Darmstadt_280920
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Schmerzhaft: Lilien-Torhüter Schuhen musste nach einem Zusammenprall behandelt werden, konnte aber weitermachen.

Darmstadt 98

Vergessliche Lilien

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Die Darmstädter Fußballer treffen gegen Regensburg das Tor nicht.

Keine Sekunde ließ er den Ball aus den Augen, seinen Moment wollte er nicht verpassen. Auf den Stehplätzen, dort wo in corona-freien Zeiten eigentlich die lautesten Darmstädter Fußballfans Frust und Freude herausschreien, stand er völlig allein, wartend darauf, endlich die Eins aufhängen zu dürfen. Weil die Haupttribüne des Stadions am Böllenfalltor derzeit eine einzige Baustelle ist und damit einhergehend die digitale Anzeigetafel außer Betrieb gesetzt wurde, war es am Samstag an Nico Stelzer, einem über Nieder-Ramstädter Diakonie bei den Lilien angestellten Mitarbeiter, das Publikum aufs Ergebnis hinzuweisen. Analog, weiße Holzzahlen auf blauem Grund, charmant nostalgisch. Bloß: Stelzer blieb beschäftigungslos.

0:0 endete das erste Heimspiel des SV 98 in dieser Zweitligasaison, das gleichzeitig auch das erste von Markus Anfang als Chefcoach der Südhessen war. Dabei spielten die Lilien vor zugelassenen 1741 Fans gegen den SSV Jahn Regensburg gekonnt auf. Drei, vier Tore wären allemal drin gewesen.

„Von der ersten Sekunde an haben wir die Partie gut angenommen. Was soll ich den Jungs also vorwerfen?“, fragte sich Trainer Anfang und antwortete mit seinem folgenden Schulterzucken im Grunde selbst: nichts. Außer vielleicht: „Wir haben das Tor nicht gemacht.“ Das 0:0 sei sehr bitter und tue weh, sagte Anfang, „aber man muss den Jungs ein Lob zollen – wie sie nach vorne gespielt haben und unbedingt diese Partie gewinnen wollten.“ Taten sie aber nicht, so dass es nach zwei Saisonspielen erst ein magerer Punkt aufs eigene Konto geschafft hat.

Mathias Honsak, Tobias Kempe, Nicolai Rapp, Serdar Dursun, Erich Berko, Marvin Mehlem - kaum ein Lilien-Profi versuchte es nicht. Manche auch mehrfach. Vor allem in der zweiten Hälfte dominierten die Hausherren und waren stets darum bemüht bei aller Angriffslust auch die Defensivpflicht nicht zu vernachlässigen. Erst in der Nachspielzeit vergab der Regensburger André Becker die einzige echte Tormöglichkeit der Gäste. Darmstadts Techniker Mehlem analysierte das eigene Tun treffend: „Wir haben vergessen, uns zu belohnen.“

Auch Nico Stelzer sah das so. Das weiße Holzschild mit der Eins packte er nach dem Abpfiff kopfschüttelnd zur Seite.

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