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Der entscheidende Pfiff: Schiedsrichter Bastian Dankert entscheidet auf Elfmeter.

Darmstadt - Augsburg

Zwei falsche Pfiffe, ein gerechtes Resultat

Lilien-Trainer Schuster hadert nach dem 2:2 gegen Augsburg mit den Schiedsrichtern. Der Verein trauert beim ersten Heimspiel nach dem Tod Jonny Heimes' würdevoll um einen seiner treuesten Fans.

Von Steffen Gerth

Für gewöhnlich ist das, was Dirk Schuster nach Spielen öffentlich von sich gibt, geprägt von einstudiert wirkender Routine. Spektakuläres hört man vom Trainer des SV Darmstadt 98 selten – es sei denn, etwas Grundsätzliches hat ihm über einen längeren Zeitraum die Laune verdorben. Das war vor 14 Tagen so, als er wegen der grausigen Rasenqualität am Böllenfalltor die Stadt als Stadionbesitzer attackierte. Mittlerweile ist das Grün bundesligatauglich – und Schuster hat neue Gegner: die Schiedsrichter. Das ist ungewöhnlich für ihn. Doch am Samstag, nach dem 2:2 gegen den FC Augsburg, konnte er nicht anders. „In den letzten sechs Spielen gab es fünf klare Entscheidungen gegen uns“, wetterte er. „Wir haben bis jetzt immer schön die Fresse gehalten und die Faust in der Tasche gemacht. Wir haben alles geschluckt, aber ich glaube, es ist jetzt mal an der Zeit, solche Sachen zu thematisieren.“

Es dürfte Schuster um den Elfmeter für Augsburg in der 90. Minute gegangen sein. Sein Rechtsverteidiger Sandro Sirigu und der Augsburger Ja-Cheol Koo hatten sich beim Hochspringen berührt, Koo fiel hin, Schiedsrichter Bastian Dankert fand das reif für einen Strafstoß, den Alfred Finnbogason zum 2:2 für Augsburg verwandelte. Ein schlechter Witz. Vielleicht versuchte Dankert damit aber nur seinen noch schlechteren Witz aus der 76. Minute zu entschuldigen, als alle Welt glaubte, Caiuby Francisco da Silva hätte das 2:2 für Augsburg geköpft - nicht Dankert: Der ahndete wohl einen Stolperer des Darmstädter Innenverteidigers Solobodan Rajkovic als Foul – und pfiff ab.

Lustig bei diesen beiden interessanten Pfiffen ist: Sie haben für ein gerechtes Remis gesorgt. Und vielleicht war das auch Dankerts Absicht mit dem Elfmeterpfiff, der für den Augsburger Markus Feulner nichts anderes war als ausgleichende Gerechtigkeit. Dies konnte der Darmstädter Stürmer Sandro Wagner gar nicht verstehen, um zynisch anzumerken: „Ich bin wahrscheinlich nicht klug genug für so was. Deswegen bin ich auch Fußballer geworden.“ Den sachlichsten Beitrag lieferte schließlich der Augsburger Trainer Markus Weinzierl, als er sich für die Einführung des Videobeweises stark machte, um den Schiedsrichtern Hilfestellung zu geben.

Es war also ein ereignisreicher Samstagnachmittag am Böllenfalltor, der vorher von der Trauer um Jonathan Heimes geprägt war. Am Dienstagabend ist Heimes im Alter von 26 Jahren seinem Krebsleiden erlegen, am Spieltag gelang es den Lilien angemessen einem Mann zu gedenken, der mehr war als ein Anhänger des Vereins. Jonny Heimes war wegen seines Kampfgeistes gegen seine Krankheit ein spiritueller Kraftgeber für die Mannschaft, vor allem für Dirk Schuster. Und der bestand dann auch auf einer Schweigeminute vor dem Anpfiff, zudem spielten beide Teams in Trauerflor, die Fans im F-Block gestalteten eine passende Choreographie. Das alles war sehr würde- und pietätvoll.

Für Spieler, die Heimes lange kannten, dürfte es gegen Augsburg nicht einfach gewesen sein, die „schwierige Zeit“ (Schuster) seit Dienstag zu verdrängen. Kapitän Aytac Sulu ist so einer. „Du musst Profi genug sein und den Fokus auf deinen Job legen, wenn du auf dem Platz stehst“, beschrieb er seinen Umgang mit der Situation. Ein Erfolg gegen Augsburg und dann den Klassenverbleib – das alles wollte man Heimes widmen. Doch dann kam wieder kein Heimsieg heraus, und die Lage in der Liga wird für die Lilien immer prekärer.

Vier verlorene Punkte

Es fing ja am Samstag gut an mit einer starken ersten Halbzeit, dem ersten Saisontor von Mario Vrancic (1:0, 12. Minute), und dem zehnten von Wagner zum 2:0 (40.). Doch nach der Pause diktierte Augsburg die Partie, Darmstadt war nur noch abwehrbereit – und das war zu wenig. Markus Feulner traf zum verdienten Anschluss für die Gäste (63.).

Schuster wechselte nach und nach drei Defensivspieler ein. Gut, Peter Niemeyer (von Sirigu ersetzt) hatte Orientierungsprobleme, nachdem er von einem Ball am Kopf getroffen worden war. Aber mit Bejamin Gorka für Vrancic und Fabian Holland für Tobias Kempe spielten die Lilien dann quasi mit einer Sechsmannverteidigung – der Vorsprung sollte über die Zeit „ermauert“ werden. Es reichte nur zu einem 2:2, wie schon in Bremen, als das Team auch spät den Ausgleich hinnehmen musste. Als Sulu diese Punkteverluste einordnen sollte, erwiderte er fast schon beleidigt, dass das kein Problem sei. Ehrlicher war da sein Kollege Wagner, der zugab, dass diese vier verlorenen Zähler im Hinblick auf den Klassenverbleib „jetzt schon weh tun“.

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