Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hat ein paar Trümpfe in der Hand: Hansi Flick.
+
Hat ein paar Trümpfe in der Hand: Hansi Flick.

Das Pokern mit dem DFB

Flickwerk an der Säbener Straße

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
    schließen

Der FC Bayern lässt auf diplomatischer Ebene Muskeln spielen, um den Trainer zu halten - will der das überhaupt?

Natürlich wird auch noch Fußball gespielt, sogar Champions League, Achtelfinale, am Mittwochabend zur gewohnten Zeit um 21 Uhr, es geht für den FC Bayern München sogar gegen einen recht renommierten Klub, Lazio Rom. Aber im Grunde interessieren die 90 Rückspielminuten eher weniger, das liegt am Hinspielergebnis, 4:1 hatte der deutsche Branchenführer die Italiener abgezogen, Fragen bleiben da keine mehr offen, außer der vielleicht, wie viele Tore dieser Robert Lewandowski wohl wieder schießen wird. Spannend ist was anderes.

Spannend ist statt dessen, ob der mächtige FC Ruhmreich es schafft, seinen Erfolgstrainer, und so darf man Hansi Flick sicherlich nach sechs Titeln binnen kürzester Zeit nennen, bei der Stange zu halten. Wenn es der nette Herr Flick denn will. So genau weiß man es ja nicht, und aus den jüngst getätigten Aussagen lässt sich ein beinhartes „Ja“ zu den Bayern nicht unbedingt herauslesen. Ein beinhartes „Ja“ klingt mehr so, wie sich der Frankfurter Kollege Adi Hütter unlängst geäußert hat: „Ich bleibe.“ Punkt.

Hansi Flick weicht aus

Bei Hansi Flick klingt das statt dessen so: „Ich kümmere mich nicht um die Dinge, die außen herum sind. Ich habe aktuell einen Vertrag bis 2023“, er wolle erfolgreich arbeiten und weitere Titel gewinnen, insofern „verbieten sich Spekulationen, wie meine Zukunft aussieht“, betonte der 56-Jährige. Er habe eine „top Mannschaft“, die Arbeit mache ihm „sehr viel Spaß“. Ein Interesse an einem Engagement als Bundestrainer beim DFB, wo er schon erfolgreich als Assistent unter Joachim Löw arbeitete und den er womöglich beerben könnte, schloss er zugleich nicht explizit aus.

Hansi Flick, ganz Diplomat, wählt den Weg im Unverbindlichen, er forciert nichts, fordert nichts, zumindest nicht direkt, er lebe, wie er selbst sagte, im „Hier und Jetzt“. Weder schließt noch öffnet er irgendwelche Türen, er lässt sie lieber angelehnt, er bleibt im Ungefähren - und stärkt damit auf sehr geschickte Art und Weise seine Position innerhalb des Klubs. Indem er mit einem möglichen Abschied ein bisschen kokettiert, schärft er das persönliche Profil an der Säbener Straße. Und es ist ja nicht so, dass beim FC Bayern München intern stets eitel Sonnenschein herrschte.

Angespanntes Verhältnis zu Salihamidzic

Das Verhältnis beispielsweise zu Sportvorstand Hasan Salihamidzic, Flicks Vorgesetzter, ist längst nicht mehr das beste, beide sind sich in grundlegenden Fragen, was Personal und Transfers angehen, nicht einig. Flick etwa hat mehr Personal gefordert, bekommen hat er Tiago Dantas, einen Leihspieler von Benfica Lissabon.

Oder Bouna Sarr und Marc Roca, dem Vernehmen nach Salihamidzic-Transfers, die der Cheftrainer meist nicht aufstellt. Flick findet zudem, dass es für Ersatztorwart Alexander Nübel besser wäre, sich ausleihen zu lassen, um Spielpraxis zu erlangen, „Brazzo“ findet das nicht. Zudem soll sich der 44-Jährige, vom mächtigen Aufsichtsrat Uli Hoeneß, warum auch immer, massiv protegiert, insgeheim nach dem Leipziger Julian Nagelsmann erkundigt haben, wegen einer etwaigen Flick-Nachfolge.

Rummenigge erhöht den moralischen Druck

Prompt stärkte Boss Karl-Heinz Rummenigge, eindeutig im Flick-Lager zu verorten, seinem Coach den Rücken und massierte das Abwehrbollwerk: „Wir wären ja verrückt, wenn wir jetzt unseren Trainer vorzeitig gehen lassen würden“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Presse-Agentur. Und weiter: „Ich möchte daran erinnern, dass wir gerade die erfolgreichste Zeit in der Geschichte des FC Bayern erleben.“

Austausch mit Fritz Keller

Der am Jahresende in München ausscheidende Vorstandsboss hatte zuvor bilaterale Gespräche mit dem DFB aufgenommen, um dem aktuell schwachbrüstigen Verband im Frankfurter Stadtwald den Wind aus allen Segeln zu nehmen. Rummenigge berichtete in wohlfeilen Worten von einem Austausch mit Fritz Keller, er lobte, diplomatisch nicht unclever, den gerne in allerlei Fettnäpfchen tretenden Verbandschef sogar und erhöht damit den moralischen Druck: „Ich finde den Entschluss des DFB seriös und korrekt, keinen Trainer zu kontaktieren, der vertraglich über den 30. Juni 2021 hinaus gebunden ist.“ Rummenigge bedankte sich bei Keller für das „offene Gespräch“ und fügte einen für ihn maßgeblichen Fakt an: „Er hat mir die Haltung des DFB bestätigt, die ich sehr anständig finde.“

Auf einer Pressekonferenz mit Löw und Keller in der vergangenen Woche hatte der vom DFB-Präsidium mit der Nachfolgersuche beauftragte Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff verkündet, dass der Verband bei Kandidaten „nicht in bestehende Verträge eingreifen“ wolle. „Jede Vereinbarung beinhaltet sowohl Rechte als auch Pflichten“, sagte Rummenigge. Es war eine Ansage an alle beteiligten Parteien.

Oliver Bierhoff muss vorsichtig agieren

Proaktiv, das weiß auch Oliver Bierhoff, dürfte der DFB nicht an Hans-Dieter Flick baggern. Mit den mächtigen Bayern, die mit Abstand die meisten Nationalspieler stellen und deren Einfluss europaweit enorm ist, sollte sich der durch vielerlei Affären geschwächte Verband derzeit nicht anlegen. Diese Kraftprobe würde der DFB krachend verlieren. mit dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare