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Robin Gosens (l.) Knie trifft Frankreichs Benjamin Pavard. AFP
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Robin Gosens (l.) Knie trifft Frankreichs Benjamin Pavard. AFP

EM-Tunier

EM 2021: Schlechter Umgang mit Gehirnerschütterungen

  • Günter Klein
    VonGünter Klein
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Bei der EM zeigt sich mal wieder, dass der Fußball im Umgang mit Gehirnerschütterungen noch viel lernen muss.

Christoph Baumgartner, 21, hatte eine erfolgreiche EM. Mit Österreich kam er ins Achtelfinale, in der Vorrunde war er Siegtorschütze gegen die Ukraine. Allerdings war das Turnier für den Hoffenheimer ein gesundheitlicher Grenzgang. Denn er bekam die meisten Kopftreffer ab – als wäre er Boxer und nicht Fußballer.

EM 2021: Kopfverletzung bei Baumgartner

Gegen Nordmazedonien bekommt er eine Hand ins Gesicht und geht zu Boden, kurz vor der Halbzeit; danach tritt er nochmal an, doch nach 13 Minuten ist Schluss. In der 19. Minute des Ukraine-Spiels wird Baumgartner am Kopf getroffen, der Arzt kommt aufs Spielfeld, behandelt ihn. In der 21. Minute erzielt Baumgartner sein Tor, in der 29. setzt er sich auf den Rasen, lässt erneut den Doc kommen. Kurzer Check, weiter. In der 32. wird Baumgartner ausgewechselt – er kann nicht mehr. Achtelfinale: Luftkampf im Strafraum, Italiens klotziger Torhüter Donnarumma springt hoch, erwischt Leichtgewicht Baumgartner an Hals und Kopf. In Zeitlupe kann man sehen, wie es den Österreicher richtig durchbiegt (37.). Zwei Minuten Behandlung bei Baumgartner, danach hält er bis zur 90. Minute durch.

Eine Szene, die auch die damals noch vor ihrem Achtelfinale stehende deutsche Mannschaft verfolgte, das Spiel Italien – Österreich wurde gemeinschaftlich angeschaut. Wie reagieren Spieler auf etwas, das Kollegen widerfährt? „Es ist nicht schön“, sagte Robin Gosens, „aber groß diskutiert wird darüber nicht. Wir wissen, es ist ,part of the game‘“. Teil des Spiels. Berufsrisiko.

Der Italienische Torwart Gianluigi Donnarumma (l) kollidiert dem österreichischen Christoph Baumgartner. AFP

Der Münchner Podcaster („Rasenfunk“, „Elf Leben“) Max-Jacob Ost ist seit Jahren für das Thema Umgang des Fußballs mit Kopfverletzungen und Gehirnerschütterungen sensibilisiert, während der EM hat er die diversen Fälle notiert. Dreimal knallte es bei Wales – Schweiz, dreimal wurde behandelt und durchgespielt, der Waliser Moore erzielte mit Turban ein Tor. Bei England – Kroatien rauschen Bellingham und Vida mit den Köpfen gegeneinander, bei Dänemark – Finnland kam es noch vor dem Herzinfarkt von Christian Eriksen, der alles überschattete, zu einem blutigen Crash, zweimal in zwölf Minuten wurde der Finne Jere Uronen angeknockt. Kopftreffer gab es auch bei Schottland – Tschechien und Ungarn – Portugal, Finnland – Russland, Türkei – Wales, Schweiz – Türkei, Kroatien – Tschechien. Ellbogen, Knie oder der hart getretene Ball donnerten gegen einen Kopf. Lediglich bei Belgien – Russland kam es zur zügigen Auswechslung zweier zusammengeprallter Spieler. Ansonsten hieß das Rezept: Eisbeutel in den Nacken. Weitermachen.

EM 2021: Pavard mehreres Sekunden weggetreten

Auch deutsche Partien verliefen nicht glimpflich. Robin Gosens erwischte mit seiner Hüfte den Franzosen Benjamin Pavard am Kopf. Der erzählte hinterher, er sei zehn bis fünfzehn Sekunden weggetreten gewesen. Auch Leon Goretzka hat e bei seinem Einsatz gegen Ungarn wacklige Momente. Nach seinem Tor riss ihn in der Freude Mitspieler Kevin Volland um, sodass Goretzka mit dem Kopf auf dem Boden aufschlägt, kurz darauf traf ihn ein Ungar am Kopf.

Der Tscheche Tomas Soucek muss wegen einer Verletzung behandelt werden. AFP

Für diese EM führte die Uefa ein „concussion protocol“ ein, schulte die Ärzte der 24 Teams. Ablauf des Protokolls: Der verletzte Spieler bekommt Fragen gestellt, die er vor Turnierbeginn schon einmal beantwortet hatte – was er damals sagte, dient als Vergleichswert, um festzustellen: Erlitt er womöglich eine Gehirnerschütterung? Dass es beim Franzosen Pavard nur oberflächlich durchgeführt wurde, führte zu Kritik durch die Spielergewerkschaft Fifpro und die britische Interessensgruppe Headway. Der Schiedsrichter habe auf schnelles Weiterspielen gedrängt, und der Mannschaftsarzt sei keine unabhängige Instanz. Im American Football, wo Spieler immer wieder schlimme Spätfolgen durch Kopfverletzungen erlitten, müssen neutrale Ärzte im Einsatz sein.

Nachdem der Tscheche Patrik Schick im Gesicht getroffen wurde, bekommt er eine Behandlung. AFP

Bei den Spielern, obwohl es um sie geht, ist das Bewusstsein für die Gefahren nicht sehr ausgeprägt. „Wenn man ins Spiel reingeht, weiß man, dass man einen abkriegen oder komisch fallen kann“, sagt Robin Gosens. „Ich denke, bei dieser EM ist es keine besondere Aggressivität. Es sind unglückliche Zufälle.“

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