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Dirk Schuster ist nicht mehr Trainer der Lilien. 

Darmstadt 98

Vielsagend nichtssagend

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Darmstadt 98 sucht einen neuen Trainer, der kurzfristigen Erfolg bringt und auf Dauer ein Konzept vorzuweisen hat. 

Als die Berufsfußballer des SV Darmstadt 98 am Dienstagvormittag für eine knappe Dreiviertelstunde die Trainingswoche mit ein paar Schnelligkeitsübungen eröffneten, da suchte der zurzeit entscheidende Mann den Schutz der überdachten Auswechselbank. Carsten Wehlmann, im Zuge der Entlassung von Trainer Dirk Schuster zum Sportlichen Leiter des Zweitligisten aufgestiegen, vergrub bei Nieselregen seine Hände tief in den Jackentaschen, setzte eine angespannte Miene auf und diskutierte minutenlang mit dem Darmstädter Medienchef Jan Bergholz.

Wenngleich der genaue Wortlaut des Gesprächs natürlich nicht überliefert ist, war es doch offensichtlich, worum es ging: Wie sollte Carsten Wehlmann am besten die Trennung von Dirk Schuster und vor allem den Stand der Nachfolgersuche erläutern? Welche Informationen also der Öffentlichkeit mitteilen? Und welche lieber verschweigen? Medienchef Bergholz und Sportchef Wehlmann entschieden sich für die zurückhaltende Variante: Viel sagen, wenig verraten.

Eine halbe Stunde nach der Übungseinheit, die im Übrigen von den Interimstrainern Kai Peter Schmitz und Patrick Kurt geleitet wurde, redete Wehlmann vor den versammelten Reportern zehn Minuten lang über das Anforderungsprofil des neuen Fußballlehrers. Er erklärte, dass ein Coach gesucht werde, der „die Mannschaft stabilisiert und darüber hinaus auch sich selbst weiterentwickelt.“ Daher sei - wie schon am Montagabend von Lilien-Präsident Rüdiger Fritsch kundgetan - kein Feuerwehrmann gefragt, so der 46-Jährige, um sich kurz darauf zumindest ein bisschen zu widersprechen: „Natürlich geht es erstmal um den kurzfristigen Erfolg.“

Die Kandidatenliste ist überschaubar

Nun ist es nicht so, dass Carsten Wehlmann, der Mitte September zur Unterstützung Schusters von Holstein Kiel verpflichtet wurde, vom ehemaligen, gerne mit einer großen Machtfülle ausgestatteten Coach aber zumindest nicht mit offenen Armen empfangen worden sein soll, sich in der gestrigen öffentlichen Rede schlecht verkauft hätte. Ganz im Gegenteil. Der ehemalige Torhüter des Hamburger SV, des FC St. Pauli und Hannover 96 trat sogar ziemlich sympathisch und authentisch auf. Zum Geschäft des Profifußballs gehört es in solch einer heiklen Situation – und die Lilien befinden sich als Tabellen-14. mit gerade mal vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang definitiv in eben jener – aber nun mal dazu, nicht immer alles zu sagen, was man so denkt und weiß. Mit der Trainersuche steht er vor seiner bislang größten Herausforderung. „Es geht jetzt darum, in die Verantwortung zu gehen“, sagte Wehlmann, flüchtete sich so ein bisschen ins Allgemeine und sagte, dass der Verein einen Trainer brauche, der die schwierige Situation annehme und mit dem vorhandenen Kader arbeiten wolle. Konkret wurde er dagegen wenig überraschend in einem anderen Punkt: „Wir führen derzeit Gespräche.“

Seit Bekanntwerden der Trennung von Dirk Schuster seien etliche Bewerbungen für dessen Nachfolge reingeflattert, die Liste der von den Lilien ernsthaft in Erwägung gezogenen Trainerkandidaten sei aber „relativ überschaubar“, so Wehlmann: „Wir arbeiten keine Bewerber ab, sondern verfolgen unsere eigene Vorstellungen.“

Namen von Kandidaten kursieren freilich eine ganze Menge. Die Verpflichtung des ehemaligen HSV-Coaches Christian Titz ist dabei ebenso unwahrscheinlich wie jene des bis vergangenen Oktober beim VfB Stuttgart angestellten Tayfun Korkut. Beide bewiesen zwar durchaus in der näheren Vergangenheit, dass sie kurzfristigen Erfolg im Kampf um den Klassenerhalt haben können, ein Konzept aber vermochten sie bei ihren vorherigen Klubs nicht zu installieren. Wahrscheinlicher ist da schon eher eine Verpflichtung von Kenan Kocak, einst in Mannheim und zuletzt in Sandhausen unter Vertrag.

Nun gut, wie auch immer der Trainer am Ende heißen mag, er dürfte vor allem ein im Profigeschäft nicht ganz so bekannter sein. Verhältnismäßig jung, entwicklungsfähig und mit hoher Identifikationsbereitschaft - so ähnlich dürfte das Anforderungsprofil lauten. Wehlmann gilt dank seiner neun Jahre bei Holstein Kiel, dort war er hauptsächlich als Kaderplaner zuständig – gerade in zweiter und dritter Liga als exzellent vernetzt. „Während ich in dieser Zeit die vielen Spieler beobachtet habe, merkt man sich natürlich auch, wie die jeweiligen Trainer ihre Mannschaften einstellen“, sagte Wehlmann und fügte hinzu: „Wir wollen schnellstmöglich, die bestmögliche Lösung finden.“

Ob das schon bis zum so wichtigen Heimspiel am Samstag (13 Uhr) gegen die nur drei Zähler besser platzierten Gäste von Dynamo Dresden geschehen wird, sei aber noch nicht klar. „Das Zeitfenster bis dahin ist relativ klein. Wir arbeiten an einer Lösung“, sagte Wehlmann. An einer, die kurzfristigen Erfolg und langfristige Sicherheit bringen soll.

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