dortmunder Abwehrchef enttäuscht den Kopf. Weil es gegen die Bayern am Ende erneut nicht gereicht hatte. Diesmal war der BVB ganz nah dran gewesen. Angesichts der Leistung hätten die Schwarz-Gelben trotz des 2:3 (1:1) gegen die Münchner eigentlich erhobenen Hauptes vom Platz gehen können. Doch die Enttäuschung war einfach zu groß, die Köpfe zeigten ausnahmslos nur in eine Richtung. Nach unten, wie bei Hummels, der hinten Pech („die Bayern treffen dreimal abgefälscht“) und vorne „fehlende Kaltschnäuzigkeit“ bemängelte.

Ein wenig komplexer interpretierte es sein Trainer Lucien Favre, der Mann für die kleinen Dinge im Fußball. „Es liegt an nicht viel“, beteuerte der Fachmann und lächelte dabei sogar recht entspannt, „bei der Ballannahme musst du sofort beschleunigen oder sofort einen Pass spielen. Oder du musst fixieren.“ Womit der Coach in erster Linie meinte, dass seine Elf vor allem die Konter nicht präzise genug zu Ende gespielt hatte. Was die Präzision und Effizienz in dieser Begegnung anging, hatten die Münchner einen klitzekleinen Vorteil, der schließlich den Ausschlag gab.

Es waren kräfteraubende 90 Minuten im leeren BVB-Stadion gewesen, aber es war doch eine andere Art von Bayern-Sieg als bei den Arbeitserfolgen zuletzt in Moskau, Köln und auch Salzburg. „Sensationell gut“ fand Trainer Hansi Flick das Spiel, lobte damit aber nicht nur seine eigene Elf, sondern auch jene von Favre, die lange ebenbürtig war. Der Sieg sei letztlich trotzdem „mehr als verdient, weil wir vor dem Tor etwas entschlossener und effizienter gearbeitet haben“, befand Flick. Daran konnten weder der Schock nach der Verletzung von Joshua Kimmich (siehe Infobox) noch der Rückstand durch Marco Reus (45.) etwas ändern.

Der Ausgleich von David Alaba noch vor dem Halbzeitpfiff war laut Kapitän Manuel Neuer „entscheidend“, in der zweiten Hälfte dann, als Robert Lewandowski (48.), der eingewechselte Leroy Sané (80.) sowie Erling Haaland (83.) jeweils brillant trafen, sei man „die bessere Mannschaft gewesen“. Zwei weitere Lewandowski-Treffer wurden nach Videobeweis hauchdünn aberkannt. Aber es stand der Sieg – und die makellose Bilanz aus den langen Wochen fernab der eigenen Arena.

Als „doppelt wichtig“ bezeichnete Leon Goretzka die drei Punkte, die „90 Minuten Vollgas“ haben sich auch mit Blick auf die Tabelle gelohnt. Wer den Bayern nach der Triplesaison eine Herbstdepression vorausgesagt hatte, wurde spätestens am Samstag eines Besseren belehrt. Niederlagen wie in den vergangenen beiden Jahren in der kalten Jahreszeit – das gibt es trotz müder Beine und teils auch Köpfe 2020 nicht. Stattdessen stehen 27 Treffer zu Buche, also genau so viele wie in der Rekordsaison 2019/20. Darauf darf man sich schon mal ausruhen, auch wenn Flick vor Leichtsinn warnte: „Wir haben es nach dem siebten Spieltag schon geschafft. Nein, es geht weiter!“

Wie lange noch mit Alaba, der per Freistoß das 1:1 besorgte? Karl-Heinz Rummenigge stimmte versöhnliche Worte an: „Es ist wichtig, dass man die Qualität des Menschen und des Spielers ins richtige Licht rückt. Wenn David bei Bayern bleiben möchte – was ich nicht gänzlich ausschließen möchte –, dann muss man darüber nachdenken, dass man einen gesichtsschonenden Weg für beide Parteien findet. Die Tür ist noch einen Spalt auf.“ Der Vorstandsboss ist alles andere als glücklich darüber, dass das Eigengewächs als eine Art Söldner in der Öffentlichkeit dasteht. Auch, weil Rummenigge es nicht ausschließt, dass sich Verein und Spieler doch noch einigen. Allerdings müsste der Österreicher dafür aktiv auf den Verein zugehen. Oder um es mit den Worten von Trainer Flick zu formulieren: „Er ist da jetzt alleine im Fahrersitz und er muss entscheiden, wie er seine Zukunft sieht.“

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