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Training für Koordination und Gehirn mit Brille und Augenklappen: Jan Rosenthal.

Vor Saisonstart

Zurück im Sommer 2015

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Die aktuellen Probleme der Lilien ähneln denen von vor zwei Jahren, aber die Gefühlslage in Darmstadt ist heute eine andere.

Zunächst, der Übersicht halber, ein kurzes Gedächtnisprotokoll der zurückliegenden Wochen. Wenn man sich also richtig erinnert, ist in Darmstadt in diesem Sommer Folgendes geschehen: Die Mathildenhöhe wurde von einer japanischen Riesenechse attackiert und dem Erdboden gleichgemacht. Das Schlossmuseum musste aufgrund eines akuten Schimmelbefalls für immer geschlossen werden, und außerdem hat der Fußball-Bundesligist SV Darmstadt 98 alle seine Spieler, Trainer und Maskottchen verkauft und sich mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb abgemeldet.

Ja, so war es.

Moment mal.

Das Gedächtnis hat es aber auch nicht leicht zurzeit. Über Darmstadt und seinen Lilien hat sich eine so verwirrende Nachrichtensuppe zusammengebraut, dass einem die Dinge schon mal ein wenig durcheinandergeraten. Nüchtern betrachtet stellen sich diese Dinge natürlich leicht anders dar. Den historischen Gebäuden geht es weiter gut, und der SV98 ist nach einigen Abgängen eben wieder ein Stück weit im Sommer 2015 angelangt; die Probleme ähneln sich, nur die Gefühlslage ist eine andere.

„Klar, damals waren alle sehr positiv gestimmt nach dem Aufstieg“, erinnert sich Jan Rosenthal. „Im Grunde stehen wir da, wo wir auch vor einem Jahr standen. Da hatten wir zudem Zeitpunkt auch noch nicht das Team zusammen, das letztendlich den Klassenerhalt geschafft hat. Niemeyer, Wagner, Rajkovic, Garics – die sind doch alle erst um den Saisonstart herum gekommen“, sagt der Mittelfeldspieler.

Rosenthal arbeitet an Rückkehr

Rosenthal ist mittendrin in diesem sich entwickelnden Gebilde der Lilien, gleichzeitig hat er auch eine gewisse Außenansicht. Im April musste er sich einem Eingriff an der Achillessehne unterziehen lassen, nach einem gegnerischen Tritt, der zu einem schmerzhaften Sehnenanriss führte. Der 30-Jährige arbeitet derzeit noch individuell an seiner Rückkehr, ein paar Wochen wird das schon noch dauern, aber wenn er rüberschaut auf den Trainingsplatz, zu den Kollegen und dem neuen Trainer Norbert Meier, dann kann er nichts Beunruhigendes erkennen. „Ich finde gut, was gemacht wird“, sagt Rosenthal. „Meier gibt der Mannschaft einen komplett neuen Input. Wir hatten letztes Jahr bestimmte Mechanismen, die konstant durchgezogen wurden. Jetzt wird auf eine größere Variabilität geachtet. Ich glaube, das bringt Potenzial zur Entwicklung mit sich.“

Im Vergleich zum mitunter monothematisch anmutenden Langball-Stil, den die Lilien unter Dirk Schuster Spieltag für Spieltag präsentierten, dürfte der SV98 von Norbert Meier häufiger auch auf dem Boden nach Lösungen suchen. Das macht schon alleine deshalb Sinn, weil sich die Ballansaugmaschine Sandro Wagner inzwischen in Hoffenheim in jedes Kopfballduell schmeißt, das sich in der Nähe befindet.

„Ich bin jedenfalls ganz entspannt, was die nächste Saison angeht“, sagt Jan Rosenthal. Er sieht ja nicht nur die tägliche Arbeit auf dem Trainingsplatz, er sieht auch, wie Sportdirektor Holger Fach mindestens ein Mal pro Woche ins Auto steigt und davonbraust, um im In- und Ausland Transfergespräche zu führen. „Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Markt erst so ab Mitte August richtig in Fahrt kommt. Dann wird einigen Spielern auffallen, dass sie in ihren Vereinen keine Chance bekommen. Ich bin sicher, dass wir auch in dieser Saison ein sehr schlagkräftiges Team haben werden.“

Abgestiegen ist Rosenthal ohnehin noch nie in seiner Karriere. Nicht in Freiburg, nicht in Frankfurt, nicht in Darmstadt: „Und ich habe nicht vor, dass sich daran etwas ändert.“

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