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Smileys auf den Waden: Victor Palsson.

SV Darmstadt 98

Victor Palsson (Lilien): Auf Montage

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Weltenbummler Victor Palsson sucht in Darmstadt sein Glück.

Man kann nicht behaupten, das Trainingslager des SV Darmstadt 98 im malerischen Stubaital sei gänzlich störungsfrei abgelaufen in der zurückliegenden Woche. Dicke, graue Wolken waren bis Sonntag treue Begleiter der südhessischen Zweitligaprofis in Österreich, die Höchsttemperaturen hatten sich im Laufe der Woche bei frischen zehn Grad eingependelt. Einmal hat es gehagelt, und mitunter war gar die Nachtruhe gefährdet, zumindest bei Mittelfeldspieler Victor Palsson, 28, der sich ein Zimmer mit Braydon Manu teilte, dem Neuzugang vom Halleschen FC. „Er ist ein lustiger Typ, wir verstehen uns gut“, sagt Palsson über den 22- Jährigen. Aber: „Er schnarcht. Ich bin jede Nacht davon aufgewacht.“

Der Isländer, ein smarter und reflektierter Gesprächspartner, erzählt das mit einem Lachen. Die Stimmung ist gut bei den Lilien, knapp zwei Wochen vor dem Zweitligastart mit dem Auswärtsspiel beim Hamburger SV (Sonntag, 28. Juli, 13.30 Uhr). „Wir trainieren intelligent, eine gute Mischung aus Fitness und Fußball“, sagt der Defensivstratege, der aufgrund einer Länderspielreise nach der vergangenen Saison erst seit gut zwei Wochen wieder am Trainingsbetrieb teilnimmt und sich deshalb auch kein abschließendes Urteil über die Stärke des neuen Kaders erlauben mag. „Was ich gesehen habe im Training, zeigt mir aber, dass wir talentierte Jungs dazu bekommen haben. Die Mannschaft macht einen stabilen Eindruck.“

Aus Gründen der Stabilisierung war Palsson selbst erst im Januar dieses Jahres vom FC Zürich nach Darmstadt gewechselt, damals auf Betreiben des Trainers Dirk Schuster, der dann aber bald zum Ex-Trainer wurde, weil der Fußball der Lilien immer mehr zu verkümmern drohte. Stammspieler war Palsson auch bei Schuster-Nachfolger Dimitrios Grammozis, mit dem die Lilien die spielerische Tristesse hinter sich ließen und letztlich souverän den Klassenerhalt schafften, und in die Rolle als Führungsspieler war er ohnehin fast umgehend geschlüpft. Typsache. „Ich weiß, dass ich nicht der beste Fußballer der Welt bin“, sagt er, dessen Stärken sicher nicht im technischen Bereich liegen, sondern im kämpferisch-mentalen. „Ich bringe etwas ein, was vielleicht nicht so viele einbringen können. Das ist Teil meiner Identität.“ Mit 16 verließ der Sohn einer Isländerin und eines Portugiesen seine Geburtsstadt Reykjavik, um Profi in Dänemark zu werden, bei Aarhus GF. Früh musste er lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Seine wendungsreiche Laufbahn hat ihn nun nach Darmstadt gebracht, es ist seine zehnte Profistation. In England war er bereits, bei der Reserve des FC Liverpool, auch in Schottland, in Schweden und in den USA, New York Red Bull. Bei den Lilien besitzt er nun einen Vertrag bis 2022, aber was heißt das schon. „Je länger ich in Darmstadt bin, desto wohler fühle ich mich“, sagt Palsson zwar, was aber nicht bedeutet, dass er allumfassend glücklich ist.

„Ich versuche das Beste draus zu machen, denn Darmstadt ist eine tolle Stadt. Ich habe eine nette Wohnung, ein paar Orte, an denen ich gerne bin, ein paar Leute, mit denen ich gerne Zeit verbringe. Aber Darmstadt ist, wo ich arbeite. Zuhause ist, wo meine Familie ist.“ Und seine Familie, der kleine Sohn, ist beim Wechsel aus Zürich zurück nach Skandinavien gegangen, weshalb Victor Palsson nun ein Leben wie auf Montage führt. „Simpel“, nennt er es selbst: „Gut trainieren und nach Schweden fliegen, um bei meiner Familie zu sein. Das sind meine Prioritäten.“ Wenn die Mannschaft zwei Tage frei hat, fliegt er auf jeden Fall in den Norden, manchmal sogar, wenn es nur ein Tag ist. „Es ist nicht so einfach. Aber es ist, wie es ist“, übt sich Palsson in Fatalismus, dessen Wunsch fürs Team für die kommende Saison ebenfalls recht simpel ist: „Besser sein als in der letzten.“

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