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Trainer Dirk schuster bleibt optimistisch.

Zweite Liga

Zeit, dass sich was dreht bei den Lilien

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Der Zweitligist aus Darmstadt sehnt sich nach vier Niederlagen am Stück nach einem Erfolgserlebnis.

Aus dem Umfeld des Fußball-Zweitligisten Darmstadt 98 hörte man zuletzt optimistische Stimmen, die Zukunft betreffend, die Gegenwart kam derweil weniger gut weg. „2018 war ein herausforderndes Jahr“, sagte eine tragende Figur aus diesem Umfeld, was so viel heißt, wie: „Uff, voll anstrengend gerade. Haben wir uns leichter vorgestellt.“ Immerhin, fügte der wichtige Mann an: „Wir haben richtungsweisende Entscheidungen getroffen“, und ab dem kommenden Jahr erwarte man nun „starke Wachstumsimpulse“. Ah ja. Sie verlassen sich also mal wieder voll und ganz auf die Rückrunde, die Lilien.

Okay, zugegeben, die Aussagen stammen gar nicht von der Darmstädter Fußballermannschaft, sondern von Stefan Oschmann, dem Chef des Technologiekonzerns Merck, einem Premiumsponsor der Darmstädter Fußballmannschaft. Aber wenn sie lieb fragen, so von Verein zu Sponsor, dürfen sich die Lilien die Aussagen vielleicht ausleihen. Sie treffen ja auch auf den SV98 zu, auch wenn man dort dringend hofft, dass die Wachstumsimpulse noch vor dem Jahreswechsel einsetzen.

Zufriedenheit geht anders als das, was der Tabellenvierzehnte (zehn Punkte) aktuell erlebt vor dem Spiel bei Jahn Regensburg am kommenden Sonntag (13.30 Uhr). Einen Punkt haben sie in den vergangenen fünf Spielen geholt, ein 1:1 gegen den SV Sandhausen Mitte September. Danach gab’s nur noch Niederlagen, 1:4 in Dresden, 1:2 gegen Bielefeld, 2:4 in Kiel und 1:2 gegen den Hamburger SV, und es verstärkt sich das seltsame Gefühl, dass die Lilien ihre Herbstkrise aus dem Jahr 2017 noch einmal aufwärmen. Nur anders gewürzt.

Die statistischen Parallelen zwischen den Spielzeiten 17/18 und 18/19 sind augenscheinlich, jeweils ist der Saisonstart geglückt, jeweils kam danach, im Anschluss an eine Länderspielpause, eine nebulöse Phase ausgeprägter Orientierungslosigkeit. Der alte Trainer Torsten Frings hoffte 2017 noch bis Anfang Dezember vergebens, die Wende mit ballbesitzorientiertem Fußball hinzukriegen.

Auch Nachfolger Dirk Schuster orientiert sich am Ballbesitz, aber halt an dem vom Gegner, so haben die Darmstädter den Klassenerhalt hingekriegt, so sind sie vielversprechend in die neue Saison gekommen, und doch sind sie im Herbst wieder an einem Punkt angekommen, an dem sie sich die eine oder andere Grundsatzfragen gefallen lassen müssen. Liegt’s halt vielleicht doch am Spielsystem?

„Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt das falsche Signal für die Mannschaft, wenn man grundsätzlich etwas ändern würde“, sagte Trainer Schuster im Verlauf der Länderspielpause. „Wir sind mit unserem System, mit unserer Art und Weise, Fußball zu spielen, konkurrenzfähig.“ In der Ruhe liegt die Kraft, ein schusterscher Grundsatz. Es sei wichtig, „positiv zu bleiben, dass wieder eine gewisse Lockerheit reinkommt und dass die Köpfe frei werden“. Zudem habe man intensiv trainiert und das Defensivverhalten geschult. 

Jedes System ist nur so gut wie das, was die Spieler daraus machen. Das galt für Frings und die Lilien 2017, das gilt nun auch für Schuster, der zuletzt immer wieder mitansehen musste, wie manch Verteidiger in entscheidenden Momenten wegdämmerte. Sechser Slobodan Medojevic, der ehemalige Frankfurter, war beispielsweise beim 2:4 in Kiel mehr als einmal nicht aufmerksam genug, und Joevin Jones, der Flügelspieler aus Trinidad und Tobago, der seine Rolle als Offensivakteur mitunter sehr eng interpretiert, ließ seinen Gegenspieler vor dem vierten Gegentor sehenden Auges entwischen. Symbolisch. Hinzu kommt die unterlassene Hilfeleistung mancher Kollegen – fatal in einem Defensivkonstrukt, das darauf basiert, dass der eine den anderen absichert. 

Nun sollen gegen die forschen und formstarken Regensburger (zehn Punkte aus zuletzt vier Spielen, Platz acht) bessere Zeiten eingeleitet werden, bevor die schlechten chronisch werden. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir uns das Erfolgserlebnis selbst verdienen können“, sagte Schuster am Freitag. Das gute Gefühl, das man sich in der Länderspielpause erarbeitet habe, „wollen wir nun auf den Platz bringen“. Die Mannschaft sei gefordert, „die Ergebnisse der letzten Wochen durch ein Erfolgserlebnis ins Positive zu drehen.“ (mit dpa)

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