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Bedient: Darmstadts Marcel Franke (r.) und Fabian Holland.

Darmstadt 98 - Hertha BSC

Wacker gekämpft, verdient verloren

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Darmstadt 98 bietet Hertha BSC gut Paroli, die Berliner präsentieren sich beim 2:0 aber eiskalt.

Als Tim Rieder in der 33. Minute auf seiner rechten Abwehrseite drei Meter Anlauf nahm, mit all seiner Wucht in den Zweikampf sprang, Ball und Gegner, in diesem Fall Javairo Dilrosun, gemeinsam über die Außenlinie grätschte, da kochte das Stadion am Böllenfalltor trotz der bitterkalten Temperaturen. Selbst die Zuschauer auf der Haupttribüne sprangen hoch von ihren Sitzen, schrien mit hochroten Köpfen, klatschten Szenenapplaus.

So hatten sich die Anhänger des Zweitligisten SV Darmstadt 98 das vorgestellt, so sollte das sein in der zweiten Runde des DFB Pokals gegen den Favoriten Hertha BSC - freilich, nutzen sollte all dieser Einsatzwillen gegen den Tabellensechsten der Fußball-Bundesliga nichts. Vor 15.000 Zuschauern setzten sich die Berliner glanzlos, aber doch verdient mit 2:0 (0:0) in Darmstadt durch. „Wir haben 90 Minuten gut dagegengehalten“, sagte Lilien-Verteidiger Marcel Franke, „wir können trotz der Niederlage stolz auf uns sein.“

Dirk Schuster setzt auf Sicherheit 

Schon beim Einlaufen der beiden Mannschaften hatten die Darmstädter Fans ihren Lieblingen auf dem Rasen klar gemacht, was sie an diesem Pokalabend von ihnen erwarten würden. Hinter dem Tor entrollte der harte Kern ein Plakat mit unmissverständlicher Ansage: „POKALFIGHT“. So deutlich es die Anhänger forderten, so gut setzten es die elf Lilien auf dem Grün kurz darauf um. Von der ersten Minute an waren die Gastgeber voll im Spiel. Aggressiv, laufstark, willig, das von Trainer Dirk Schuster vorgegebene Konzept umzusetzen. Welches das war, hatte vorab schon die Aufstellung erahnen lassen.

In Abwesenheit des am Sprunggelenk verletzten Spielmachers Marvin Mehlem setzte der 50-jährige Coach auf Sicherheit. Schuster bot nur drei offensiv denkende Spieler auf, Stürmer Serdar Dursun, dahinter Tobias Kempe und Marcel Heller. Ansonsten brachte er im zentralen Mittelfeld gleich zwei klare Sechser, auf links durfte der defensivstärkere Sebastian Hertner anfangs für Freigeist Joevin Jones ran. Diese taktische Variante färbte wenig überraschend auch auf die Spielanteile der beiden Teams ab. Die Hertha hatte den Ball, in der ersten Viertelstunde sogar zu 75 Prozent, Darmstadt verteidigte die Angriffe tief in der eigenen Hälfte sehr solide. Bis auf einen harmlosen Abschluss von Stürmer Davie Selke (8.) brachten die Berliner lange Zeit nichts zustande.

Die Lilien ihrerseits wurden nach rund 20 Minuten selbst etwas mutiger, bissen sich nun auch in der gegnerischen Hälfte in den direkten Duellen fest, Dursun verzog aus 18 Metern jedoch knapp (28.). Die beste Gelegenheit vor der Pause hatte letztlich aber doch die Hertha. Nach drei schnellen Pässen freigespielt, scheiterte Kapitän Salomon Kalou aus zentraler Position am glänzend reagierenden Darmstädter Schlussmann Daniel Heuer Fernandes (37.).

Starker Heuer Fernandes

Sieben Minuten nach dem Seitenwechsel zappelte der Ball dann erstmals im Darmstädter Netz - es jubelten aber nur die Lilien-Anhänger. Der Grund: Während des Schusses von Ondrej Duda ertönte die Pfeife von Schiedsrichter Robert Kampka, der abseits des Geschehens einen Rempler von Selke geahndet hatte. Nun ja, zumindest fragwürdig.

Nichtsdestotrotz, die Hauptstädter legten nun einen Gang zu, ließen die Kugel schneller von rechts nach links und wieder zurück laufen. Und zogen damit die Darmstädter Hintermannschaft, die teilweise als Fünferkette aufgereiht war, weiter auseinander. Allein Heuer Fernandes war es zu verdanken, dass hinten weiterhin die Null stand. Der 25-Jährige lenkte auch den Linksschuss von Duda sehenswert zur Ecke (58.).

Sechs Minuten später war aber auch der Keeper bezwungen. Wieder hatte Duda abgezogen, wieder hatte Heuer Fernandes stark pariert, gegen den Abstauber des eine Minute vorher eingewechselten Vedad Ibisevic war aber auch er machtlos - 1:0 für Berlin durch den ersten Ballkontakt des erfahrenen Angreifers. „Man kann einen Bundesligisten nicht komplett ausschalten, aber in dieser Situation waren wir einfach zu weit weg von den Männern“, sagte Franke.

Die Lilien wären an diesem Abend aber nicht die Lilien gewesen, wenn sie nun aufgegeben hätten. Nach dem Rückstand war der Ausgleich möglich. Erst wurde nach 69 Minuten Dursun im Strafraum von Niklas Stark am Trikot gezogen - diesmal blieb der Pfiff aus -, dann verpasste der Stürmer eine Hereingabe knapp (73.). Die Hertha ihrerseits stellte durch den ebenfalls eingewechselten Maximilian Mittelstädt auf 2:0 (88.) - die Entscheidung, die die Darmstädter Anhänger dennoch nicht davon abhielt, ihrer Mannschaft nach Abpfiff den wohlverdienten Applaus für einen echten Pokalfight zu gönnen. Zumindest ein kleiner Trost.

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