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Schweigt bisher: Lionel Messi. rtr

FC Barcelona

Das Ende einer Ära

FC Barcelona steht vor einem Umbruch: Messis Zukunft ist offen, Trainer Setien muss gehen.

Lionel Messi vor dem Absprung, Trainer Quique Setien vor dem Rauswurf – zwei Tage nach dem beispiellosen Champions-League-Debakel gegen Bayern München hat die aktuelle Kaderzusammensetzung des FC Barcelona keine sportliche Zukunft mehr. Und muss sich, von der 2:8-Blamage gegen den deutschen Rekordmeister in den Grundfesten erschüttert, neu finden – und erfinden.

Der sechsmalige Weltfußballer Messi vermittelte bereits den Eindruck, als ginge ihn der Neuaufbau bei den Katalanen nichts mehr an. Videoaufnahmen zeigten, wie der Kapitän in der Halbzeitpause beim Stande von 1:4 apathisch und sichtlich ratlos in der Kabine hockte. Später, als der Mannschaftsbus am Hotel in der Stadt vorfuhr, wurden der gedemütigte Superstar und seine Mitspieler von den dort versammelten aufgebrachten Fans ausgebuht. Die Reaktionen in Spanien, das nach der krachenden Niederlage gegen den FC Bayern erstmals seit 13 Jahren keine Mannschaft im Halbfinale der Champions League stellt, fielen gnadenlos aus. „Historische Erniedrigung“, „Desaster“, „Schande“, eine „historische Lachnummer“, „schwärzeste Stunde der Geschichte“, „die Mutter aller Debakel“ – die Medien zerrissen Trainer, Spieler und Präsidium in der Luft, „selbst Messi war völlig überfordert“, schrieben sie.

Am Freitagabend ging in Lissabon eine Ära zu Ende. Wer auch immer die Zukunft gestalten wird: Er steht vor einem Trümmerhaufen. „Wir sind am Tiefpunkt angelangt“, sagte Gerard Pique. Der Abwehrchef machte bei seiner Kritik auch vor sich selbst nicht halt. „Der Klub braucht Veränderungen. Keiner ist unantastbar, am allerwenigsten ich. Um das zu ändern“, sagte der 33 Jahre alte Innenverteidiger, „ist frisches Blut nötig.“

Zunächst wird es wahrscheinlich am Montag Trainer Setien erwischen. „Es ist zu früh zu sagen, ob ich weitermache oder nicht, und es hängt auch nicht von mir ab“, sagte er. Die große Frage wird aber sein: Was macht Messi? Sein Vertrag läuft noch bis 2021, in der Nähe des Trainingszentrums von Inter Mailand soll er sich aber schon eine Luxuswohnung gekauft haben. Als Lebensversicherung für Barcelona hat Messi ausgedient – auch, weil seine Mitspieler allzu offensichtlich ihre besten Tage hinter sich haben. Neben Messi und Pique ist auch Luis Suarez schon 33 Jahre alt, Sergio Busquets und Jordi Alba 31. Der umstrittene Präsident Josep Bartomeu sagte, es müssten nun Änderungen vorgenommen werden, „an die wir bereits gedacht haben und an die wir in den nächsten Tagen denken werden“.

Bartomeu, seit 2014 im Amt, ist am schleichenden Verfall von Barca direkt beteiligt. Fehlentscheidung reihte sich an Fehlentscheidung, der Präsident hat längst das Vertrauen der Spieler verloren. Anfang vom Ende war der Verkauf von Neymar an Paris vor drei Jahren. Der Erwerb des französischen Weltmeisters Antoine Griezmann vor der Saison erwies sich als Flop.

Messi hatte das Ende kommen sehen. Im Februar und im Juli, als Barca Tabellenführung und Meisterschaft in Spanien an Real Madrid verspielte, übte er heftige Kritik mit der Erkenntnis: Wir sind nicht mehr gut genug. Jetzt wurde er darin mehr als bestätigt. Der FC Bayern, schrieb die Sportzeitung „As“, steckte „Barca in den Schredder“. sid

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