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Emotionslos zum Sieg: Daniil Medwedew gewinnt das Endspiel der ATP-Finals gegen Dominic Thiem.

Kommentar

Das Jahr des Kauzes

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Nicht Novak Djokovic, nicht Rafael Nadal und auch nicht Roger Federer holen bei den ATP-Finals am Saisonende den Titel, sondern der Russe Daniil Medwedev – bringt er die Zukunft mit? Ein Kommentar.

Daniil Medwedew schlich zum Netz, als erwarte ihn dort der Zahnarzt mit schreiendem Bohrer. Er „feiere“ seinen Sieg über den Österreicher Dominic Thiem, schrieben die Fotografen zwar routinemäßig in ihre Bildtexte nach dem letzten Ballwechsel im Finale der Tennis-WM. Aber in Wahrheit haftete natürlich so gar nichts Feierliches an diesem geisterhaften Moment im leeren Londoner Millennium Dome; wie Medwedew mit hängenden Schultern und starrem Blick nach vorne schlurfte, um die Glückwünsche Thiems entgegenzunehmen, und anschließend auf der Bank im Sitzen erst einmal auf seinem Smartphone herumtippte.

„Alle machen etwas Besonderes, wenn sie gewinnen“, sagte Medwedew nach seinem 4:6, 7:6 (7:2), 6:4-Sieg: „Das Besondere bei mir ist, dass ich nicht feiere.“

Seltsam, dieser Moment, seltsam natürlich auch diese coronatriste Weltmeisterveranstaltung an sich, welche die letzte ihrer Art war in London. Ab dem kommenden Jahr finden die ATP-Finals woanders statt, im italienischen Turin, in der alten Eishalle von Olympia 2006. Medwedew wird dann als Titelverteidiger anreisen. Bringt er die Zukunft mit?

Tennis-Elite wird bunter

Das mit der Zukunft ist ja so eine Sache im Tennis. Man wartet schon lange auf sie. Bislang wurde sie Jahr für Jahr aufs Neue der Tür verwiesen, weggeschickt von den Gatekeepern, die Djokovic heißen und Nadal und manchmal auch noch Federer, und die 33 und 34 und, im Falle Federers, sogar fast schon 40 Jahre alt sind.

Nur am Ende der Saison, wenn die Kraft nachließ bei den großen Jungs, gelang es der nächsten Generation, sich ins Rampenlicht zu drängeln. 2017 triumphierte 26-jährig der Bulgare Grigor Dimitrow in der Halle am Ufer der Themse. Es folgte der Deutsche Alexander Zverev mit 21 und der Grieche Stefanos Tsitsipas, ebenfalls mit 21, und nun also Medwedew, 24 Jahre alt.

Zuletzt war es so gewesen, dass die großen Jungs sich in der Winterpause wieder in Position brachten, um die folgende Saison zu dominieren. Diesmal könnte es anders kommen. Natürlich ist Novak Djokovic weiterhin nicht nur der Weltranglistenerste, sondern auch faktisch der beste Spieler der Welt, natürlich ist Rafael Nadal auf Sand quasi unbezwingbar, natürlich ist Roger Federer Roger Federer und daher als manifestierte Aura des schönen Spiels ein Kandidat für Triumphe, wenn er nach seiner Knie-OP bald zurückkommt. Aber Tsitsipas, Zverev und Thiem, 26, amtierender US-Open-Champion, sind gut und werden immer besser, während es für die Oldies immer mühseliger wird, ihre geschundenen Knochen zu verwalten.

Außerdem wäre da ja noch dieser Daniil Medwedew, der Weltmeister-Kauz aus Moskau, der sich 2019 bei den US Open eine Privatfehde mit dem New Yorker Publikum leistete, der 2017 in Wimbledon eine Handvoll Münzen vor dem Schiedsrichter auf den Boden warf, weil er Betrug witterte. Und der Spiele an guten Tagen dominiert, als wäre er eine perfekt programmierte Tennismaschine. 2021: Es könnte das Jahr des russischen Kauzes werden.

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