Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kommt bisher gut an: Thomas Tuchel, Trainer des FC Chelsea.
+
Kommt bisher gut an: Thomas Tuchel, Trainer des FC Chelsea.

Premier League

Klopp gegen Tuchel: Das Deja-Vu-Duell

  • vonHendrik Buchheister
    schließen

Einst verlor Thomas Tuchel epochal gegen Jürgen Klopp, jetzt ist er mit dem FC Chelsea sogar leichter Favorit in Liverpool und kann sich den Meister vom Leibe halten.

Dafür, dass Thomas Tuchel erst zweimal zu Gast war im Anfield-Stadion des FC Liverpool, hat er dort schon ziemlich viel erlebt – ziemlich viel Traumatisches. Im April 2016 verlor das von ihm trainierte Borussia Dortmund im Viertelfinale der Europa League nach 3:1-Führung 3:4 und schied aus. Der entscheidende Treffer gelang Liverpool in der Nachspielzeit. Im September 2018 trat Tuchel mit Paris Saint-Germain in der Vorrunde der Champions League am River Mersey an, holte einen 0:2-Rückstand auf und verlor trotzdem 2:3 – wieder durch ein Tor nach Ablauf der regulären 90 Minuten. Wenn Tuchel also an diesem Donnerstag (21 Uhr) mit seinem neuen Klub FC Chelsea zum dritten Mal in Anfield antritt, im Premier-League-Duell mit Meister Liverpool, coacht er auch gegen ein persönliches Trauma an.

Vor allem aber coacht er an gegen jenen Mann, in dessen Schatten er seit Beginn seiner Trainerkarriere steht, nämlich gegen Jürgen Klopp. Tuchel folgte ihm bei Mainz 05 und Borussia Dortmund, konnte aber jeweils nicht die emotionale Lücke füllen, die Klopp hinterlassen hatte – trotz sportlicher Erfolge. Tuchel führte Mainz zur besten Bundesliga-Platzierung der Vereinsgeschichte (Rang fünf in der Saison 2010/2011) und gewann mit Borussia Dortmund den DFB-Pokal. Wegen seiner oft technokratisch wirkenden Art war er allerdings nie der Volksheld, zu dem Klopp bei beiden Klubs geworden war. Der Abschied war jeweils turbulent.

FC Chelsea: Thomas Tuchel mit Überzeugungsarbeit

Mittlerweile arbeitet auch Tuchel dort, wo Klopp schon seit Oktober 2015 beschäftigt ist, nämlich in der Premier League. Ende Januar übernahm er den Trainerjob bei Chelsea von Klubikone Frank Lampard und leistet seitdem Überzeugungsarbeit in eigener Sache. Die Fans der Blues und großen Teile der britischen Medien hatten kein Verständnis für das Aus des beliebten Lampard (trotz offensichtlicher Schwächen) und empfingen Tuchel mit Skepsis. Doch der neue Mann ist stark gestartet.

Chelsea ist in neun Spielen seit dem Trainerwechsel noch ungeschlagen, steht mit einem Bein im Viertelfinale der Champions League nach dem 1:0 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Atlético Madrid und hat in der Premier League den Anschluss an die ersten vier Plätze geschafft, die in der kommenden Saison zur Teilnahme an der Königsklasse berechtigen.

FC Chelsea: Kai Havertz sucht seinen Platz

Tuchel hat bei Chelsea das spielerische Chaos geordnet, das Lampard hinterlassen hatte. Er hat auf eine 3-4-2-1-Formation umgestellt, erfahrene Profis wie Kapitän César Azpilicuata, Marcos Alonso oder den deutschen Nationalspieler Antonio Rüdiger rehabilitiert und die Mannschaft defensiv stabiler gemacht. Erst zwei Gegentreffer hat Chelsea unter Tuchel zugelassen. „Es ist wie bei einem Orchester: Wir müssen einem bestimmten Rhythmus, einer bestimmten Disziplin, einem Tempo, einem Stil folgen“, sagt Tuchel. Die Kehrseite des harmonischen Zusammenspiels ist, dass es im Angriff hakt. Zuletzt gab es ein dröges 0:0 gegen Manchester United. „Chelsea kann fast so schwer anzuschauen sein wie zu besiegen“, schrieb der „Guardian“ hinterher.

Fast eine Viertelmilliarde Euro haben die Blues im Sommer für Transfers ausgegeben, unter anderem kamen für die Offensive Hakim Ziyech von Ajax Amsterdam und die beiden Deutschen Timo Werner (RB Leipzig) und Kai Havertz (Bayer Leverkusen). Wie sein Vorgänger Lampard hat aber auch Tuchel noch keine Formel gefunden, um den Luxus im Angriff möglichst effektiv zu nutzen. Werner zeigt unter dem neuen Trainer immerhin Zeichen der Besserung, Havertz stand zuletzt gegen Manchester United nach drei Wochen Verletzungspause erstmals wieder im Kader, kam aber nicht zum Einsatz.

Hat zuletzt selten gelacht: Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool.

Wie Tuchel mit seinem Personal umgeht, ist auch eine politische Frage. Klubbesitzer Roman Abramowitsch hat ein Interesse daran, dass die teuren Spieler spielen – gleichzeitig gibt es in der Presse jedes Mal einen Aufschrei, wenn die jungen Engländer Mason Mount oder Tammy Abraham nur auf der Bank sitzen.

Solche Sorgen hat Klopp nicht. Dafür andere: Sein FC Liverpool ist dermaßen von Verletzungen geplagt in dieser Saison, dass sich die Mannschaft fast von alleine aufstellt. Die Titelverteidigung ist längst kein Thema mehr nach sechs Niederlagen seit Jahresbeginn (vier davon im eigenen Stadion), zum ersten Mal seit seiner Ankunft in England geht es abwärts für Klopp. Sein Job ist dennoch sicher. Auch er selbst hat kürzlich betont, dass er weiterhin hochmotiviert für die Arbeit in Liverpool ist.

Und es besteht ja durchaus noch die Chance, die Saison zu retten: In der Champions League sind die Aussichten auf den Viertelfinaleinzug nach dem 2:0 gegen Leipzig im Achtelfinalhinspiel prächtig. In der Liga bleibt – wie für den FC Chelsea – der Kampf um Platz vier. Liverpool ist aktuell Sechster. Im Duell mit den Blues auf Rang fünf muss ein Sieg her. Tuchel dagegen wäre mit dem erst dritten Erfolg im insgesamt 15. Aufeinandertreffen mit Klopp endgültig in der Premier League angekommen – und würde einen weiteren Schritt aus dem Schatten seines ständigen Vorgängers machen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare