Immer erreichbar: Sanierer Dirk Schuster.
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Immer erreichbar: Sanierer Dirk Schuster.

Darmstadt 98

Zurück zum Ex

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Dirk Schuster ist wieder Cheftrainer beim SV Darmstadt 98 und unterschreibt einen Vertrag bis Juni 2019.

Zur ganz fixen Lösung schien es in der Darmstädter Trainerfrage erst doch nicht zu kommen. Am Montagmittag, zwei Tage nach der Freistellung von Torsten Frings und Co-Trainer Björn Müller, die der sportliche Absturz des SV 98 in der Zweiten Bundesliga bis in die Abstiegszone den Job kostete, war zunächst alles ruhig rund ums Böllenfalltor: Kein Mannschaftstraining, kein neuer Trainer. Ein Screenshot, der im Internet von Smartphone zu Smartphone geisterte, schreckte die Lilien-Fangemeinde kurz auf. Stefan Effenberg wird neuer Trainer des SV Darmstadt 98, war zu lesen in der Nachricht, täuschend echt im Stile der offiziellen Darmstädter Homepage gehalten, aber der Schrecken wich schnell der Belustigung: Alles nur ein Witz.

Doch um 19.56 Uhr wurde es schließlich ziemlich seriös. Da bestätigte eine Pressemitteilung des Vereins, was sich angedeutet hatte: Dirk Schuster kehrt auf die Trainerbank des SV 98 zurück – der Darmstädter Wundermacher also, der den Verein als krassen Außenseiter zwischen 2014 und 2015 von der dritten Liga schnurstracks in die Bundesliga führte, dort sogar irgendwie den Klassenerhalt hinbekam und dann nach Augsburg verschwand. Schuster, 49, unterschrieb einen Vertrag mit einer Laufzeit bis Ende Juni 2019 und bringt seinen alten Co-Trainer Sascha Franz mit. Die offizielle Vorstellung erfolgt am Dienstag, um 9.30 Uhr, auf einer Pressekonferenz im Stadion am Böllenfalltor.

„Ich freue mich sehr auf die Aufgabe bei den Lilien“, wird der Fußballtrainer des Jahres 2016 in der Mitteilung zitiert: „Den Verein und die Mannschaft habe ich in den vergangenen anderthalb Jahren natürlich weiterhin verfolgt.“ Nun werde er mit seinem Trainerteam alles daran setzen, „die große Herausforderung mit harter Arbeit zu meistern.“

Schusters erstaunliche Rückkehr

Vereinspräsident Rüdiger Fritsch bezeichnete Schuster als „ausgewiesenen Fachmann, der den Verein, die Strukturen und das Umfeld bestens kennt. Er hat uns in den Gesprächen mit seiner klaren Analyse und dem unbedingten Willen zum Erfolg überzeugt. Wir sind daher zum eindeutigen Ergebnis gelangt, dass Dirk Schuster und sein Team in der aktuellen Situation sowie in Bezug auf die zukünftige Ausrichtung die Richtigen für den SV 98 sind.“

Es ist eine erstaunliche Rückkehr, Schuster war von Fritsch 2012 zum damaligen Drittligisten SV Darmstadt geholt worden und verließ den Klub im Frühjahr 2016, nach dem Bundesliga-Klassenerhalt, Richtung Augsburg. Es war kein ausgenommen harmonischer Abschied damals, als Schuster trotz laufenden Vertrages zum Ligakonkurrenten wechselte. Der Ex-Profi sagte im Nachgang, man hätte ihn in der Emotion nach dem geschafften Ligaverbleib womöglich überzeugen können, in Darmstadt zu bleiben; Fritsch sagte, er habe gar nicht gewusst, Schuster von etwas überzeugen zu müssen, angesichts eines bestehenden Vertragsverhältnisses. Meinungsverschiedenheiten, die mittlerweile ausgeräumt sind. Angeblich.

Die Rückkehr wirft auch andere Fragen auf. Beide Nachfolger Schusters, zunächst Norbert Meier und dann ab Januar 2017 Torsten Frings, waren auch mit der Maßgabe angetreten, die Mannschaft spielerisch nach vorne zu bringen, sie vom Schusterschen Tugendfußball zu befreien, Kampf, lange Bälle und Standardsituationen. Meier ist daran krachend gescheitert, auch, weil er es sich mit Führungsspielern wie Aytac Sulu verscherzte. Frings, der im Januar 2017 übernahm, schien dann der Schuster 2.0 zu sein, den sie bei den Lilien gesucht haben: Ein starker Mann an der Spitze des sportlichen Bereichs, der dem attraktiven Angriffsfußball zugetan ist. Was am Ende freilich gar nicht mehr so attraktiv aussah und den Klub an den Rand des sportlichen Kollaps führte. Das Comeback von Schuster 1.0 steht nun vor allem für eines: die Sehnsucht der Lilien, sich sportlich zu stabilisieren. Irgendwie.

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