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Enttäuscht: Der gebürtige Darmstädter Yannick Stark spielt bald nicht mehr in Darmstadt.

Darmstadt 98

Vier Asse und ein Härtefall

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Darmstadt 98 verlängert die Verträge mit Tobias Kempe, Immanuel Höhn, Fabian Holland und Patrick Herrmann – aber Yannick Stark verlässt den Klub. Auch Marcel Heller steht vor dem Abschied.

Der Donnerstag war in Darmstadt der Tag der Verkündigungen. Während die Deutsche Fußball-Liga mitteilte, dass die durch Corona unterbrochene Saison in den ersten beiden Fußball-Profiligen des Landes am Samstag, 16. Mai, mit Geisterspielen wieder aufgenommen wird, fertigte der Zweitligist aus Südhessen fleißig jene Mails an, die stets mit dem Betreff „Medieninformation SV 98“ ins Postfach der Pressevertreter flattern. Inhalt diesmal: Vertragsverlängerungen, insgesamt vier Stück.

So wurden die am 30. Juni auslaufenden Kontrakte mit Kapitän Fabian Holland (29), Mittelfeldspieler Tobias Kempe (30), Innenverteidiger Immanuel Höhn (28) und Rechtsverteidiger Patrick Herrmann (32) um jeweils ein Jahr ausgedehnt. Die Profis sind nun bis Sommer 2021 an die Lilien gebunden. Vor allem Holland, Kempe und Höhn sind wichtige Säulen im Lilien-Konstrukt. Die kurzen Vertragslaufzeiten sind dabei auch mit den (finanziellen) Folgen der Corona-Krise zu erklären. Zumal noch völlig unklar ist, wie viel Geld der neue Fernsehvertrag ab der Saison 2021/22 auf die Klubs abwerfen wird. Umsichtiges Planen steht daher an erster Stelle, auch bei Darmstadt 98, das eine Verkleinerung des Kaders anstrebt.

„Es war klar, dass es Einschnitte geben würde“, sagte SVD-Sportdirektor Carsten Wehlmann der FR: „Man muss Aspekte mit einkalkulieren, die durch Corona zustande gekommen sind. Wir spielen ja bis auf Weiteres ohne Zuschauer, auch in der nächsten Saison. Da schauen wir schon, dass wir eine seriöse Planung anstellen, so wie das in Darmstadt schon in den Jahren zuvor gemacht wurde. Was im Umkehrschluss natürlich dazu führt, dass der Etat ein Stück weit anders aussieht als zuvor.“ Nämlich kleiner.

So kommt es zu Härtefällen – wie bei Mittelfeldspieler Yannick Stark, gebürtiger Darmstädter, Identifikationsfigur für die Fans, zuletzt auch Stammspieler im zentralen Mittelfeld. Auch der Vertrag des 29-Jährigen läuft Ende Juni aus, wird jedoch nicht verlängert. „Es war wirklich eine sehr, sehr schwere Entscheidung, wir haben lange darüber diskutiert“, so Wehlmann: „Er ist ein super Typ, gebürtiger Darmstädter, gibt immer Vollgas, man kann sich auf ihn verlassen, und das sind alles Punkte, die wir mit einbezogen haben, wie auch die guten Leistungen, der er nach dem Winter gezeigt hat. Es tut mir definitiv leid.“ Aber: „Es war auch klar, dass wir den Kader im Sommer verkleinern wollen und müssen, und wir haben gerade auf Yannicks Position noch ein paar andere Jungs unter Vertrag, die im Defensivbereich auch mehrere Positionen spielen können.“

Auch Heller vor Abschied

Flexibilität heißt das Stichwort in Zeiten der Kaderverschlankung, und Starks Flexibilität betrifft die Offensive, in welcher die Lilien im Zentrum gut besetzt sind. Weil es schwierig, eher gar unmöglich ist für die Lilien in der jetzigen Situation, die Leih-Innenverteidiger Dario Dumic (kehrt zum FC Utrecht zurück) und Nicolai Rapp (Union Berlin) über den 30. Juni hinaus zu halten, brauchen die Darmstädter Sechser, die sich auch in der Innenverteidigung wohlfühlen. So ein Sechser ist Yannick Stark nicht.

Aus anderen Gründen wird der ewige Flügelflitzer Marcel Heller nicht über den Sommer hinaus am Böllenfalltor spielen, auch wenn das bei den Lilien noch niemand laut sagen will. Heller ist 34, auch sein Vertrag läuft im Sommer aus, und auch wenn er immer noch so schnell rennt, als wäre er zehn Jahre jünger, kam er zuletzt kaum noch zum Einsatz. Verrechnet man dies mit einem Gehalt, das zu den besseren bei den Lilien gehört, ist eine Trennung zu den gegebenen Umständen unausweichlich.

Natürlich wird Heller noch dabei sein, wenn der aktuelle Tabellensechste am Samstag in die einwöchige von der DFL vorgeschriebene Quarantäne geht vor dem Liganeustart sieben Tage später in Karlsruhe (13.30 Uhr). Man bezieht ein Hotel in der Darmstädter Umgebung, trainiert wird weiter am Böllenfalltor. Alle bisherigen Corona-Tests waren negativ bei den Lilien.

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