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Präsident Rüdiger Fritsch will Darmstadt 98 von innen heraus wieder stark machen.

Darmstadt 98

Zurück zur schlanken Linie

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Die Trainersuche steht beim SV Darmstadt kurz vor dem Abschluss - Dirk Schuster wird es nicht.

Keine Frage: Ginge es nach den Fans des SV Darmstadt 98, dann wäre Dirk Schuster wohl schon am Donnerstag als neuer, alter Trainer am Böllenfalltor vorgestellt worden. Gerade erst war der Trainer beim FC Augsburg rausgeflogen, am Mittwochnachmittag, da geisterte schon das Schlagwort #schusterzurück durch die Kommentarspalten der sozialen Netzwerke. Die Leute haben nicht vergessen, dass Schuster den Darmstädter Fußballklub sensationell von der Dritten Liga bis zum Klassenerhalt in der Bundesliga navigierte.

Rüdiger Fritsch hat das natürlich auch nicht vergessen. Aber wer den Präsidenten des SVD dieser Tage mit dem Namen Schuster konfrontiert, der erhält eine philosophische Ausweichantwort: „Das Beste liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft.“ Man muss nicht Immanuel Kant studiert haben, um zu verstehen: Es wird am Bölle kein Comeback von Schuster geben, dessen Abgang nach Augsburg im Sommer nicht geräuschlos verlaufen war. Nicht jetzt jedenfalls, nicht unter den gegebenen Umständen.

Zumal die Darmstädter auf der Suche nach einem Nachfolger für Schusters Nachfolger Norbert Meier offenbar große Fortschritte gemacht haben. „Der Prozess ist weit fortgeschritten. Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Fritsch.

Allerspätestens bis zum Start des Wintertrainingslagers in Andalusien Anfang Januar soll der neue Mann da sein. Gut möglich allerdings, dass noch vor Weihnachten Klarheit herrscht in der Trainerfrage. Stanislawski? Runjaic? Luhukay? Die Kandidatenliste ist lang, und bislang steht nur fest, dass der gebürtige Darmstädter Bruno Labbadia es nicht machen wird.

Für die bis Weihnachten verbleibenden Spiele der Hinrunde – am Sonntag gegen den FC Bayern, am Mittwochabend bei Hertha BSC – wird Interimscoach Ramon Berndroth wieder auf der Bank Platz nehmen beim Tabellenletzten. Sowohl gegen die großen Bayern als auch gegen die etwas weniger großen Berliner wollen die Lilien wieder ihre alten Werte auf den Platz bringen. Am vergangenen Wochenende, beim unglücklichen 0:1 in Freiburg, waren sie schon zu sehen gewesen – der Kampf, die Leidenschaft, das Gemeinschaftliche. „Das hat in dieser Saison schon ein wenig gefehlt“, rief Berndroth dem geschassten Norbert Meier in der Donnerstagausgabe des „Kicker“ hinterher.

Kaderplaner statt Sportdirektor

Die Rückkehr zu sich selbst ist insgesamt ein großes Thema bei den Lilien. Einen direkten Nachfolger für Sportdirektor Holger Fach, der den Klub zeitgleich mit Meier verließ, wird es definitiv nicht geben. „Ich bin ja ein ungeduldiger Mensch“, sagt Fritsch, „ich möchte immer das Beste und am liebsten ganz schnell.“ Und die Schaffung des Sportdirektor-Postens, die Fritsch immer als wichtigen Teil für professionellere Strukturen bezeichnet hatte, sei im Nachhinein ein zu großer Eingriff gewesen in die zarte Darmstädter Entwicklung: „Diese Fehleinschätzung müssen wir uns eingestehen.“

Die Lilien wollen nun wieder enger zusammenrücken. Der neue Trainer kriegt mehr Verantwortung im sportlichen Bereich, ein sogenannter Kaderplaner wird ihm an die Seite gestellt. „Die Strukturen, die dem Trainer zuarbeiten, werden verstärkt“, sagt Fritsch, der nun alles schön schmal halten will bei seinen Darmstädtern. Ob der Kaderplaner von außen dazukommt oder ob eine Lösung aus dem Inneren denkbar ist, lässt Fritsch offen: „Das werden wir in enger Abstimmung mit dem Trainer entscheiden.“ Wie er auch heißen mag.

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