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Vergab die besten Chancen: Antonio-Mirko Colak.

SV Darmstadt 98

In den Wahnsinn getrieben

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Der Bundesligist Darmstadt 98 lässt sich in Walldorf mit den eigenen Zahlen schlagen. Sportchef Holger Fach ärgert sich über ausbleibende Pokaleinnahmen.

Und nun: Die Gewinnzahlen vom Mittwoch, 26. Oktober: 18, 64, 42, 55. Superzahl ist die 1. So sehen sie nämlich aus, die Werte, mit denen der klitzekleine FC Astoria Walldorf, Regionalliga Südwest, den nicht ganz so klitzekleinen SV Darmstadt 98, erste Bundesliga, mit aller Konsequenz aus dem DFB-Pokal hinausbeförderte. 18 Torschüsse gönnten sich die Walldorfer (Darmstadt: 17), wozu sie keine bessere Passquote als 64 Prozent, keine höheren Ballbesitzanteil als 42 Prozent benötigten, und zwar auch deshalb, weil sie in 55 Prozent der Zweikämpfe stärker waren als der SVD. Unterm Strich: 1 Tor Walldorf, 0 Tore Darmstadt.

Oh, Lilien. Mit den eigenen Zahlen geschlagen. Die Südhessen sind ja wohlvertraut mit der Mathematik des Außenseiters, von der sie auf einem besseren Dorfplatz, gegen die Amateurmannschaft eines Ortes, der bislang hauptsächlich für ein großes Autobahnkreuz im Rhein-Neckar-Gebiet bekannt war, in den Wahnsinn getrieben wurden.

In der Bundesliga sind es die Darmstädter, die dem Gegner genüsslich den Ball überlassen, um ihn dann durch knackige Zweikampfführung und schnörkellosen Vertikalfußball zu erschrecken. Walldorf entführte diese Strategie, reicherte sie mit einer hochkonzentrierten Dosis Willen und einer Prise Spielwitz an, um das Ganze als ekligsten Cocktail der Welt dem Erstligisten einzuflößen. Und dieser präsentierte sich an diesem herbstlichen Abend viel zu träge, um sich zur Wehr setzen zu können.

Entsprechend sauer stieß dieses Spiel den Darmstädter Verantwortlichen auf. „Das ist eine dämliche Frage“, blaffte der miserabel gelaunte Sportchef Holger Fach nach dem Spiel erst einmal einen Journalisten an. Der hatte es tatsächlich gewagt, zu fragen, was denn alles schiefgelaufen sei. „Walldorf war von der ersten bis zur letzten Minute besser“, sagte Fach dann und: „Uns ist das passiert, was schon Dutzenden Mannschaften vor uns passiert ist.“ Fast klang es, als wolle er das blamable Pokal-Aus relativieren. Aber vielleicht ärgerte sich der 54-Jährige auch über die entgangene Einnahme. „Wir haben ganz viel Geld für unseren Verein verloren – oder zumindest nicht gewonnen“, klagte Fach. „Das tut uns als kleinem Bundesligisten sehr weh.“

„Wir haben alle ganz genau gewusst, was auf uns zukommt“, kommentierte Trainer Norbert Meier die Partie, und seine Laune ließ sich auch von einer schnellen Zigarette hinter der kleinen Walldorfer Haupttribüne nur geringfügig aufhellen: „Wenn man es als Bundesligist über 90 Minuten nicht schafft, ein Tor zu erzielen, dann gibt es nur einen verdienten Sieger. Wir hätten noch zehn Stunden spielen können und kein Tor geschossen.“ Walldorf hingegen traf schon nach einer guten halben Stunde, Nico Hillenbrand, 32. Spielminute.

Dass Walldorf verdient gewonnen hatte, wollte hinterher niemand bestreiten. Natürlich, die Darmstädter hätten auch mit dieser seltsam wurstigen Leistung irgendwie davonkommen können.

Samstag kommt RB Leipzig

In Darmstadt sind sie durchaus der Meinung, über einen breit aufgestellten, ausgeglichenen Kader zu verfügen, aber das Spiel in Walldorf unterwanderte diese Meinung gnadenlos. Meier hatte, nur eine von vier Personalrochaden, Laszlo Kleinheisler eine schöpferische Pause gegeben. Ersatzmann Victor Obinna blieb bei seinem Pflichtspieldebüt für die Lilien bis zu seiner Auswechslung zur Pause unsichtbar. Und Peter Niemeyer, der auf der Sechs für Florian Jungwirth spielte, musste hilflos mitansehen, wie der Ball in seinem Rücken wieder und wieder in den neuralgischen Raum vor der Abwehr gespielt wurde von den couragierten Walldörfern.

Nein, sagte Linksverteidiger Fabian Holland später noch, das sei nicht Darmstadt 98 gewesen, und er meinte sein eigenes Team. Kleiner Trost: Am Samstag, 15.30 Uhr, ist RB Leipzig zu Gast, der Tabellenzweite der Bundesliga. Und dann darf Darmstadt 98 wieder Darmstadt 98 sein. (mit sid)

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