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Zwei im Netz: Der Darmstädter Fabian Holland kann den späten Ausgleich nicht verhindern.

Darmstadt 98

Ein wildes Auf und Ab

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Vom Deppen zum Beinahe-Helden: Serdar Dursuns verrückter Tag.

Und dann lief Serdar Dursun an, ein wenig schräg und mit merkwürdigen Tippelschrittchen, den Ball hatte sich der Darmstädter Stürmer sorgsam zurecht gelegt, 73 Minuten waren gespielt in diesem langatmigen Zweitligaspiel zwischen den Lilien und Regensburg, 1:0 führte der Jahn auf fremdem Platz am Böllenfalltor. Der 28-Jährige, in dieser Saison schon einmal vom Punkt erfolgreich im August beim 2:0 gegen Holstein Kiel, aber seit einigen Wochen auch in einer veritablen Krise, hatte sich im Privatduell gegen den etatmäßigen Schützen Tobias Kempe durchgesetzt und sich die Kugel geschnappt. Dann also tänzelte er dem Ball entgegen, ein, zwei, drei Schritte – und schließlich hämmerte der Deutsch-Türke den Ball weit über die Querlatte hinweg ins Fangnetz. Da war sie vertan, die Riesenchance für den SV Darmstadt 98 im Heimspiel gegen Jahn Regensburg. Das, so meinten nicht wenige, würde wohl übel enden für die 98er.

Die Zuschauer pfiffen sich die Seele aus dem Leib, Sündenbock Dursun wurde beschimpft, Coach Dimitrios Grammozis raufte sich die Haare, böse Vorahnungen hatten da sehr viele Menschen, die es mit den Lilien halten, manch einer sah sogar schon den Trainerstuhl wackeln, so eine Pleite gegen biedere Regensburger kann ja unschöne Folgen haben.

Und dann? Und dann kam Serdar Dursun. Und wie.

Zum Spiel
SV Darmstadt 98 – Jahn Regensburg 2:2 (0:1)

Darmstadt: Schuhen – Patrick Herrmann (86. Berko), Dumic, Höhn, Holland – Paik (79. Ozegovic), Palsson – Tobias Kempe, Honsak (66. Mehlem), Skarke – Dursun.

Regensburg: Meyer – Heister, Nachreiner, Correia (90.+2 Wekesser), Okoroji (79. Nandzik) – Lais, Besuschkow – Stolze, Albers, Schneider (66. George) – Grüttner.

Schiedsrichter: Alexander Sather (Grimma)

Tore: 0:1 Dumic (15. Eigentor), 1:1 Dursun (88.), 2:1 Dursun (90.), 2:2 Albers (90.+4)

Zuschauer: 13.350

Gelbe Karten: – Correia (5), Lais

Besondere Vorkommnisse: Dursun (Darmstadt) vergibt einen Foulelfmeter (74.)

Der Mittelstürmer schlug zurück, drehte die Partie, nach 88 Minuten war der Angreifer zur Stelle, staubte nach einem Abpraller eiskalt ab. 1:1. Zwei Minuten später war er wieder da, mit einem langen Bein stocherte er die Kugel an Torwart Alexander Meyer vorbei ins Tor. 2:1 nach 90 Minuten. Die Wende. Vom Deppen zum Helden in einer Viertelstunde. „In 20 Minuten dreht sich das Leben“, sagte Dursun später, fast schon ein wenig philosophisch.

Doch dann gab es ja noch die Nachspielzeit, und die war für die Lilien ein paar Sekunden zu lang. In der 94. Minute patzte der Darmstädter Torwart Marcel Schuhen nach seinem Missgeschick vor einer Woche in Fürth erneut, und das nicht zu knapp. Eine harmlose Flanke ließ der Keeper durch die Hände rutschen, Andreas Albers markierte Sekunden vor Schluss den 2:2-Endstand. Ernüchterung am Bölle.

Dem Schlussmann wollte aber niemand einen Vorwurf machen, die Mitspieler munterten den untröstlichen Schuhen auf. „So was passiert im Fußball“, konstatierte Immanuel Höhn. „Wir sind für ihn da, weiter geht’s.“ So sah es auch Kapitän Fabian Holland. „Das ist natürlich bitter und ärgerlich für ihn, aber es gibt keinen, der da jetzt rummault.“

Auch mit dem sehr selbstbewussten Stürmer Dursun hat niemand geschimpft, dabei war alleine sein Strafstoß, der nach einem Foul an ihm selbst und der Intervention des Videoassistenten verhängt wurde, schon aufreizend lässig und fast schon arrogant geschossen. Zumal der Angreifer auch noch dem sicheren Elfmeterschützen Tobias Kempe den Ball wegnahm. Würde er aber wohl immer wieder so machen. „Ich und Tobi kommen infrage, Tobi schießt auch gerne Elfer“, bedeutete Dursun schlicht. „Aber ich habe mir den Ball genommen.“ Seinen Fehlschuss kommentierte er lakonisch: „Normalerweise mache ich ihn rein, jetzt ging er drüber.“ Aber der Stürmer grämte sich nicht lange, alldieweil: „Messi und Ronaldo verschießen auch mal Elfer.“ Klare Sache. Die Pfiffe gegen seine Person wischte er schnell beiseite: „Es gab ein, zwei Buhs, klar, die Zuschauer verfluchen einen dann ein, zwei Minuten und denken: Scheiße, wieso hast du den nicht reingemacht.“ Aber das sei halb so wild.

Dursun lobte vielmehr sich selbst, obwohl der Fehlschuss „für meinen Kopf nicht leicht war“, aber er sei „mental stark“ gewesen und habe Charakter gezeigt. Dass es doch nicht zum Dreier gereicht hat, okay, das lag nicht nur am frühen Eigentor von Lilien-Verteidiger Dario Dumic (15.), sondern auch am eigenen Torwart. Vorwürfe gab es auch von Dursun nicht, eher eine generelle Einschätzung: „Die Liga ist einfach verrückt.“

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