Eishockey

Die DEL starrt ins 60-Millionen-Loch

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
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Die Klubs der Deutschen Eishockey-Liga sehen sich ohne finanzielle Unterstützung der Politik nicht zum regulären Saisonstart im November imstande.

Am längsten dabei von allen, die sich am Montag in einem Tagungshotel in Frankfurt-Höchst trafen, ist Lothar Sigl. Der Augsburger stieg als Funktionär in seinen Sport 1987 ein – sieben Jahre vor Gründung der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Inzwischen sitzt er in der deren Aufsichtsrat. Er kam nach sechseinhalb Stunden geschafft aus dem Sitzungssaal. „So etwas hatten wir seit Jahren nicht mehr“, sagte er ernst. „Aber die Sache ist wirklich tiefgehend.“

Drinnen wurde noch eine weitere Stunde um das „Wording“ gerungen, um eine Verlautbarung, die der Öffentlichkeit erklären soll: Die DEL will am 13. November, mit ohnehin schon zweimonatiger Verspätung, in ihre Saison starten – aber sie weiß nicht, ob ihr das gelingt. „Wir sind nicht in der Lage, die Spieltagserlöse seriös zu kalkulieren“, fasste der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Arnold aus Ingolstadt das Treffer der 14 Gesellschafter respektive Klubs zusammen. Uns fehlen 60 Millionen Euro.“ Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der DEL, erklärt: „Manche Vereine erzielen Zuschauereinnahmen von sieben, acht Millionen Euro.“ Was aber geschehe, wenn es bei einer zugelassenen Auslastung der Arenen von 20 Prozent, wie vorerst bis 31. Oktober festgelegt, bliebe? „Was, wenn wir über zwei Millionen Zuschauer nicht reinlassen dürfen?“, fragt Tripcke.

Zweite Liga hat es leichter

Es klingt leicht verzweifelt, aber auch ein wenig kalkuliert. Die DEL sagt, sie wolle spielen, alle 14 Vereine hätten sich so geäußert (obwohl im Vorfeld kolportiert worden war, manche kämen ohne Spielbetrieb und mit einem Jahr Corona-Pause und Kurzarbeit) besser durch die Krise. Am Datum 13. November will die Profiliga DEL festhalten – aber: Sie fordert „die Hilfe Dritter“ an, so Arnold. Und zwar möchte sie bis zum 2. Oktober Bescheid wissen. Weil sie vier bis sechs Wochen Vorlaufzeit benötigt, um einen Spielplan herauszugeben, die Mannschaften ins Training zu holen.

Ansprechpartner: die Politik. Das Innenministerium, die Staatskanzleien. Es geht ums Geld. Auch um das aus dem Konjunkturpaket, das für den Profisport zugesagt ist und das bis zu 800 000 Euro Ausgleich pro Klub schaffen soll. Aber diese Mittel sind noch nicht greifbar. Gernot Tripcke meint, man müsste dieses Paket vielleicht auch schon für 2021 festzurren.

Was der DEL natürlich auch Hoffnung machen würde: Wenn sie eine Zusicherung erhielte, dass sie absehbar mehr als 20 Prozent der Plätze besetzen darf. Aber sie sieht auch, sogar im Fußball, wie schnell eine Zulassung auf null Prozent gesenkt werden kann. „Wir wissen, dass sich das mit der Auslastung verbessern kann“, so Jürgen Arnold. Doch man hat keine Planungssicherheit. Und ohne die traut sich die DEL nicht auf dieses für sie brüchige Eis.

Vermittelbar ist das nur schwer. Denn die DEL2, die in Neuss in den Räumlichkeiten der DEL untergebracht ist, hat sich im Vorfeld der Sitzung des großen Bruders auf den 6. November als Starttermin festgelegt. Rene Rudorisch, ihr Geschäftsführer, sagt: „Ein weiteres Hinauszögern der Saison stellt für uns keine Alternative dar – weder für die Klubs, Liga, Fans und Sponsoren und natürlich die Spieler und ihre Familien. Gleichzeitig müssen weitere Lockerungen gelingen, um die Wirtschaftlichkeit der Klubs in dieser Saison sicherstellen zu können.“

Andere Situation in der DEL2, sagen Arnold und Tripcke. „Dort kommt man auch mal mit 1000 Zuschauern über die Runden.“ Auch Schweiz oder die skandinavischen Länder, die nun loslegen, hätten eine nicht vergleichbare Situation. Tripcke: „Viel höhere Medienerlöse.“ Weniger Abhängigkeit von der Zuschauerzahl.

Auf alle Fälle – und das ist das konkreteste Resultat aus der Tagung: Die Gesellschafter regten an, das Thema Auf- und Abstieg mit der DEL, das vor der Premiere stehen würde für 2020/21, für diese eine Saison auszusetzen.

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