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SV Darmstadt 98

Wenn Grätschen glücklich macht

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Darmstadt-Trainer Dimitrios Grammozis will seinen Ex-Klub Hamburger SV „nicht von der Leine lassen“ - das Hinspiel in Norddeutschland dient als Mutmacher.

Acht Monate ist her, da schwelgte Dimitrios Grammozis für die FR in Erinnerungen. Im Interview sprach er über kernige Typen des Fußballgeschäfts, Mario Basler zum Beispiel, den er einst auf dem Betzenberg in Kaiserslautern kennengelernt hatte. Er sprach über derbe Worte auf dem Trainingsplatz, die einfach dazugehören würden zur Kickerei auf höchstem Niveau, „wir sind ja nicht im Kindergarten“. Und er sprach über die Anfänge seiner eigenen Profizeit. Mit 19 Jahren war der in Wuppertal geborene Deutsch-Grieche aus dem kleinen Uerdingen ins große Hamburg gewechselt – zum Sportverein, dem Klub mit der Raute auf dem Herzen, dem HSV. Eine andere Welt, erzählte Grammozis im April: „Ich hatte zwei Jahre vor meinem Wechsel noch Anthony Yeboah als Aufkleber auf meiner Mappe drauf, dann stand ich plötzlich gemeinsam mit ihm in der Kabine. Das war komisch. Yeboah, Niko Kovac, Harald Spörl, Andreas Fischer, Thomas Doll – das waren abgezockte Profis, herausragende Persönlichkeiten“. Oder anders formuliert: „Eine tolle Zeit.“

Hinspiel macht Hoffnung

22 Jahre später kann Grammozis selbst auf eine beachtliche Karriere zurückblicken. Auch er wurde zu einem abgezockten Profi, zu einem, der nicht über solch fußballerische Fähigkeiten wie ein Yeboah verfügte, aber sehr wohl über eine ausgeprägte Wadenbeißermentalität. 143 Bundesligaspiele dürfen als Ausdruck dessen gewiss angeführt werden.

Mittlerweile steht Grammozis zwar immer noch regelmäßig auf dem Rasen, fast täglich, auch trägt er weiterhin Stollenschuhe, die 41 Lebensjahre lassen aber nur noch eines zu: den Trainerjob, jenen beim Zweitligisten SV Darmstadt 98. An diesem Samstag (13 Uhr) steht zum Abschluss des Jahres und zum Auftakt der Rückrunde das Spiel gegen Grammozis‘ Ex-Klub, den Hamburger SV, an. „Das Jahr ist unfassbar schnell vorbeigegangen“, blickte Grammozis im Wochenverlauf auf seine erste Zeit als Proficoach zurück. Erst im Februar war er vom Jugendtrainer in Bochum zum Chefübungsleiter am Darmstädter Böllenfalltor aufgestiegen. 30 Spiele hatte er seitdem die Verantwortung inne, 1,43 Punkte im Schnitt sowie ein Klassenerhalt und aktuell Rang zwölf sprangen dabei bisher heraus. „Jetzt wollen wir vor den Weihnachtstagen noch mal alles reinhauen vor unseren eigenen Fans.“

Am Montag gelang das zuletzt recht passabel. Ein 1:1 trotzte der SV 98 dem Favoriten aus Stuttgart ab. Und das nicht mal unverdient, fanden die Hausherren doch meist guten Zugriff auf den Aufstiegsfavoriten. „Der HSV ist genauso eine Hausnummer, wie es der VfB war“, warnt Grammozis nach dem Duell gegen Tabellendritten nun vor dem Duell gegen den Tabellenzweiten: „Daher werden wir das Spiel auch wieder so ähnlich angehen: Defensiv stabil, aber nicht komplett hinten reinstellen.“ Gegen die Schwaben ließen die Südhessen erst in der Schlussphase etwas nach, waren dann nicht mehr so eng am Mann und schummelten das Remis gerade noch über die Zeit.

Um die passende Spielweise gegen die Norddeutschen zu finden, braucht Grammozis nicht lange recherchieren. Er hat sie ja selbst Anfang dieser Saison, am 28. Juli, praktizieren lassen. Im Hamburger Volksparkstadion hatten die Darmstädter zwar nur 35 Prozent Ballbesitz, aber dafür fast gewonnen. Erst in der achten Minute der Nachspielzeit glich Aaron Hunt per fragwürdigem, eher unberechtigtem Elfmeter für den HSV die Führung durch Tim Skarke aus. Erst nach Ansicht der Videobilder war der Strafstoß gegeben worden, obwohl niemand ernsthaft behaupten konnte, die strittige Situation sei einwandfrei aufzulösen.

Damals war also einiges geboten und Grammozis rechnet auch diesmal mit einem spannenden Spiel, in dem er den weiterhin rotgesperrten Victor Palsson ersetzen muss und seinem Team vor allem eines mitgibt: „Wir dürfen den HSV nicht von der Leine lassen, sonst wird es sehr schwer.“ Seine Spieler müssten eng am Mann verteidigen. Eine Eigenschaft, die Wadenbeißer Grammozis früher prächtig beherrschte. Heute kann er das nicht mehr selbst erledigen, ziemlich schade, wie er schmunzelnd erklärte: „Vor zehn Jahren konnte ich im Spiel selber einen umhauen, wenn ich sauer war. Jetzt muss man sogar aufpassen, was man sagt.“ Zeiten ändern sich, aber immerhin die Erinnerungen bleiben.

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