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Das Olympiastadion ist der Star der European Championships

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Von: Günter Klein

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Mitfiebern: Das Olympiastadion in München bietet Publikum wie Teilnehmenden eine großartige Kulisse.
Mitfiebern: Das Olympiastadion in München bietet Publikum wie Teilnehmenden eine großartige Kulisse. © dpa

Die Begeisterung der Fans im Münchner Olympiastadion bei den European Championships zeigt: Der Fußball hat kein Monopol auf gute Stimmung.

So schön die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war – sie hinterließ auch einen Schaden: eine Verachtung für Sportstätten traditioneller Bauart. „Leichtathletik-Stadion“ wurde zum negativ besetzten Begriff. Der Fußball, der überall der Hauptmieter und -nutzer war, machte die Weitläufigkeit durch Laufbahn und Sprunganlagen dafür verantwortlich, wenn es bei ihm – wie häufig geschehen – stimmungslos zuging. Aus Stadien mussten Arenen werden, aus dem Runden was Eckiges. Die Zuschauer näher dran, das war das Hauptargument.

Der Fußball ist seitdem durch die Decke gegangen, die Leichtathletik indes hat gelitten. Welche großen Standorte sind ihr in Deutschland noch geblieben? Berlin, Nürnberg. Verloren hat sie etwa Stuttgart, wo das Neckarstadion die EM 1986 und die WM 1993 beherbergt hatte, zwei der unvergesslichsten Sportveranstaltungen auf deutschem Boden. Die Mercedes-Benz-Arena gehört jetzt komplett dem Fußball.

In München lief es etwas anders, weil es zu einem Neubau in Fröttmaning kam und das Olympiastadion unangetastet blieb. Doch nach der EM 2002 und einem Länderkampf im Vorfeld von Olympia 2004 ist nichts Leichtathletisches mehr losgewesen unterm Zeltdach. Ein paar Jahre später verschwanden sogar die Tartanbahn und der Rasen.

Man mochte gar nicht mehr hinschauen, wenn man zufällig vorbeikam, es tat einfach nur weh. Umso erfreulicher ist, was sich jetzt abspielt. Für die European Championships wurde das Olympiastadion fit gemacht für Lauf, Wurf, Sprung – und so, wie in der ersten Woche der Olympiaberg mit BMX und Triathlon und der Königsplatz und die Attraktion Klettern gefeiert wurden, gilt für die zweite Woche: Das Olympiastadion ist der Star.

Das Stadion ist großartig, nicht nur architektonisch, das stand nie in Frage, sondern auch akustisch. Was hat uns die Fußball-Lobby all die Jahre erzählt? Doch wie uns nun vor Ohren geführt wird: Das Stadion im Olympiapark kesselt und knistert nicht weniger als die Allianz Arena. Es muss nur was geboten sein. Das Brausen bei einer Laufentscheidung, das rhythmische Anfeuern für die Auseinandersetzung des Sportlers mit Weite und Höhe, auch die gespannte Stille vor dem Startschuss – die Vielfältigkeit der Leichtathletik ist ein Trumpf, den man ausspielen sollte. Und ihre Fans dürfen sich auserwählt fühlen: Sie sind schließlich kein Fußball-Publikum.

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