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Noch nicht so lange her. Markus Anfang bei den Lilien.
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Noch nicht so lange her. Markus Anfang bei den Lilien.

Brisantes Wiedersehen

Wenn der Ex vorbeischaut

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Werder-Coach Markus Anfang fordert Darmstadt 98 und Trainer Torsten Lieberknecht. Der eine hat die Massen hinter sich, der andere muss noch kämpfen.

Es dauerte nicht lange, zehn Pflichtspiele, ehe sich Torsten Lieberknecht das erste Mal von diesen wohligen Klängen umschmeicheln lassen durfte. Sprechchöre mit des Trainers Namen hallten vor bald zwei Wochen durchs Stadion in Sandhausen, direkt nach der 6:1-Demonstration seines Teams, dem SV Darmstadt 98. Und der Coach des Fußballzweitligisten nahm die dargebrüllte Einladung an, zwar zögerlich, sie schien ihm noch recht früh ob seines erst viermonatigen Wirkens, aber strahlend. Er trat zu den Fans und genoss die Rufe. Torsten Lieberknecht ist schnell angekommen am Bölle. Mit seiner nahbaren Art, der Kumpelhaftigkeit, freilich gepaart mit sportlichen Achtungserfolgen, sehen die Fans in ihm etwas, was die beiden Vorgänger nicht ausstrahlten.

Dimitrios Grammozis und Markus Anfang hatten ja durchaus Erfolg in Darmstadt, und sie ließen ihre Profis teils einen ansehnlichen Ball spielen. Das Gefühl aber, einer aus der Mitte der Menge zu sein, den Klub von Kopf bis Fuß zu leben, vermittelten sie nicht. Wollten sie wohl gar nicht, was auch gewiss kein Einstellungskriterium für einen Fußballlehrer sein muss. Es gibt viele Wege, erfolgreich zu arbeiten.

Stichwort Arbeit. Markus Anfang, der Ex, der an diesem Sonntag (13.30 Uhr) mit Werder Bremen zu Gast ist in Darmstadt, zählt zu dieser Kategorie der besonders fleißigen Schaffer. Das war in Darmstadt so, das ist es jetzt in Bremen. Seinen Spielern trichtert der Rheinländer in etlichen Übungseinheiten und auch während der Begegnungen taktische Vorgaben geradezu ein, das mag ermüdend sein, irgendwann aber hat sie dann auch wirklich der letzte Kicker verstanden.

Was verbindet die Trainer?

Anfang pflegt wie auch Lieberknecht einen offenen Umgang mit den Profis, Ansagen ohne Geplänkel gehören dazu. Das müssen die Spieler abkönnen, und auch die Schiedsrichter, mit denen beide an der Seitenlinie gerne Argumente austauschen – auch mal lautstark. Hinterher, das muss erwähnt sein, gehören beide eher zur einenden Zunft, da ist schnell alles vergessen und vergeben, was in den 90 Minuten vorher war. Gut so.

Lieberknecht, so hieß es vom Darmstädter Sportchef Carsten Wehlmann bei seiner Anstellung, solle die Arbeit des unter Nebengeräuschen nach Bremen gewechselten Anfang fortführen. Ein Ansatz, der Fußballbossen gerne mal über die Lippen kommt, der in diesem Fall aber Sinn ergibt. Zwar unterscheiden sich die systematischen Spielideen der Trainer, im Grunde ihres Fußballdenkens aber sind sie Antreiber ihrer Schützlinge und wollen dasselbe: mit ihren Mannschaften nach vorne agieren, selbst aktiv sein, viele Tore schießen. Darmstadt ist das mit 21 Saisontoren bisher besser gelungen als Bremen (14), freilich steht der Bundesligaabsteiger mit 14 Zählern dennoch einen Rang besser dar (Platz acht) als die Lilien – was nicht mit mehr Zufriedenheit einhergehen muss.

Denn klar ist: Beide Teams waren mit gänzlich unterschiedlichen Zielen in die Zweitligarunde gestartet. Obwohl Anfang in regelmäßiger Häufigkeit betont, beim SV Werder einen „Wiederaufbau“ anzuleiten, haben große Teile des Umfeldes doch den direkten Wiederaufstieg im Sinn.

Als es nach allerhand Spielerverkäufen (und ohne ernstzunehmende Einkäufe) nicht rund lief, kam schnell Kritik auf. Pokal-Aus, Derbypleite gegen den HSV, Trübsal am Osterdeich. Auch Markus Anfang moserte über die Transferpolitik seines Klubs, wie er das im Übrigen im Jahr zuvor bereits in Darmstadt getan hatte.

Pfiffe für Anfang?

Kleine Risse im Binnenklima zur Bremer Führung waren unübersehbar, konnten aber rechtzeitig noch zugespachtelt werden. Werder kaufte spät ein, verpflichtete vor allem den knipsenden Zweitligaexperten Marvin Ducksch und besänftigte damit Trainer wie Umfeld. „Wir sind warm geworden miteinander. So wenig Regen wie zuletzt haben einige hier noch nie erlebt“, sagt Anfang. Es läuft zwar noch nicht perfekt, immer mal gibt es Rückschläge, alles in allem besteht für die Bremer aber weiterhin die Chance auf den Aufstieg.

Der SV Darmstadt hat diesen nicht als Ziel, keineswegs. Am Böllenfalltor wäre man wohl mit einem soliden, vielleicht vorderen Mittelfeldrang in der Tabelle zufrieden. Es geht mehr, ganz klar, das haben die vergangenen Wochen gezeigt, in denen sich die Lilien nach einem Horror-Saisonstart inklusive Corona-Chaos beachtlich reinackerten in die Runde.

Wenn alles zusammenpasst, wenn die Angreifer Philipp Tietz und Luca Pfeiffer weiter treffen, wenn mehr Konstanz erlangt werden kann, dann hat Trainer Lieberknecht einen ordentlichen Kader mit vereinzelten Schwachstellen beisammen. Vom Aufstieg zu träumen aber wäre doch vermessen.

Einen wesentlichen Unterschied gibt‘s in den Darmstädter Karrieren der beiden Trainer noch: Während Lieberknecht also schon nach wenigen Wochen zum Held der Massen avancierte, blieb Markus Anfang dies gänzlich verwehrt – unverschuldet wohlgemerkt. Das Publikum war in Corona-Zeiten ausgesperrt. Ob seines eiligen Abschieds nach nur einem Jahr könnten bei der Rückkehr ans Bölle nun gar Pfiffe auf Anfang warten.

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