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Marcel Heller im Torjubel.

Darmstadt 98

Die Trickser vom Bölle

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Nach dem 1:0 in Magdeburg ist der Klassenerhalt für Darmstadt 98 ganz nah - eine einstudierte Überraschung bringt die Entscheidung.

Im Vorfeld von Fußballspielen reden Trainer ja gerne mal davon, dass die Grundlagen für Erfolge unter der Woche gelegt werden. Dass im Training hart und konzentriert an dem gearbeitet werden muss, was am Tag X den Sieg bringen soll. Da wird dann also ständig die Taktik verfeinert, die körperliche Basis für die 90-minütige Rennerei gelegt - und nicht zuletzt werden auch ein paar Tricksereien bei ruhenden Bällen einstudiert. Dass sich diese Arbeit tatsächlich auszahlen kann, erfuhren am Samstag die Kicker vom SV Darmstadt 98 bei ihrem 1:0 (0:0)-Erfolg in Magdeburg.

Es lief in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts also die 87. Minute eines zuvor zähen Zweitligaspiels, als sich Tobias Kempe, ausgewiesener Freistoßexperte, den Ball noch einmal zurechtlegte. Zwei Schritte zurück, ein Blick in die Mitte, zwei Schritt nach vorne - und schon folgte die einstudierte Überraschung für die Magdeburger. Denn statt den Ball hoch in die Mitte zu hauen, passte Kempe ihn flach auf Serdar Dursun. Der Stürmer ließ kurz abprallen, Marcel Heller reagierte rasch und versenkte den Ball mit links im Eck - das späte 1:0, das gleichbedeutend mit dem Sieg und neun Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone war. Durchatmen beim SV Darmstadt 98, der Klassenerhalt für die Fußballer vom Bölle ist ganz nah.

„Der Freistoß war eine einstudierte Variante. Eigentlich sollte er direkt zu mir, so hat Serdar den Ball noch mal abgelegt. Ich hatte dann einfach abgezogen und Glück gehabt, dass er durch die Beine eines Verteidigers gegangen ist“, sagte Heller, der genau wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte. Statt zu jubeln, flitzte der 33-Jährige schnurstracks zur Bank und sprang Co-Trainer Iraklis Metaxas in die Arme - dem Mann, der sich gemeinsam mit dem zweiten Assistenten Sven Thur den finalen Trick hatte einfallen lassen. „Es ist sehr schön, dass eine Variante aus dem Training klappt“, sagte Heller.

Vermutlich brachte sie sogar den Klassenerhalt. Bei noch fünf ausstehenden Spieltagen, also maximal noch 15 zu vergebenden Punkten, ist der Gang in die Drittklassigkeit theoretisch zwar noch nicht ausgeschlossen, praktisch können die Lilien seit Samstag ihre Planungen für eine weitere Zweitligasaison aber intensivieren. „Wir sind überglücklich“, sagte Chefcoach Dimitrios Grammozis, „es war kein brutal verdienter Sieg, sondern eher ein dreckiger.“ Dreckig, aber schön.

Grammozis warnte seine Mannen nach Spielschluss dennoch eindringlich davor, nun nachzulassen. „Wir werden den Teufel tun, uns in Sicherheit zu wiegen“, sagte er, „wir werden weiter 100 Prozent Gas geben.“ Etwas, dass die Darmstädter auch in Magdeburg getan hatten. Spielerisch gab es sicher noch Potenzial nach oben, kämpferisch aber schöpften die Gäste ihre volles Vermögen aus.

Sie rannten, grätschten, warfen sich in Schüsse. Vor allem in den ersten 30 Minuten mussten sie sich vielen Magdeburger Angriffe erwehren. Zweimal parierte Lilien-Torhüter Daniel Heuer Fernandes stark. Anschließend verpassten die Darmstädter Offensivleute Kempe und Dursun ihrerseits noch vor der Pause die Führung. Nach dem Seitenwechsel ging dann bei beiden Mannschaften im Spielaufbau nicht mehr viel, Chancen gab es lange Zeit keine, bis zur 87. Minute, als Kempe, Dursun und Heller im finalen Akt die im Training einstudierte Freistoßtrickserei erfolgreich umsetzten. „Es ist toll, dass sich die stundenlange, intensive Arbeit ausgezahlt hat“, sagte Trainer Dimitrios Grammozis.

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