Glücklicher Rückkehrer: Felix Platte. 
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Glücklicher Rückkehrer: Felix Platte. 

Darmstadt 98

Wuchtiges Lächeln

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Das Comeback von Stürmer Felix Platte macht Darmstadt 98 Hoffnung in der zweiten Liga.

Und plötzlich ging die Sonne auf, tief drunten in den Katakomben des Darmstädter Fußballstadions. Felix Platte gehört als Mensch der Kategorie Strahlemann an, und weil er als Spieler der Kategorie Stürmer angehört, trat er mit einem Lächeln vor die wartenden Pressevertreter. Mit seinem Ausgleichstreffer zum 2:2 hatte Platte ja dem SV Darmstadt 98 im Heimspiel gegen den VfL Osnabrück in der 83. Spielminute wenigstens einen Punkt gerettet. Wobei ihm selbst zunächst schleierhaft war, wie das genau gelang. „Ich glaube, ich muss mir das erst noch einmal anschauen, wie der Ball letztlich reingegangen ist“, sagte der 23-Jährige, natürlich lächelnd. Die Fernsehaufnahmen werden ihn aufgeklärt haben: Ein Schuss im Getümmel, der sich abgefälscht im hohen Bogen hinter die Linie senkte, gerade so.

Ein geradezu hässliches Tor. Und doch irgendwie schön, für Platte, für die Lilien.

Vermeidbare Gegentore

Nach einer, mal wieder, monatelangen Verletzungspause durch eine, mal wieder, schwerwiegende Muskelverletzung ist Felix Platte wieder eine wichtige Option im Darmstädter Kader. Trainer Dimitrios Grammozis brachte ihn gegen Osnabrück nach einer Stunde in die Partie, um seinem Angriff mehr Wucht zu verleihen. Tatsächlich hatte der ehemalige Schalker diverse Szenen im Sechzehner der Gäste und gleich mal Pech, als Torwart Nils Körber seinen Schuss glänzend entschärfte (69.). Es wäre die Führung gewesen für Darmstadt, zudem in Überzahl nach Gelb-Rot für Osnabrück Kapitän David Blacha, und mit Führung Überzahl wäre wohl alles auf einen Lilien-Sieg hinausgelaufen. Wobei: Vermutlich hätte der SVD auch dann wieder einen Weg zur Selbstdemontage gefunden.

„Jeder hat gesehen, dass wir zwei Punkte liegengelassen haben“, klagte Platte: „Wir hatten genug Chance, ich hatte genug Chancen. Wir müssen kälter vor dem Tor bleiben und die Dingern einfach reinschweißen.“ Dabei ließ er außer Acht, dass die Hauptproblematik für den Punktverlust eher vor dem eigenen Tor zu finden war – zwei eigene Treffer dürfen ja auch mal reichen für einen Heimsieg. Aber Patrick Herrmann produzierte einen unnötigen Foulelfmeter, der in Halbzeit eins zum Ausgleich führte, und die zwischenzeitliche Führung der Gäste (43.), frecherweise in Unterzahl (78.), ging auf eine allgemeine Schläfrigkeit in der Darmstädter Hintermannschaft zurück. „Die beiden Gegentore waren natürlich absolut zu vermeiden, speziell das 1:2 in Überzahl darf uns nicht passieren“, haderte Mittelfeldspieler Yannick Stark.

Das große Thema war letztlich aber die Offensive im ersten Spiel vor der neugebauten Gegengerade. „Wir haben selber gemerkt, was hier vor heimischer Kulisse geht, gerade mit der neuen Tribüne“, erzählte Platte: „Die Fans haben richtig Dampf gemacht und uns nach vorne getrieben. Umso ärgerlicher ist, dass wir die Dinger nicht reingemacht haben. Aber wir haben gesehen, dass wir Fußball spielen können.“ Das ist insgesamt eine gute Nachricht für die Darmstädter, denn noch vor einer Woche, beim glücklichen 1:1 in Kiel, hatte man das mit dem Fußballspielen lediglich erahnen können, wenn überhaupt. Und doch war es wie so oft fehlende Konsequenz, diesmal offensiv wie defensiv gleichermaßen, die den Lilien den Sieg kostete. Kein unbekanntes Gefühl am Böllenfalltor. Das 2:2 gegen Osnabrück war das fünfte Remis in Folge, das elfte insgesamt in dieser Saison – so ist es schwierig, sich entscheidend von der Abstiegszone zu entfernen.

Im Angriff liegen die Hoffnungen auf Besserung nun auch auf Platte. Nach seiner Einwechselung bildete er gemeinsam mit Serdar Dursun, Schütze des Führungstreffers, eine robuste Doppelspitze. „Uns macht das beiden Spaß“, sagte Platte: „Natürlich ist das dann offensiver ausgerichtet und man kann das nicht in jedem Spiel so machen. Aber gerade heute war es, denke ich, genau das richtige.“

Für ihn selbst sowieso, der jede Minute am Ball wertschätzt nach seinem schier unglaublichen Verletzungspech in den vergangenen Jahren. Hüfte, Fuß, Oberschenkel. Irgendwas war immer. Zuletzt verzichtete er sogar auf mediale Aktivitäten in den Sozialen Netzwerken, um zu sich zu kommen. „Ich wollte Ruhe und mich auf meinen Körper konzentrieren“, erklärte er am Sonntag. „Ich habe viele Sachen dadurch gelernt, und jetzt können wir wieder in die Normalität zurückkehren.“ Lächelnd, versteht sich.

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