Lilien

Tüfteln gegen die Straßenbahnkicker

Für Darmstadt 98 dürfte das Pokalspiel beim Fünftligisten Bremer SV nicht viel mehr als ein abschließendes Testspiel werden

Von Jakob Böllhoff und Frank Hellmann

Dass es nur wenige Garantien gibt im Fußball, das weiß natürlich auch der SV Darmstadt 98, der ungewöhnliche Bundesligist im Dauerumbruch. Angenehm also für die Lilien, dass sie vor der ersten Pokalrunde schon fast mit der zweiten planen dürfen: Denn der Bremer SV sollte (und darf) am Sonntagnachmittag nicht zum Stolperstein werden für den Erstligisten.

Beim BSV sind lupenreine Amateure und – vor allem bei den Gegnern – noch echte Hobbykicker am Ball. Die Bremen-Liga wird etwas spöttisch auch Straßenbahnliga genannt, so nah liegen die Sportplätze beieinander, und das Niveau bewegt sich aufgrund der geringen Zahl an Mannschaften und Spielern in dem kleinen Bundesland allenfalls im Bereich der hessischen Gruppenliga.
Es dürfte also eine Art abschließendes Testspiel im Pflichtspielmodus für den SV98 werden, eine Woche vor dem Bundesligastart beim 1. FC Köln. Was sich ganz gut trifft. Denn es gibt noch einiges auszutüfteln für Trainer Norbert Meier und sein Team.

Langsam ist der Kader rund

Zum Beispiel: Wie weit sind Mittelstürmer Sven Schipplock und Innenverteidiger Alexander Milosevic, die beide erst in dieser Woche ans Böllenfalltor wechselten? Kommt Laszlo Kleinheisler, der Leihspieler von Werder Bremen, in seiner alten Heimat zu seinen ersten Minuten im Lilien-Trikot? Und wenn ja: Auf welcher Position, im offensiven Mittelfeld oder doch weiter hinten im Zentrum, auf der Sechs? Und ist Flügelflitzer Denys Oliynyk bereits ein Kandidat für die Startelf? Könnte schon sein, jetzt, da Maximilian Beister nach wochenlangem Probetraining fürs Erste wieder zu Mainz 05 zurückgekehrt ist, weil die Lilien sich (noch) nicht zu einer Verpflichtung durchringen konnten.

Meier jedenfalls, der alte Bremer, zwischen 1980 und 1989 für den SV Werder aktiv, wird im hohen Norden neben dem Weiterkommen auch auf die eine oder andere Eingebung hoffen. Der Darmstädter Kader rundet sich ja langsam ab, auch das Torhüter-Trio für die kommende Saison ist nun beisammen: Am Freitag gab der Verein die Verpflichtung des Ukrainers Igor Berezovsky bekannt.

Der 25-Jährige stand bis zum Ende der abgelaufenen Saison bei Lierse SK in Belgien unter Vertrag, danach war er ohne Verein. Für Lierse absolvierte der Ukrainer 25 Spiele. Den Lilien-Fans stellte sich Berezovsky bereits bei seinem 45-minütigen im Testspieleinsatz gegen UD Las Palmas vor (1:1). Damals noch als Probespieler zwischen den Pfosten, wirkte er in der einen oder anderen Szene etwas unsicher – womöglich dem Druck geschuldet, um einen neuen Vertrag zu spielen.

Der Keeper ist nach Oliynyk und Artem Fedetskyy schon der dritte Neuzugang aus der Ukraine in diesem Sommer. Die Lilien haben sich in diesem Sommer multikulturell entwickelt, während Meiers Vorgänger Dirk Schuster aus Sprachgründen vorwiegend auf deutsches Personal setzte. „Fußball ist doch immer multilkulti“, sagte Meier dieser Tage, „damit bin ich groß geworden. Ist doch egal, ob weiß, schwarz, gelb oder blau: Wenn du kicken kannst, bist du drin.“

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